Trotz Lockdown: Es geht weiter

Hallo zusammen! 

Unsere Ausreisenden sind mittlerweile schon wieder über einen Monat in Deutschland. In dieser Zeit ist viel passiert und wir möchten euch mit diesem Blogeintrag ein kleines Update über unsere aktuelle Arbeit sowie der Situation in Tansania und in Darmstadt geben. 

Unsere aktuelle Arbeit:

Wiederinbetriebnahme unserer ersten Testanlage auf der Lichtwiese in Darmstadt

Sofort nach der Rückkehr von Rebecca, Jonas und Julius aus Tansania, ging es mit der Nachbereitung der Ausreise los. Diese umfasst neben der Sichtung von Bildern, Notizen und Co auch die ständige Kommunikation mit unserem Projektpartner, der Kilimanjaro Childlight Foundation (KCF), und den Nutzer*innen der Anlagen. Außerdem werden die Kosten der einzelnen Anlagen abgeschätzt und die Interviews mit den Leuten vorort ausgewertet. 

Für Feedback und die Aufnahme der wöchentlich gesendeten Messdaten haben wir eine  

Betreuungsgruppe gegründet, die den Kontakt nach Tansania aufrechterhält. Die so gesammelten Messdaten umfassen neben dem täglichen Wasseroutput der 6 Anlagen auch Informationen über das Wetter. Diese Wetterdaten können in Zukunft mit den Daten einer Online-Datenbank abgeglichen werden und ermöglichen eine detailliertere Analyse der Outputdaten. 

Während der Ausreise wurden außerdem kleinere Konstruktionsänderungen an der Anlage vorgenommen, die nun in der Themengruppe für Performance-Fragen diskutiert und durch die Anleitungsgruppe in die Aufbauanleitung aufgenommen werden. Unser Ziel ist es, größere konstruktive Änderungen beim geplanten Aufbau der zweiten Testanlage hier in Darmstadt aufzunehmen. 

Ein besonderer Fokus liegt im Moment auf der Messtechnik. Im Rahmen eines Advanced Design Projects (ADP) wird von 5 Studierenden an einer robusten, günstigen und einfach zu implementierenden Messelektronik gearbeitet, die bei unserer zweiten Testanlage im Sommer schon verbaut werden soll. Gleichzeitig sollen Größen zur Charakterisierung der Performance der Anlage bestimmt werden. Das hierfür ausgeschriebene ADP wird vom Institut für Technische Thermodynamik an der TU Darmstadt betreut. 

Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf unsere Arbeit:

Natürlich hat die COVID-19-Pandemie große Auswirkungen auf unsere Arbeit. Wir möchten euch in diesem Blogeintrag einen kurzen Einblick über die Situation in Tansania geben. Hierfür haben wir von Ichikael, unserer Ansprechpartnerin bei der KCF, und Gasiano, dem Schulleiter des Malage Vocational Training Center, wo das Ausreiseteam dieses Jahr die zwei Anlagen von 2017 wieder in Betrieb genommen hat, Einblicke in das aktuelle Leben in Tansania erhalten, die wir euch hier kurz präsentieren wollen. 

Ichikael (Kommunikation vom 01.04.): 

An der abgedeckten Anlage TZ01 am Malage VTC wird das Wasser abgelassen.

Ichikael hat einen Sohn und kümmert sich auch um ihren Neffen. Beide müssen grade zu Hause bleiben, da die Schulen in Tansania geschlossen sind. Sie übernimmt die Arbeit der Lehrkräfte – leider wollen die beiden Kleinen trotz allen Einsatzes wieder zur Schule. Aktuell stellt sich die Frage, ob auch die Prüfungen zu Hause geschrieben werden sollen. Andere Einrichtungen wie Märkte und Kirchen sind weiterhin geöffnet, Massen-veranstaltungen wurden allerdings abgesagt. Problematisch seien vor allem Menschen, die die Situation nicht ernst nehmen. Viele schränken ihr öffentliches Leben nicht besonders ein, hygienische Schutzmaßnahmen, wie Händewaschen, werden häufig nicht getroffen. Zwar sind in Tansania vergleichsweise wenig Menschen in Quarantäne, trotzdem ist die Anspannung bemerkbar. Die Infektionszahlen aus Europa werden mit großer Sorge verfolgt. 

Wir sind sehr froh, dass es allen Nutzern und Mitwirkenden in Tansania den Umständen entsprechend gut geht. Zwar ist das öffentliche Leben zum Teil eingeschränkt, doch nur so kann die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden. Der ständige Kontakt mit den Nutzern vor Ort ist in diesen Zeiten besonders wichtig! 

Auch die Anlage TZ03 an der Kidia Primary School ist abgedeckt.

Gasiano (Kommunikation vom 25.03.) :

Gasiano beschreibt die aktuelle Situation als schwierig. Schade sei es, dass seine Berufsschule für Schüler geschlossen ist; gleichzeitig sieht er die Lage wegen der noch geringen Infektionszahlen positiv. Die Lehrer an seiner Schule gehen weiterhin ihren Aufgaben, wie Instandhaltung der Schule oder dem Bewirtschaften der schulischen Gärten nach. Die Schulschließungen der Regierung werden voraussichtlich bis zum 17.04. andauern und streng überwacht. Bei der verbotenen Öffnung einer Schule riskiert der Schulleiter eine dauerhafte Schließung der Institution. 

Gasiano hat fünf Kinder. Seine Tochter studiert in Xi’an, China und kam wegen COVID-19 bereits im Februar zurück nach Tansania. Die Familie ist froh, dass sie zuhause ist und alle gesund sind. Über verschiedene Nachrichtenkanäle wird sich über die Situation in anderen Ländern informiert. Besonders die Lage in Italien wird mit großen Sorgen verfolgt. 

Da unsere Anlagen teilweise auf Schulgrundstücken stehen, wurden einige von ihnen in den Standby-Modus versetzt. Der Absorberkasten wird hierfür mit einer lichtundurchlässigen Folie abgedeckt, sodass sich keine Bauteile durch die Sonne aufheizen. Im Moment befinden sich drei der Anlagen in diesem Zustand. Die restlichen Anlagen werden weiterhin benutzt und es werden wöchentlich Messdaten an die Betreuungsgruppe geschickt. 

Natürlich hat sich auch die Arbeitsweise innerhalb der Projektgruppe in den letzten Wochen angepasst. Da alle im Homeoffice arbeiten, mussten Alternativen für Besprechungen und Projektgruppentreffen gefunden werden. Für unsere Treffen jeden zweiten Dienstag benutzen wir ein Programm für Sprachkonferenzen. Es wird viel über Social Media kommuniziert und Vorträge können über eine spezielle Webseite präsentiert werden. Trotz aller technischen Helferlein freuen wir uns auch wieder auf gemeinsame Stunden im Hochschulgruppenhaus! 

Bleibt gesund und bis dann! 

Kukaa na afya na mpaka wakati huo! 

Hinter den Kulissen – Ein Bericht aus dem Backoffice

Auch während der Ausreise hat die Projektgruppe in Deutschland nicht aufgehört, sich regelmäßig zu treffen. Neben Backofficeaufgaben haben wir auch mit der Projektarbeit weitergemacht.
Das bin ich, Sara Konrad.

Hallo, ich bin Sara Konrad. Zum Abschluss der diesjährigen Ausreise erzähle ich aus der anderen Perspektive: Aus dem Backoffice. Dieses hat die Ausreisenden aus der Ferne tatkräftig unterstützt, aber auch den normalen Projektbetrieb in Darmstadt aufrechterhalten. 

Ich bin 25 Jahre alt und studiere im Master Maschinenbau und Energy Science and Engineering. Bereits seit 2015 bin ich bei Ingenieure ohne Grenzen in Darmstadt tätig, bei SoWaDi habe ich jedoch erst zwei Jahre später angefangen. 

Lange Zeit habe ich mich ausschließlich mit der Organisationsarbeit der gesamten Regionalgruppe beschäftigt, habe Newsletter geschrieben, Teambuilding-Events organisiert und die Arbeitsmedien der Regionalgruppe koordiniert. Mir war es persönlich wichtig, mich in der Entwicklungszusammenarbeit einzusetzen. Nach zwei Jahren, in denen ich mich rein in der Organisationsarbeit betätigt habe, wollte ich jedoch in ein Projekt einsteigen und habe mich für SoWaDi entschieden. Gerade im Projekt SoWaDi ist es gut möglich, vielen Menschen durch die Verbesserung der Wasserversorgung eine bessere Lebenssituation zu ermöglichen.   Hier hatte ich von Beginn an den Eindruck mein Wissen aus dem Studium am besten einsetzen zu können.

Am Anfang meiner Projektarbeit war das Ausreiseteam von 2017 bereits seit ein paar Monaten zurück aus Tansania und die Phase der Nachbereitung war in vollem Gange, sodass sich aus der Ausreise ergebende Anlagenveränderungen angegangen wurden. Die Ausreise hatte gezeigt, dass die Anlage an einigen Punkten optimiert werden konnte, um zu einer höheren Effizienz  und Robustheit beizutragen und die Verbreitung zu vereinfachen. Meine Aufgabe war es, mich mit den in Tansania aufgetretenen Glasbrüchen zu beschäftigen. Eins der Ergebnisse war, dass man die hochbeanspruchte untere Glasscheibe in mehrere kleine Glasscheiben unterteilt. 

Neben technischen Herausforderungen von SoWaDi war es uns lange Zeit nicht möglich einen Standort für eine Testanlage in Deutschland zu finden, der es uns erlaubt hätte die Anlage länger als sechs Wochen in Betrieb zu haben. Deswegen war ich ausgesprochen froh, dass wir  Anfang 2019 endlich fündig wurden und wir ein paar Monate später an der TU Darmstadt eine Anlage aufbauen konnten, die dort für mindestens 3 Jahre stehen bleibt. So ist es uns möglich Änderungen gleich in der Praxis zu testen und Langzeitdaten zu sammeln.  

Neben den Fähigkeiten, die ich durch die inhaltliche Ingenieursarbeit erworben habe, habe ich enorm viel über das gemeinsame und effiziente Arbeiten in großen Gruppen gelernt. Seit Oktober 2018 bin ich deswegen auch Ansprechpartnerin von SoWaDi geworden und habe seitdem enorm viel über erfolgreiche Gruppenführung und -organisation gelernt und konnte die bereits erworbenen Fähigkeiten aus meiner IOG-Anfangszeit gezielt einsetzen. 

Außerdem bin ich durch diese Arbeit viel sensibilisierter, wenn es um interkulturelle Kommunikation und Entwicklungszusammenarbeit geht. Auch der Besuch von einigen Seminaren zur Weiterbildung von Ingenieure ohne Grenzen hat dazu beigetragen. Durch diese Arbeit habe ich einen ganz anderen Blickwinkel auf Themen wie Alltagsdiskriminierung und Rassismus bekommen. 

Während das Ausreiseteam in Tansania tätig war, war es meine Aufgabe sie so gut es geht zu unterstützen und Aufgaben abzuleiten, die das Backoffice für sie übernehmen kann. So konnten sie sich vor Ort voll und ganz auf ihre Aufgaben konzentrieren, dabei wusste ich stets was für sie gerade ansteht und war an den wichtigen Entscheidungen beteiligt. 

Die Tätigkeiten unseres Backoffice-Team waren vor allem organisatorischer Natur: Wir haben die Blogeinträge und Spendenberichte geschrieben, Fragen seitens des Ausreiseteams beantwortet und dabei die langfristige Ausrichtung des Projekts vorangetrieben. 

Alle sechs SoWaDi-Anlagen haben eine eindeutige Seriennummer. Natürlich darf dann ein Typenschild nicht fehlen. 
Von den Nutzern der Anlagen bekommen wir regelmäßig Daten über die Anlagen geschickt. Dadurch können wir mit der Zeit erkennen, wie sich die Leistungsfähigkeit verändert.

Außerdem hatten wir während der Ausreise genug Zeit, um die Kommunikation zwischen uns als SoWaDi-Team in Darmstadt und den Nutzern der Anlagen einzuspielen. Das Schöne daran war, zu sehen, dass nicht nur wir Input an die Menschen vor Ort geben konnten, sondern auch von den engagierten Nutzern Verbesserungsvorschläge zu unserer Arbeit kamen, wodurch wir mit den meisten Nutzern mittlerweile schon ein eingespieltes Team sind. Das war ein sehr wichtiges Zeichen, das den guten Verlauf der Ausreise widerspiegelt und hoffentlich beispielhaft dafür ist, wie es läuft, wenn die Ausreisenden wieder zurück in Darmstadt sind. 

Besonders freut mich auch, dass es mit dem Projekt auch in Deutschland gleich weitergeht. Die Testphase geht auch hier in Deutschland in die nächste Runde: In Zusammenarbeit mit dem Institut für Technische Thermodynamik der TU Darmstadt wollen wir unser Messtechnikkonzept noch weiter optimieren, um die Effizienz der Anlage zu steigern. Neben der Anlage, die bereits hier in Darmstadt steht, soll sich zum Sommeranfang ein Zwilling gesellen. Die Idee ist, dass wir Verbesserungen, die wir an der Zwillingsanlage vornehmen werden, nicht nur noch schneller umsetzen, sondern vor allem auch direkt im Vergleich zur Standardanlage bewerten können. 

In der vergangenen Woche hat das Ausreiseteam wichtige Besprechungen mit dem Projektpartner gehabt, die vor Ort direkt mit den Zuständigen geführt werden mussten. Diese Besprechungen waren enorm wichtig, damit die Kilimanjaro Childlight Foundation in Zukunft die Schnittstelle zwischen uns und den Nutzern sein kann, sollte es zu jeglichen Problemen mit den Anlagen oder der Kommunikation untereinander kommen. 

Am Mittwoch 04.03.2020 haben dann auch Jonas, Julius und Rebecca schweren Herzens die Heimreise angetreten und sind Donnerstagmorgen wohlbehalten in Deutschland gelandet. 

Jetzt nach der Ausreise steht zu allererst die Nachbereitung an, damit kein wertvolles Wissen verloren geht.  Es wurde eine Vielzahl von spannenden Gesprächen zum Thema Verbreitung der Anlage geführt und wir müssen die Daten, die wir konstant von den Nutzern erhalten, kontinuierlich aufbereiten. 

Wenn die unmittelbare Nachbereitung abgeschlossen ist, wird die größte Herausforderung im Team sein, die weiteren wesentlichen Projektaufgaben auszukristallisieren und uns auf die neu gesetzten Ziele zu fokussieren. Dazu gehören sicherlich unter Anderem technische Herausforderungen, die beim Aufbau der sechs Anlagen aufgefallen sind, von denen das Ausreise-Team in den nächsten Wochen detailliert berichten wird. 

Insgesamt bin ich überaus froh, dass die Ausreise trotz kleiner Herausforderungen gut gelaufen ist. Wir können wirklich zufrieden und stolz sein, die lange Vorbereitung hat sich gelohnt. Es wurde außerordentlich viel geschafft, nicht nur vom Ausreiseteam und von uns im Backoffice, sondern auch von den Menschen vor Ort, die wir größtenteils vor der Ausreise nicht einmal kannten. Dass beim Zusammenarbeiten vor Ort das Feedback stets positiv war, war eine willkommene Belohnung für die letzten Monate intensiver Vorbereitung. 

Wir merken wie wichtig es ist weiter an unserem Projekt zu arbeiten. Nicht nur weil wir selbst fasziniert davon sind, sondern auch weil die Menschen vor Ort die Notwendigkeit der Anlagen und ihre Vorteile gegenüber bereits existierenden Methoden der Wasseraufbereitung sehen. Die Problematik der Wassersituation ist und bleibt weiterhin aktuell in vielen Regionen dieser Welt und für all diese Menschen lohnt es sich die Anlage weiter zu überarbeiten und Verbreitungsstrategien zu optimieren, damit möglichst viele Menschen davon profitieren können. 

System reactivated. Die Anlagen laufen wieder!

Die Anlage ist fertig montiert. 
Das bin ich, Edgar Dingeldein 

Hallo, ich bin Edgar Dingeldein, 58 Jahre alt, ich bin verheiratet und habe zwei Kinder.  Mein Wohnort liegt südlich von Darmstadt im Modautal. 

Ich bin Architekt und leite derzeit das Dezernat Baumanagement und Technischer Betrieb der Technischen Universität Darmstadt. Nach dem Abitur 1981 machte ich zunächst eine zweijährige Ausbildung zum Bau- und Möbelschreiner und arbeitete anschließend in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen sowie in einem Zimmereibetrieb. 1985-1992 absolvierte ich dann meine Architektenausbildung an der Technischen Hochschule Darmstadt. Unmittelbar nach dem Studium habe ich mit drei Kommilitonen ein Architekturbüro gegründet und war dort Mitinhaber, bis ich mich im Jahr 2008 entschloss neue Herausforderungen zu suchen. So führte mich mein Weg abermals zur nunmehr Technische Universität Darmstadt genannten Hochschule. 

Auf mehreren Afrikareisen, die mich nach Marokko, in die Sahara, durch das Atlasgebirge sowie nach Kenia führten, war das Thema sauberes und trinkbares Wasser allgegenwärtig. In ländlichen Regionen zwar mehr als in den Städten, aber auch dort ist das Trinken von Wasser aus dem Hahn ohne Abkochen nicht möglich. Die Folgen des Verzehrs von biologisch oder chemisch verunreinigtem Wasser sind weitreichend. Kinder fehlen immer wieder in der Schule und die Eltern bei der Arbeit, aber auch chronische Krankheiten und eine geringere Lebenserwartung sind die Folgen. Persönliche, familiäre und gesellschaftliche Entwicklungen stehen in direkter Abhängigkeit zur Verfügbarkeit trinkbaren Wassers. Ich fragte mich, ob ich selbst etwas Sinnvolles zur Verbesserung der Situation beitragen könnte und stieß bei meinen Recherchen auf Ingenieure ohne Grenzen. Dort bin ich seit Ende 2018 aktives SoWaDi-Mitglied. Ich mag es, an greifbaren Projekten mitzuarbeiten und meine Erfahrungen einzubringen. IOG hat nicht nur technischen Hintergrund, sondern ist auch inhaltlich stark aufgestellt und arbeitet sehr selbstreflektiert im Bezug auf das Thema Entwicklungszusammenarbeit. Die Arbeit ist interdisziplinär, jede und jeder kann mitmachen. Mir gefällt dieses Konzept. Bei SoWaDi engagiere ich mich in der Gruppe Performance, wo ich technisches Fachwissen im Bereich Bau, Konstruktion, Material und Holzbearbeitung an vielen Stellen einbringen kann. Für die Ausreise habe ich darüber hinaus die Aufgabe des Fotografen übernommen. 

Im Vorfeld unseres Tansania-Aufenthalts hatten wir zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen. Die drei Bereiche Performance, Bauanleitung und 3D-Modellierung können meiner Meinung nach noch effektiver zusammenarbeiten und die Schnittstellen optimieren und so das Potential des Anlagenkonzeptes noch besser herausgearbeitet werden. Eine weitere Herausforderung besteht für uns alle in den semesterbedingten Schwankungen bei den Studierenden und auch meine Aufgabe an der TU Darmstadt fordert mich sehr. Die studienbedingte Fluktuation bei den Studierenden erfordert hohen Aufwand, um Wissenserhalt und –transfer zu gewährleisten. Die Veränderungen, die mein Engagement bei Ingenieure ohne Grenzen mit sich brachte, machten sich vor allem bezogen auf die Freizeit bemerkbar, die ich großteils in die Projektarbeit investierte. Gerade die Ausreisevorbereitung war sehr zeitintensiv. Damit war zwar zu rechnen, aber es war trotzdem mehr als erwartet. Gleichzeitig erfuhr ich unglaublich viel positive Rückmeldung und Interesse aus meinem persönlichen Umfeld. Die Entwicklungszusammenarbeit und das SoWaDi-Projekt sind für mich neue Felder, die nochmal zu einem ganz anderen Kontakt zur jüngeren Generation führten, da die Gruppe zum größten Teil aus Studierenden besteht. 

Julius bei der Erklärung der Messtechnik-Komponenten. Mittels Messtechnik sollen in den nächsten Monaten und Jahren Daten an einer der Anlagen aufgenommen werden, die unserem Team Informationen bezüglich dem Langzeitverhalten der Anlage liefern. 

Was ist in der letzten Woche Wichtiges passiert? Zunächst haben unsere tansanischen Partner, Julius, Jonas und ich beide Anlagen repariert und einige Herausforderungen wie zum Beispiel die Materialbeschaffung gemeistert. Wir mussten oft improvisieren und kamen zwischendurch etwas unter Druck. Mit Teamgeist und Einsatz gelang es am Freitag dennoch, beide Anlagen planmäßig in Betrieb zu nehmen. Leider war es uns nicht vergönnt, einen frischen Tee mit SoWaDi-Wasser zu kochen, da die Sonne nicht mitspielte. Zum Schluss wurde im Rahmen einer Abschlussbesprechung mit den Benutzern vor Ort das weitere Vorgehen besprochen und ein Kommunikationskanal für enge Zusammenarbeit eingerichtet. Mittlerweile sind wir von Mwanga nach Moshi zurückgekehrt und haben die Umsetzung des Projekts am nächsten Standort besprochen. Was mich an unserer ersten Station rückwirkend am meisten beeindruckt hat, ist die wunderbare Gastfreundschaft von Gasianus und seiner Frau sowie dessen Engagement in Bezug auf die Berufsschule und die Schüler. 

Gespannt beobachten wir das Einsetzen der oberen Glasscheibe. Das empfindlichste Teil der Anlage. 

Ab jetzt heißt es jedoch, sich auf den nächsten Ausreiseabschnitt an der Kidia Primary School vorzubereiten. Die dortigen Rahmenbedingungen sind noch weitgehend unbekannt und es wird sicher spannend, dort anzukommen und mit der Situation umzugehen. Unser Plan ist, die Lage zunächst mit allen Beteiligten zu besprechen, zusammen in Workshops die Bedeutung einer intakten Wasserversorgung zu erörtern und einkaufen zu gehen. Insgesamt erhoffe ich mir von der Ausreise einerseits mehr Erkenntnisse von der SoWaDi-Anlage. Andererseits bin ich gespannt, wie das, was wir so lange geplant haben, aussieht und funktioniert wenn es umgesetzt wurde. Ich persönlich finde regelmäßigen Perspektivenwechsel wichtig und möchte über den Tellerrand hinausschauen. Ich möchte neue Facetten der Welt mit eigenen Augen sehen, da Medien die Welt nur gefiltert darstellen. SoWaDi ist eine geniale Idee, es gibt aber noch Fragezeichen bezogen auf den Nutzen und die Kosten der Anlage. Trotz dieser Unsicherheiten hoffe ich, dass das Projekt in der Breite Akzeptanz finden wird.   

Am Inputtank tragen Julius und Jonas die Messskala auf. Mit der Schlauchwaage, die das Füllvolumen zeigt, werden jeweils 5 Liter markiert. 
Der letzte Schritt vor der Inbetriebnahme. Lehrer und Schüler schrauben den Abdeckrahmen für das Glas fest. Damit die Anlage nicht anfängt sich aufzuheizen, während gearbeitet wird, ist die Scheibe abgedeckt. 
Julius erläutert alle wichtigen Aspekte zu Wartung und Betrieb.  
Die Berufsschüler, Lehrer und ich  freuen uns über Abschlussbilder und Videos. 

Ankunft und Projektstart am Malage VTC

Das bin ich, Gasianus L. Senzighe. 

Hallo, mein Name ist Gasianus L. Senzighe. Ich bin 63 Jahre alt und leite eine Berufsschule, das Malage Vocational Training Center, in meiner Heimat Mwanga, Kilimanjaro, Tansania. 1982 kam ich im Rahmen meiner Berufslehrerausbildung nach Deutschland und konnte Berufserfahrungen bei verschiedenen deutschen Automobilherstellern sammeln. Nach meiner Rückkehr nach Tansania war mir klar, dass ich mein Wissen gerne an meine Mitmenschen weitergeben will und habe eine eigene Berufsschule eröffnet. Im Jahr 2014 kam ich noch einmal nach Deutschland und wurde auf das SoWaDi-Projekt in Darmstadt aufmerksam gemacht. Ich finde, dass das Thema sicheres Wasser sehr wichtig ist und noch zu wenig ernst genommen wird, da die Menschen hier oft nur mit Keimen belastetes Wasser zu sich nehmen. Mich hat die SoWaDi-Anlage beeindruckt, da sie mit Sonnenenergie funktioniert und nicht auf teure Materialien, wie Brennholz oder Gas, zum Betreiben angewiesen ist. Deswegen begleite ich das Projekt seither. 

Hier inspiziere ich zusammen mit Jonas und den Schülern die SoWaDi-Anlage. Holz, das mit einem X markiert wird, wird erneuert. 
Edgar, ausgebildeter Schreiner und Architekt, teilt sein Wissen über die Beschaffenheit von Holz mit den Berufsschülern. 

Nachdem meine Schüler, das SoWaDi-Team und ich 2017 zwei Wasserdesinfektionsanlagen am Malage VTC zusammen aufgebaut haben, stand uns zumindest für einige Monate abgekochtes Wasser zur Verfügung. So konnten gerade diejenigen, die sonst keine guten Möglichkeiten hatten Wasser abzukochen, damit versorgt werden. Nun werden wir die Sonnenkollektoren mithilfe von Julius, Jonas und Edgar wieder richtig in Stand setzen, da im Laufe der Zeit einige Probleme aufgetreten sind.  

Vergangenen Montag, den 13.01.2020 kamen die drei wohlbehalten bei mir in Mwanga an, wobei Julius noch am gleichen Tag wieder zurück nach Moshi gefahren ist, um in den folgenden Tagen die weiteren Stationen der Ausreise zu erkunden und die dortigen Partner kennenzulernen. Am Dienstag haben Jonas, Edgar, die Berufsschüler und die Lehrer einander kennengelernt und im Rahmen eines Workshops das Thema sicheres Wasser und die SoWaDi-Anlage besprochen. Außerdem hat sich das Team formiert, das zusammen die Anlagen in Stand setzen wird. Zusammen haben sie die ersten Wasserproben genommen, um sicherzugehen, dass das zu behandelnde Wasser den Anforderungen genügt. Mittwochs haben Edgar, Jonas und das Team die beiden Anlagen inspiziert und eine Einkaufsliste für die Instandsetzung erstellt, sodass zwei meiner Schüler, unsere deutschen Gäste (Julius war mittlerweile wieder zu uns gestoßen) und ich am nächsten Tag die benötigten Baustoffe einkaufen konnten. So haben wir uns am Freitag daran gemacht, die erste Anlage wiederaufzubauen. Manches musste nochmal nachgekauft werden, was aber nicht schlimm war, da der Aufbau schneller ging als geplant. Am Sonntag habe ich das SoWaDi-Team mit zum wöchentlichen Treffen des Rotary Club Mwanga mitgenommen, in dem ich Mitglied bin. Es hat mich gefreut zu erfahren, dass der Rotary Club Darmstadt das Projekt ebenfalls unterstützt. Alles in allem macht es mich sehr glücklich zu sehen, dass die Herausforderungen und Probleme, die mit den SoWaDi-Anlagen aufgetreten sind, von allen Seiten so engagiert angegangen werden. Ich hoffe, dass meine Berufsschüler und die Lehrer weiterhin so gut in den Bau und die Details der Anlage eingebunden werden, damit sie auch in Zukunft in der Lage sind, die Anlagen selbstständig zu betreiben und zu warten. 

In der nächsten Woche wollen wir die beiden Kollektoren fertigstellen und testen, sowie deren Betrieb besprechen. Außerdem soll eine rege Kommunikation zwischen Mwanga und Darmstadt etabliert werden, bevor meine drei Gäste in Richtung der nächsten Station ihrer Ausreise aufbrechen. Für die Zukunft wünsche ich mir eine engere Partnerschaft, sodass der Austausch intensiver wird. Dadurch können wir weiterhin voneinander lernen und uns bei Problemen helfen. 

Meiner Meinung nach können künftig viele Menschen von dem SoWaDi-Projekt profitieren. Die technischen Herausforderungen werden immer besser verstanden und beseitigt, sodass der Aufbau in Zukunft robuster und hoffentlich ohne Probleme funktionieren wird. Um die gesammelten Erfahrungen weiterzugeben ist es mir wichtig, die Lehrer stark einzubinden, sodass auch weitere Generationen von Schülern mit der SoWaDi-Anlage vertraut gemacht werden. Es gibt mir große Hoffnung, dass bereits einige Schüler und Lehrer signalisiert haben, das Projekt in ihrer Heimat vorstellen und vielleicht sogar umsetzen zu wollen.  

Zusammen kaufe ich mit Jonas und Edgar die Dinge ein, die zum Bau benötigt werden. Ich kenne mich hier in der Gegend sehr gut aus, weswegen wir alles schneller finden können als geplant. 
Beim Besuch einer Sisal-Farm haben wir netterweise eine Führung bekommen. Sisal wird in der SoWaDi-Anlage als Wärmeisolation benutzt. 
Der Bau der Anlage ist Teamarbeit. Es freut mich zu sehen, dass alle so gut zusammenarbeiten. 
Der erste Teil des Standfußes ist fertiggestellt. Die Anlage wird dieses Mal etwas erhöht auf Stein gestellt, um möglichen Insektenbefall zuvorzukommen. 

Wir sind angekommen!

Hallo, ich bin Jonas Jeckstadt, 25 Jahre alt und wohne in Darmstadt, wo ich seit 3 Jahren als Inbetriebnahmeingenieur arbeite. Für meinen Beruf bin ich viel im Ausland unterwegs und habe so viel Erfahrung in der Durchführung von Projekten in anderen Kulturen. 

Das bin ich, Jonas Jeckstadt

Bei Ingenieure ohne Grenzen bin ich seit 2017 im Projekt SoWaDi tätig. Hier war ich zunächst in der Gruppe, die die Bauanleitung erstellt und Änderungen in diese einarbeitet. Meine ersten Monate im Projekt waren nicht einfach, wir hatten viel mit Wissenslücken zu kämpfen, da erfahrene Mitglieder das Projekt verlassen hatten und hatten Schwierigkeiten die richtigen Leitfragen zur Zukunft des Projekts zu finden. 

Trotz dieser Herausforderungen hatte ich von Anfang an das Gefühl, mit meiner Arbeit etwas bewirken zu können, was tatsächlich den Menschen hilft. Ich sehe, wie jedes bisschen Mehrarbeit das ich aufbringe, sich auf das Ergebnis auswirkt. Gleichzeitig arbeite ich mit Menschen zusammen, die eine ähnliche Weltanschauung und ein ähnliches Mindset haben und die ich inzwischen zu meinen Freunde zählen kann. Durch die Arbeit im Verein, im Projekt, der Workshops von IOG und den anderen Aktiven habe ich unglaublich viel gelernt, sowohl fachlich als auch auf menschlicher Ebene .  Durch angeeignetes Wissen und den vielen Austausch mit Mitgliedern des Vereins hatte ich schnell das Gefühl erkannt zu haben, welche Leitfragen wir stellen müssen. 

Seit Anfang letzten Jahres bin ich Ansprechpartner im Projekt: ich halte die Kontakte zu den Projektpartnern und habe initiiert, dass wir uns im Projekt intensiv mit Wissensmanagement beschäftigen, damit das Wissen innerhalb der Gruppe bleibt, auch wenn wertvolle Mitglieder das Projekt verlassen.  Jetzt bei dieser Ausreise kann ich aktiv bei der Beantwortung der richtigen Fragen mitarbeiten. 

Wir sind zwar erst vier Tage hier, ich kann aber bereits auf einige Geschehnisse zurückblicken. Angefangen hat es mit unserem Flug am Mittwochabend über Äthiopien zum Kilimanjaro International Airport in Tansania. 

Direkt am Flughafen wurden Julius, Edgar und ich von unser Projektpartnerin Ichikael Malisa begrüßt und abgeholt. Für mich war das ein ganz besonderes Ereignis. Ichikael und ich hatten seit Juni regelmäßigen Kontakt über E-Mail, Whatsapp und haben unzählige Telefonate geführt. Wir haben zahlreiche Stunden damit verbracht, die kommenden zwei Monate zu organisieren und dann steht man sich plötzlich gegenüber und weiß, dass die kommende Zeit für die intensive, monatelange Vorarbeit belohnen wird.  Anschließend sind Ichikael, Julius, Edgar und ich nach Moshi gefahren, um unser Gepäck in unsere Unterkunft zu bringen und die Stadt kennenzulernen. 

Frank George, Ichikael, Jonas und Julius bei der Besprechung des Zeitplans im Büro der KCF. 

Am nächsten Tag stand ein Besuch beim KCF-Team auf dem Plan. Ichikael und das ganze KCF-Team sind unglaublich hilfsbereit und leisten beeindruckende Arbeit. Ich habe mich bereits am Freitag sehr gut angekommen gefühlt und hatte direkt das Gefühl schon lange hier zu sein. 

Am selben Tag haben Ichikael, Edgar, Julius und ich uns dann mit dem staatlichen Wasserver- und entsorger von Moshi und Umgebung getroffen, da wir bei ihnen Wassertests in Auftrag geben werden, um die Güte des Wassers vor und nach der Behandlung durch unsere Anlage zu überprüfen. 

Neben den zwei großen Tätigkeiten stand die Besorgung von Bargeld und SIM-Karten auf dem Plan. Für den ersten Standort, das Malage VTC, mussten außerdem noch fehlende Dinge für die Wassertests gekauft und Anleitungen gedruckt werden. 

Am Montag werden wir drei dann zum Malage VTC fahren und dort die nächsten zwei Wochen zusammen mit unserem Projektpartner Gasianus Senzighe leben. Die beiden Anlagen, die dort bereits 2017 gebaut wurden, müssen inspiziert und in Stand gesetzt werden. Hierbei bin ich besonders gespannt, wie der Materialeinkauf funktioniert und ob wir unser Budget gut geschätzt haben. 

Für die kommenden zwei Monate hoffe ich, dass wir trotz eines sehr engen Zeitplans alles schaffen, was wir uns vorgenommen haben. Besonders gespannt bin ich auf die vielen unterschiedlichen Menschen, die ich an den drei Standorten kennenlernen werde. 

Mit unserer Arbeit hier legen wir nur das Fundament für den Austausch von Daten über die Nutzung und den Verschleiß der Anlagen, die für unsere aktuelle Projektphase so wichtig sind. Nach der Ausreise müssen alle Beteiligten, unsere Projektpartner und die Begünstigten, aber viel mehr noch die Projektgruppe in Darmstadt, hart dafür arbeiten, dass wir durch gute Kommunikation brauchbare Daten erhalten und bei Problemen schnell mit Lösungen aufwarten können. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen und in Zukunft mit noch mehr Partnern noch mehr SoWaDi-Anlagen aufbauen können, sodass wir irgendwann die Verbreitung der Anlage ohne unser Zutun in den Vordergrund stellen können. 

Ichikael, Jonas, Julius und Frank George (Chef der KCF) bei der Besichtigung eines der Projekte der KCF. 

Unser Plan für acht Wochen Tansania: Ziele und Ablauf

Die letzten Vorbereitungen des Projektteams vor der Reise

Als erstes müssen wir hervorheben, dass dieses Projekt ein IOG-Forschungsprojekt ist und damit nicht dem Drehbuch eines klassischen Projektes von Ingenieure ohne Grenzen folgt (Erkundung – Implementierung – Evaluation). Seit neun Jahren arbeiten wir ehrenamtlich an der Entwicklung der SoWaDi-Anlage und haben schon viel erreicht: die Ausarbeitung des Konzeptes und die Erstellung eines thermodynamischen Modells, die ersten Prototypen und Funktionstests, die Erstellung und Verbesserung der Bauanleitung, der erste Eigenbau durch Berufsschüler in Tansania in 2017 und die ersten technischen Verbesserungen der Anlage. 

Was uns fehlt, ist Kenntnis über die Leistungsfähigkeit der Anlage über mehrere Jahre hinweg, um den Gewinn für die Nutzer richtig bewerten zu können. Wir befinden uns also in einer Testphase, in der wir die Technik erproben und validieren.  

Die dieses Jahr gebaute Testanlage in Deutschland dient ebenfalls dem Zweck der Datenerhebung über einen langen Zeitraum. Die Umgebungsbedingungen in Deutschland unterscheiden sich allerdings deutlich von denen in Tansania und Testanlagen, die in Tansania unter realen Bedingungen betrieben werden, liefern natürlich mehr Aufschluss über die Leistungsfähigkeit. 

Also haben wir es uns zum Hauptziel gesetzt in dieser Ausreise möglichst viele Anlagen zu errichten und den Informationsaustausch mit den Nutzern sicherzustellen. Im Sommer 2019 hatten wir noch geplant, mit drei Personen für sechs Wochen auszureisen und an zwei Standorten jeweils zwei Anlagen in Betrieb zu nehmen. Dank der großartigen Unterstützung durch unsere Spender konnten wir die Ausreise auf acht Wochen erweitern und werden and einem weiteren Standort ebenfalls zwei Anlagen aufbauen. 

Durch diese Verteilung können wir unter den Anlagen gut vergleichen. Performt eine Anlage besser als ihr Zwilling am gleichen Standort? Performen die Anlagen an einem Standort anders als einem anderen Standort? Gibt es Unterschiede in der Bedienung? Welche Einflüsse haben eine Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit der Anlage? 

Andere Aspekte des Projektes werden wir in der Ausreise ebenfalls beleuchten. Die Verbreitungs-Gruppe hat Vorbereitungen für eine Marktforschung getroffen und die Ausreisenden werden mit den vorbereiteten Fragen Interviews und Befragungen mit Nutzern, Handwerkern und lokalen Behörden und NGOs durchführen. Dadurch soll die Zielgruppe besser eingegrenzt und beschrieben werden, damit die Anlage nach der Testphase am geschicktesten an die Nutzergruppen verbreitet werden kann, die von der Anlage am meisten profitieren. 

Die Bauanleitung haben wir ebenfalls verbessert und werden die Anlagen wieder mit den Nutzern zusammen aufbauen. 

Am 8. Januar starten zunächst Edgar, Julius und Jonas nach Tansania. In den ersten Tagen werden wir uns in Moshi mit unserem Projektpartner besprechen und Vorbereitungen für unsere Aufenthalte an den jeweiligen Standorten treffen. Die folgenden zwei Wochen geht es für uns an das Malage VTC in Mwanga. Das ist der Standort, an dem wir 2017 die beiden Anlagen gebaut haben, die leider nicht mehr in Betrieb sind. Diese Anlagen werden wir wieder in Stand setzen und unsere technischen Verbesserungen einfließen lassen. 

Danach gehen wir nach Kidia in Old Moshi, um dort zwei neue Anlagen aufzubauen. Unser Aufenthalt dort ist für drei Wochen angesetzt, wobei Jonas bereits nach einer Woche den Standort wieder verlässt. Denn dann ist Halbzeit der Ausreise und Rebecca kommt nach Tansania. Da wir nun zu viert sind, teilen wir uns auf und während Julius und Edgar den Bau der Anlagen in Kidia abschließen, werden Jonas und Rebecca sich zunächst mit verschiedenen Organisationen für Interviews und Befragungen treffen. Danach gehen die beiden an den dritten Standort, eine Berufsschule in Boma Ng’ombe, um dort den Bau der letzten beiden Anlagen zu starten. 

Für Edgar endet seine Ausreise mit der Fertigstellung der Anlagen in Kidia und er reist nach sechs Wochen Auftenthalt in Tansania wieder zurück nach Deutschland. Julius verlässt ebenfalls Kidia und reist zum dritten Standort, um dort zusammen mit Rebecca und Jonas die letzten beiden Anlagen fertigzustellen. Am Ende der acht Wochen werden wir alle Standorte besuchen und alle Nutzer an einen Tisch bringen. Denn nicht nur die Kommunikation zwischen uns und den Nutzern soll funktionieren, sondern auch die Nutzer untereinander sollen sich kennen und sich bei eventuell auftretenden Problemen unterstützen können. 

Das Ausreise-Team stellt sich vor

Nach fast drei Jahren ist es endlich soweit: Die nächste Ausreise für SoWaDi steht an!  

Drei Jahre in denen einiges passiert ist. Die Anlage wurde gleich zwei Mal hier in Darmstadt von uns gebaut, wir wagten uns an eine Konzepterarbeitung zur Verbreitung, erlangten ­viel Wissen rund um unsere Anlage und wagten uns wisshungrig daran Messtechniken an der Anlage zu verbauen, um Langzeitdaten zu erhalten.  

Rückblickend hat sich das Warten also gelohnt und wir konnten ein Team für die Ausreise zusammenstellen, dem es an Motivation, Fachwissen und Kommunikationsgabe nicht mangelt. Dieses Team besteht aus Edgar, Jonas, Julius und Rebecca. 

v.l.n.r.: Sara, Jonas, Julius, Rebecca, Edgar

Edgar ist einer unser wenigen Mitglieder mit langjähriger Berufserfahrung, überaus fit in allerlei handwerklichen Tätigkeiten und tatkräftig innerhalb der Themengruppe Performance. Sein Augenmerk liegt auf technischen Themen und ist unser Experte in Sachen Wassertests, Materialeinkauf und den Workshops, die wir vor Ort halten werden.  

Auch Jonas arbeitet schon seit drei Jahren und hat in seinem Beruf als Inbetriebnahmeingenieur schon viel wertvolle Erfahrung im Ausland sammeln können, die ihm bei der Ausreise sicherlich zugutekommen wird. Er ist innerhalb des Ausreiseteams schon am längsten bei SoWaDi dabei und seit diesem Jahr Ansprechpartner. Jonas trägt offiziell die Projektleitung und sorgt als Handkassenbeauftragter zusätzlich dafür, dass alle Quittungen sorgfältig gesammelt und eingepflegt werden. 

Gleichzeitig mit Jonas als Ansprechpartner angefangen hat Julius, der momentan seinen Master in Maschinenbau absolviert. Er ist vor ungefähr einem Jahr zum SoWaDi-Team dazu gestoßen und seitdem sehr aktiv in der Gruppe Performance, was ihm die Rolle als technischen Leiter eingebracht hat. Er ist bestens mit den Aspekten der Anlage und der Messtechnik vertraut, sodass aus technischer Sicht nichts schief gehen kann. 

Rebecca ist erst seit wenigen Monaten in der Projektgruppe und hat sich erfreulicherweise bereit erklärt, die vierte Position des Ausreiseteams zu besetzen. Sie studiert Sustainable Urban Development und bringt Erfahrung in ehrenamtlicher Tätigkeit im Ausland mit. Unglaublich schnell hat sie sich in das Projekt und insbesondere in die Themengruppe Verbreitung eingearbeitet und ist damit zur Expertin für unsere Marktforschungsthemen geworden.  

Die nicht mitreisenden 16 Ehrenamtlichen des Projektteams werden in Darmstadt das Backoffice bilden und dort nicht nur in den Themengruppen Performance, Verbreitung, Anleitung, CAD weiterarbeiten, sondern zusätzlich die Ausreisenden unterstützen. Die Leitung des Backoffices übernimmt Sara, die schon am längsten zum Ansprechpartner-Trio gehört und in der Regionalgruppe bestens vernetzt ist. Sie sorgt dafür, dass Aufgaben reibungslos verteilt und erledigt werden. So sollen Blogeinträge schnellstmöglich hochgeladen werden, die Ausreisenden werden schnell Antwort auf Nachfragen bekommen und Chancen und Risiken, die während der Ausreise aufkommen, werden bewertet, um mit dem Ausreiseteam zusammen die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen. 

Zusammen bringt das Projektteam also alles mit, was man für eine erfolgreiche Ausreise braucht! 

Das Team hat sich in den letzten Monaten zusätzlich zur regulären Projektarbeit regelmäßig getroffen, um allerlei Fragen und Probleme zu klären. Dazu zählten das Erstellen eines Zeitplans und Budgets, einer Liste an Equipment, das für die Reise benötigt wird, das beantragen des Visums sowie die gesundheitliche Vorbereitung in Form der Tropentauglichkeitsuntersuchung und Impfungen. Aber auch mit inhaltlichen Fragen zur Messtechnik und der Instandsetzung der Anlagen vor Ort wurde sich viel beschäftigt. Außerdem wurde regelmäßiger Kontakt zu den Projektpartnern vor Ort gepflegt, die im Vergleich zur Ausreise 2017 nicht nur das Malage VTC in Mwanga umfassen, sondern ebenfalls die Kilimanjaro Childligt Foundation (Link auf: https://ingenieure-ohne-grenzen.org/de/projekte/deu-iog02?v=partner), das Mamtukuna Folk Development College und eine Gemeinde in Kidia im Stadtteil Old Moshi. 

In unserem nächsten Blogeintrag werden wir etwas mehr über die Ziele und den geplanten Ablauf unserer Reise berichten, denn in den acht Wochen haben wir viel vor und das alles lässt nicht in einen kleinen Absatz packen. 

Die Anlage macht Winterschlaf

Auch Darmstadt wird langsam aber sicher vom kalten deutschen Winter eingeholt. Um die Testanlage an der Lichtwiese vor Minustemperaturen, Schnee, Regen und Wind zu schützen hat sich das SoWaDi Team entschieden, die Anlage bis zum Frühling außer Betrieb zu nehmen und sie wetterfest zu machen. So wird die Verkabelung der Messtechnik und feuchtigkeitsanfällige Komponenten wie das Holz oder die Dämmwolle geschützt, außerdem können über den Winter ohne genügend Sonnenstrahlung keine nützlichen Messdaten erhoben werden.  

Am 19.10. traf sich also die Themengruppe Performance mit Plane und Werkzeug ausgestattet am Testfeld, um zur Tat zu schreiten. Das restliche Wasser wurde herausgelassen, die Wasserbehälter abmontiert, um zu vermeiden, dass das Plastik porös wird, und schließlich wurde die oberste Glasscheibe, die leider im Sommerbetrieb der Anlage einen Sprung bekommen hat, herausgenommen. Sie soll in nächster Zeit untersucht werden, um eine Lösung für das Problem, welches auch in Tansania aufgetreten ist, zu finden.  

Zum Schluss wurde die komplette Anlage mit einer Plane überdeckt, diese wurde an der Anlage festgetackert und festgeschraubt sowie am Boden mit Steinen beschwert. So erhoffen wir uns, dass alles den Winter übersteht und wir nächstes Jahr weiter mit der Anlage arbeiten können. 

Testanlage die Zweite

Unser ganzer Stolz: Die fertige Anlage

Eine SoWaDi-Anlage in Darmstadt, an der langfristig Messdaten erhoben werden können und spontane Änderungsideen schnell ausprobiert werden können – davon konnte das SoWaDi Team bisher nur träumen. Dank der TU Darmstadt, die uns netterweise einenen Platz auf dem Experimentierfeld am Campus Lichtwiese zur Verfügung gestellt hat, konnte der Wunsch am Wochenende vom 14.06. bis 16.06. (also genau ein Jahr nach dem letzten Aufbau) erfüllt werden.

Das Projektteam traf sich am Freitag, um die zuvor gekauften Materialien zu checken und den Ablauf des Wochenendes zu besprechen. Am Samstagmorgen wurde dann voller Tatendrang in den Aufbau gestartet. Um alles glatt über die Bühne zu bringen, wurden schon im Vorhinein Gruppen gebildet, die sich um verschiedene Teile der Anlage kümmern sollten. So begannen parallel die Arbeiten am Standfuß, am Absorberkasten sowie das Rohrbiegen. Nachmittags wurden Rohre und Bleche verbunden sowie schwarz angesprüht. Der Sonntag wurde für den Bau der Zwischen- und Überrahmen sowie die Endmontage reserviert.

Auch bei diesem Aufbau war eines der Ziele, die verbesserte Version der Anleitung unter die Lupe zu nehmen und in der Praxis zu testen, um eventuell weitere Anpassung vorzunehmen. Alle Verbesserungsvorschläge wurden deshalb fleißig notiert und in den anschließenden Treffen evaluiert. Besonders das Befüllen des Rohres mit Sand und das anschließende Entleeren führte erneut zu Problemen und warf viel Diskussionsbedarf für andere Möglichkeiten auf.

Das Befüllen des Rohres mit Sand stellte eine große Herausforderung dar.

Im Gegensatz zu den bisherigen Anlagen wurde beschlossen, das Kupferrohr dieses Mal nicht in tiefgezogene Bleche zu legen, sondern das Kupferrohr lediglich auf der Oberfläche der Bleche anzubringen. Dadurch soll getestet werden, ob sich das sehr zeitaufwändige Tiefziehen der Bleche im Hinblick auf den Durchlauf lohnt. Des Weiteren wurde an der Anlage eine vom Team konzipierte Messtechnik angebracht. Messziele sind unter anderem der Energieeintrag, die maximal erzielbare Outputmenge sowie der Einfluß von Kurzzeitbewölkungen auf den Output. So sollen in Zukunft verifizierbare Vorhersagen über mögliche Outputmengen und -zeiten getroffen werden können.

Das Rohr wurde mit den Blechen verbunden und in den gedämmten Absorberkasten gelegt

Dank der 15 motivierten Helfer konnte der Aufbau erfolgreich über die Bühne gebracht werden. Auch viele neue Gesichter bei SoWaDi konnten so die Anlage und die Anleitung erstmals richtig kennenlernen und beobachten, wie der erste Schwall desinfiziertes Wasser aus der eigens gebauten Anlage fließt. Der Aufbau sowie das Aufzeichnen der Messdaten war sehr aufschlussreich und eröffnete neue Arbeitspakete für unsere Projektarbeit.

Die fertige Anlage befindet sich am Campus Lichtwiese zwischen den Gebäuden des Fachbereichs Architektur und des Kletterzentrums Darmstadt. Interessierte sind herzlich dazu eingeladen, durch den Zaun zu spähen und sich hier auf der Homepage näher über das Forschungsprojekt zu informieren.

Freude nach der Fertigstellung der Anlage