Die Anlage ist fertig montiert. 
Das bin ich, Edgar Dingeldein 

Hallo, ich bin Edgar Dingeldein, 58 Jahre alt, ich bin verheiratet und habe zwei Kinder.  Mein Wohnort liegt südlich von Darmstadt im Modautal. 

Ich bin Architekt und leite derzeit das Dezernat Baumanagement und Technischer Betrieb der Technischen Universität Darmstadt. Nach dem Abitur 1981 machte ich zunächst eine zweijährige Ausbildung zum Bau- und Möbelschreiner und arbeitete anschließend in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen sowie in einem Zimmereibetrieb. 1985-1992 absolvierte ich dann meine Architektenausbildung an der Technischen Hochschule Darmstadt. Unmittelbar nach dem Studium habe ich mit drei Kommilitonen ein Architekturbüro gegründet und war dort Mitinhaber, bis ich mich im Jahr 2008 entschloss neue Herausforderungen zu suchen. So führte mich mein Weg abermals zur nunmehr Technische Universität Darmstadt genannten Hochschule. 

Auf mehreren Afrikareisen, die mich nach Marokko, in die Sahara, durch das Atlasgebirge sowie nach Kenia führten, war das Thema sauberes und trinkbares Wasser allgegenwärtig. In ländlichen Regionen zwar mehr als in den Städten, aber auch dort ist das Trinken von Wasser aus dem Hahn ohne Abkochen nicht möglich. Die Folgen des Verzehrs von biologisch oder chemisch verunreinigtem Wasser sind weitreichend. Kinder fehlen immer wieder in der Schule und die Eltern bei der Arbeit, aber auch chronische Krankheiten und eine geringere Lebenserwartung sind die Folgen. Persönliche, familiäre und gesellschaftliche Entwicklungen stehen in direkter Abhängigkeit zur Verfügbarkeit trinkbaren Wassers. Ich fragte mich, ob ich selbst etwas Sinnvolles zur Verbesserung der Situation beitragen könnte und stieß bei meinen Recherchen auf Ingenieure ohne Grenzen. Dort bin ich seit Ende 2018 aktives SoWaDi-Mitglied. Ich mag es, an greifbaren Projekten mitzuarbeiten und meine Erfahrungen einzubringen. IOG hat nicht nur technischen Hintergrund, sondern ist auch inhaltlich stark aufgestellt und arbeitet sehr selbstreflektiert im Bezug auf das Thema Entwicklungszusammenarbeit. Die Arbeit ist interdisziplinär, jede und jeder kann mitmachen. Mir gefällt dieses Konzept. Bei SoWaDi engagiere ich mich in der Gruppe Performance, wo ich technisches Fachwissen im Bereich Bau, Konstruktion, Material und Holzbearbeitung an vielen Stellen einbringen kann. Für die Ausreise habe ich darüber hinaus die Aufgabe des Fotografen übernommen. 

Im Vorfeld unseres Tansania-Aufenthalts hatten wir zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen. Die drei Bereiche Performance, Bauanleitung und 3D-Modellierung können meiner Meinung nach noch effektiver zusammenarbeiten und die Schnittstellen optimieren und so das Potential des Anlagenkonzeptes noch besser herausgearbeitet werden. Eine weitere Herausforderung besteht für uns alle in den semesterbedingten Schwankungen bei den Studierenden und auch meine Aufgabe an der TU Darmstadt fordert mich sehr. Die studienbedingte Fluktuation bei den Studierenden erfordert hohen Aufwand, um Wissenserhalt und –transfer zu gewährleisten. Die Veränderungen, die mein Engagement bei Ingenieure ohne Grenzen mit sich brachte, machten sich vor allem bezogen auf die Freizeit bemerkbar, die ich großteils in die Projektarbeit investierte. Gerade die Ausreisevorbereitung war sehr zeitintensiv. Damit war zwar zu rechnen, aber es war trotzdem mehr als erwartet. Gleichzeitig erfuhr ich unglaublich viel positive Rückmeldung und Interesse aus meinem persönlichen Umfeld. Die Entwicklungszusammenarbeit und das SoWaDi-Projekt sind für mich neue Felder, die nochmal zu einem ganz anderen Kontakt zur jüngeren Generation führten, da die Gruppe zum größten Teil aus Studierenden besteht. 

Julius bei der Erklärung der Messtechnik-Komponenten. Mittels Messtechnik sollen in den nächsten Monaten und Jahren Daten an einer der Anlagen aufgenommen werden, die unserem Team Informationen bezüglich dem Langzeitverhalten der Anlage liefern. 

Was ist in der letzten Woche Wichtiges passiert? Zunächst haben unsere tansanischen Partner, Julius, Jonas und ich beide Anlagen repariert und einige Herausforderungen wie zum Beispiel die Materialbeschaffung gemeistert. Wir mussten oft improvisieren und kamen zwischendurch etwas unter Druck. Mit Teamgeist und Einsatz gelang es am Freitag dennoch, beide Anlagen planmäßig in Betrieb zu nehmen. Leider war es uns nicht vergönnt, einen frischen Tee mit SoWaDi-Wasser zu kochen, da die Sonne nicht mitspielte. Zum Schluss wurde im Rahmen einer Abschlussbesprechung mit den Benutzern vor Ort das weitere Vorgehen besprochen und ein Kommunikationskanal für enge Zusammenarbeit eingerichtet. Mittlerweile sind wir von Mwanga nach Moshi zurückgekehrt und haben die Umsetzung des Projekts am nächsten Standort besprochen. Was mich an unserer ersten Station rückwirkend am meisten beeindruckt hat, ist die wunderbare Gastfreundschaft von Gasianus und seiner Frau sowie dessen Engagement in Bezug auf die Berufsschule und die Schüler. 

Gespannt beobachten wir das Einsetzen der oberen Glasscheibe. Das empfindlichste Teil der Anlage. 

Ab jetzt heißt es jedoch, sich auf den nächsten Ausreiseabschnitt an der Kidia Primary School vorzubereiten. Die dortigen Rahmenbedingungen sind noch weitgehend unbekannt und es wird sicher spannend, dort anzukommen und mit der Situation umzugehen. Unser Plan ist, die Lage zunächst mit allen Beteiligten zu besprechen, zusammen in Workshops die Bedeutung einer intakten Wasserversorgung zu erörtern und einkaufen zu gehen. Insgesamt erhoffe ich mir von der Ausreise einerseits mehr Erkenntnisse von der SoWaDi-Anlage. Andererseits bin ich gespannt, wie das, was wir so lange geplant haben, aussieht und funktioniert wenn es umgesetzt wurde. Ich persönlich finde regelmäßigen Perspektivenwechsel wichtig und möchte über den Tellerrand hinausschauen. Ich möchte neue Facetten der Welt mit eigenen Augen sehen, da Medien die Welt nur gefiltert darstellen. SoWaDi ist eine geniale Idee, es gibt aber noch Fragezeichen bezogen auf den Nutzen und die Kosten der Anlage. Trotz dieser Unsicherheiten hoffe ich, dass das Projekt in der Breite Akzeptanz finden wird.   

Am Inputtank tragen Julius und Jonas die Messskala auf. Mit der Schlauchwaage, die das Füllvolumen zeigt, werden jeweils 5 Liter markiert. 
Der letzte Schritt vor der Inbetriebnahme. Lehrer und Schüler schrauben den Abdeckrahmen für das Glas fest. Damit die Anlage nicht anfängt sich aufzuheizen, während gearbeitet wird, ist die Scheibe abgedeckt. 
Julius erläutert alle wichtigen Aspekte zu Wartung und Betrieb.  
Die Berufsschüler, Lehrer und ich  freuen uns über Abschlussbilder und Videos.