Entwicklung eines Messsystems zur Bestimmung der Effizienz

Von Mai bis August 2020 führten die Studierenden Steffen Bißwanger, Leon Dungs, Sara Konrad, Nikola Milenkovski und Alexander Zinn an der TU Darmstadt ein Projekt im Rahmen ihres Studiums in Kooperation mit unserem Projekt SoWaDi durch. Ziel war die Entwicklung eines autarken Messsystems, das die Bestimmung der Anlageneffizienzen im Feld ermöglicht. Dies soll durch die automatisierte Datenerhebung von Sonneneinstrahlung, Wasseroutput und Umweltbedingungen erreicht werden.

Im Folgenden lesen Sie einige Aufzeichungen aus dem Laborbuch der Studierenden. Dort haben sie ihren Fortschritt aufgezeichnet und beschrieben, wie sie die Herausforderungen überwunden haben, die ihnen während des Projektes begegnet sind.

Phase 1: Auswahl der Komponenten

09.04.2020    09:45

Heute haben wir uns zunächst einmal kennengelernt, online versteht sich, und uns mit der Solarthermischen Wasserdesinfektionsanlage vertraut gemacht, mit der wir im Laufe des Projektes arbeiten werden. Zwei unserer Teammitglieder kennen die Anlage schon gut. Wir anderen lernen sie erst kennen. Um ein geeignetes Messsystem zu entwickeln, ist es wichtig, die Funktion der Anlage und die Bedingungen, in denen sie eingesetzt wird, gut zu verstehen.

08.05.2020   15:15

Wir konnten uns schon vor einiger Zeit darauf einigen, welche Größen wir messen wollen. Die wichtige Frage ist jetzt: Wie?
Heute besprechen wir unsere neusten Ideen, mit welchen kostengünstigen Sensoren und Konstruktionen wir die besten Ergebnisse bekommen können. Eine besondere Herausforderung ist die Messung der Wassermenge, die aus der Anlage herauskommt. In der Vergangenheit wurden schon einige Versuche durchgeführt, die an unterschiedlichen Problemen gescheitert sind. Temperaturschwankungen von Tag zu Nacht haben zu unzuverlässigen Ergebnissen von Wägezellen geführt und ein Sensor mit beweglichen Teilen ist beim Einsatz in Wind und Wetter verkantet.
Aber wir hatten eine neue Idee: Eine abgeschnittene Glasflasche mit kleinem Loch im Deckel kann umgedreht als Auffangbehälter und Anstauvorrichtung für die minütlichen Wasserschwalls aus der Anlage dienen. Wir messen dann die Zeit, bis die Glasflasche nach einem Schwall wieder leer wird.

23.05.2020   17:18

Wir sind nun endlich so weit: Nach 5 Stunden Besprechung haben wir für alle Sensoren, die Recheneinheiten des Systems, die Datenübermittlung und die Stromversorgung passende Komponenten ausgewählt. Jetzt können wir nur noch warten bis die Bestellung ankommt und hoffen, dass alles zusammenpasst.

31.05.2020    13:15

Gerade haben wir die Nachricht erhalten, dass das erste Paket angekommen ist. Jetzt kann die richtige Arbeit beginnen.

Phase 2: Programmierung und Bau des Messsystems

31.05.2020   14:45

Bis auf ein Teammitglied hat bisher noch niemand von uns mit den Microcontrollern gearbeitet, die wir für das Projekt verwenden wollen: Arduinos.

Nachdem wir uns das Programmierinterface auf dem Computer eingerichtet haben, können wir endlich das erste Programm auf den Arduino laden.

31.05.2020  14:46

Der Arduino fängt an zu blinken. Hurra! Mal sehen ob es genauso einfach wird, die Sensoren anzuschließen und auszulesen.

02.06.2020   12:37

Den SD Kartenleser, die Strommessgeräte zur Messung der Sonnenintensität und die einfachen Thermometer konnten wir ohne Probleme zum Laufen bringen. Die etwas komplizierteren Thermometer für die höheren Temperaturen zeigen bisher nur merkwürdige Werte an. Woher die kommen, können wir uns nicht erklären. Ein Thermometer zeigt uns 65°C und ein anderes 9°C an, beide Temperaturen sind definitiv nicht korrekt.

02.06.2020    19:36

Gerade sind wir auf eine Möglichkeit gestoßen, die merkwürdigen Werte zu korrigieren. Ein Wert in der Berechnungsformel ist eine Vergleichsspannung. Beim Nachmessen dieser Spannung an den Sensoren ist uns aufgefallen, dass diese für jeden Sensor individuell anders ist. Nachdem wir diese nun in die Software eingearbeitet haben, zeigen alle Thermometer plausible Werte.

13.06.2020   09:42

Wir befinden uns nun schon mitten im Juni, das Wetter bietet optimale Bedingungen, um das neue Messsystem auszutesten. Es wird also höchste Zeit, dass wir das Messsystem endlich an die Anlage anbauen. Deshalb arbeiten wir mit Hochdruck daran, die Platine für das Messsystem fertigzustellen. Wir löten alle Verbindungen von Hand. Hoffentlich geht unser Plan auf. Auch die Datenübermittlung per Mobilfunk funktioniert immer noch nicht. Nachdem wir mittlerweile schon ein besseres Modul bestellt haben und immerhin eine Verbindung zum Mobilfunknetz bekommen konnten, haben wir es leider immer noch nicht geschafft, die Daten automatisch zu verschicken. Langsam drängt die Zeit. Wenn wir das nicht schaffen, könnte das gesamte Projekt scheitern.

14.06.2020   21:06

Nach zwei Tagen harter Arbeit ist die Platine fertig gelötet. Das Messsystem kann endlich in die Schutzhülle eingebaut werden, in der es später an der Anlage vor Regen geschützt ist. Auch mit der Versendung der Daten haben wir wichtige Fortschritte gemacht. Die Mikrocontroller kommen jetzt langsam an die Grenzen ihrer Rechenkapazität, weitere Änderungen werden immer schwieriger. Zum Glück gilt es jetzt aber nur noch, ein paar kleinere Softwareprobleme zu beheben, und dann können die Messungen bald starten.

Phase 3: Anbau des Messsystems an die Anlage

20.06.2020   09:16

Es ist so weit: Heute können wir das Messsystem heute endlich anbauen. Es läuft jetzt schon seit gestern durchgängig und ist einsatzbereit.

20.06.2020   22:03

Wir warten jetzt schon seit 3 Minuten gespannt auf die Daten vom ersten Tag. Jetzt kommt der Moment der Wahrheit. Wenn heute alles ohne Probleme geklappt hat, sind wir zuversichtlich, dass das Messsystem auch die nächsten drei Monate weiterarbeiten kann, bis im Oktober zu wenig Licht verfügbar sein wird.

20.06.2020   22:04

Die ersten Daten haben uns erreicht. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Wir haben es geschafft und uns erst mal eine Pause verdient. Sobald wir genug Daten haben, können wir uns an die Auswertung setzten und einen vollständigen Bericht verfassen.

Ausblick:

Dem Team ist es mit den Messungen über einen Zeitraum von 30 Tagen gelungen herauszufinden, welche Sensoren für die Messungen relevant und geeignet sind. In Zukunft wird es also möglich sein, ein kostengünstiges Messsystem zu bauen, dass alle wichtigen Messungen durchführen kann. Fast das gesamte Team wird in Zukunft das Messsystem ehrenamtlich bei Ingenieure ohne Grenzen weiterentwickeln. Das neue Messsystem taufen wir auf den Namen MONA (Monitoring Offgrid Node for Assessment of SoWaDi Performance). In Zukunft wird MONA beim Sammeln von Langzeitdaten in Tansania und bei der Weiterentwicklung der Anlage in Darmstadt helfen. Im Gegensatz zu ihrer Mutter ist MONA etwas kleiner und kompakter, und auch nicht mehr so durchsichtig, eben perfekt gerüstet, um eine Weltreise anzutreten.

Aufzeichnung unserer Veranstaltung “SoWaDi stellt sich vor”

Hallo zusammen!

Wie bereits im vorigen Blogeintrag angekündigt, hatten wir am 29.10.2020 die Möglichkeit einen Online-Vortrag für SoWaDi Unterstützer*innen und Interessierte zu halten.

Der Vortrag, den wir nun auch in Form eines Videos zur Verfügung stellen können, gibt sowohl einen Überblick über die Idee und die Historie unseres Forschungsprojektes, als auch über unsere Ausreise im Frühjahr 2020 und einen Ausblick in die Zukunft. Gehalten wurde er von drei Mitgliedern der Projektgruppe: Julius Breuer, Sara Konrad und Jan Erik Schliephake. Die Moderation übernahm Philipp Erdmann von der Darmstädter Regionalgruppe.

Der Vortrag dauert ungefähr 30 Minuten. Im Anschluss können Sie die gesamte Fragerunde von ca. 20 Minuten anhören. Leider fehlen aufgrund von technischen Schwierigkeiten die ersten 20 Sekunden des Vortrags. Das ist zwar sehr schade, aber schmälert den Vortrag inhaltlich keineswegs. 🙂

Wir bedanken uns bei allen, die teilgenommen und mit ihren Fragen für eine spannende Fragerunde gesorgt haben!

Sollten Sie weitere Fragen zum Vortrag oder dem Projekt haben, können Sie sich hier an uns wenden: https://www.sowadi.de/kontakt/

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Einladung zu einem SoWaDi Online-Vortrag

Der Zugang zu sicherem Wasser ist seit 2010 weltweit als Menschenrecht anerkannt. Doch verunreinigtes Wasser stellt in weiten Teilen der Welt nach wie vor ein großes Problem für die Gesundheit der lokalen Bevölkerung dar. Deswegen entwickeln wir SoWaDi.

SoWaDi steht für Solar Water Disinfection: Die im Projekt entwickelten und erforschten Anlagen zur solaren Wasserdesinfektion nutzen Sonnenenergie zur Verbesserung der Wasserqualität. Seit 2010 entwickeln wir zusammen mit lokalen Partnern in ländlichen Gebieten Tansanias technische Lösungen, um die Wassersituation für Familien und an Schulen zu verbessern.

Das Ziel unseres Projekts ist es, dass möglichst viele Menschen Zugang zu keimfreiem Wasser erhalten, denn sauberes Wasser schützt vor Krankheiten wie Typhus und Cholera. Um dies zu erreichen, steht eine Bauanleitung kostenlos zur Verfügung. So kann jede*r die Anlage mit lokal verfügbaren, kostengünstigen Materialien selbst bauen und installieren.

Die Arbeit, die trotz der Corona-Pandemie weitergeht, findet in enger Kooperation mit unserem lokalen Projektpartner Kilimanjaro Childlight Foundation (KCF) statt. In Tansania wurden, zusammen mit örtlichen Schülergruppen und Familien, bereits sechs der Anlagen errichtet. Die Betreuer der Anlage vor Ort erfassen regelmäßig die Daten, die für eine stetige Optimierung der Anlagen gesammelt und ausgewertet werden. So wollen wir mögliche Schwachstellen aufspüren, die Effektivität verbessern und zu einer langfristigen und nachhaltigen Lösung der ländlichen Wasserversorgung beitragen. Im Juli konnte ein Team der KCF die Anlagen besuchen und sicherstellen, dass sie rechtzeitig zum Anfang der Trockenzeit wieder in Betrieb gehen können.

Wenn Ihr genauer wissen möchtet, wie unsere Anlage zur solaren Wasserdesinfektion funktioniert, wie wir die Forschungs- und Entwicklungsarbeit gemeinsam mit der KCF in Tansania trotz Corona weiterführen oder wenn Ihr weitere Fragen habt, dann nehmt an unserer Online-Veranstaltung „SoWaDi stellt sich vor: Sonnenenergie für sauberes Wasser“ am Donnerstag, den 29.10. um 19:00 Uhr teil! Um den Link zur Veranstaltung zu erhalten, schreibt bitte an: regina.berlinger@ingenieure-ohne-grenzen.org.

Ein kleines Update aus Tansania

Hallo zusammen! 

Wir haben wieder ein paar spannende Neuigkeiten aus Tansania, die wir gerne mit euch teilen wollen. Unsere Anlagen TZ03, TZ04, TZ05 und TZ06 stehen mittlerweile ein dreiviertel Jahr in Kidia – es wurde also langsam Zeit für einen Wassertest, um die Qualität des Outputwassers sicher zu stellen. Von den vier Anlagen wurden bisher allerdings nur TZ03 und TZ04 getestet, da die beiden anderen zum Testzeitpunkt abgedeckt waren. Bleibt gespannt, hier werden die Testresultate auf jeden Fall noch folgen.  

Die Ergebnisse für die Anlagen TZ03 und TZ04 stimmen uns auf jeden Fall positiv! Im mit E. coli Bakterien verseuchten Inputwasser konnten nach der Behandlung durch die Anlagen TZ03 und TZ04 keine Bakterien mehr nachgewiesen werden. Dies bestätigte uns das staatliche Labor MUWSA (Moshi Urban Water Supply And Sanitation Authority). Beide Anlagen liefern somit sauberes Wasser für den täglichen Gebrauch. Wir sind begeistert von den Ergebnissen, da diese uns ein weiteres Mal zeigen, dass das SoWaDi-Konzept der Wasserbehandlung funktioniert und die Anlagen auch über einen längeren Zeitraum zuverlässig arbeiten. Die ausführlichen Testergebnisse seht ihr in der Bildergalerie oben. Solltet ihr Fragen hierzu haben, schreibt uns gerne über das Kontaktformular… 😉 

Ansonsten ist zu verkünden, dass sich alle Anlagen in einen guten Zustand befinden! Zwar müssen kleinere Reparaturarbeiten, wie das Wechseln eines Wasserhahns oder des Covers für die Wassercontainer, durchgeführt werden; alles in allem haben die Anlagen die Regenzeit gut überstanden. 

Hier sieht man den Outputverlauf von TZ04. Die blauen Balken stellen den jeweiligen Tagesoutput dar, der durchschnittliche Output liegt bei 6 Litern pro Tag.

Aktuell sind die Outputs der Anlagen vergleichsweise gering (ein Verlauf des Outputs von TZ04 befindet sich oben in der Bildergalerie). Dies wird sich hoffentlich ändern, wenn sich in ein paar Wochen die Wolken der Sonne weichen.  

Bleibt gesund und munter! 

Langersehntes Präsenztreffen der Projektgruppe

Hallo zusammen, 

nach nun mehr als drei Monaten, seit die Projekttreffen auf virtuelle Weise umgestellt wurden, hat am  Freitag den 17.07 wieder ein langersehntes Treffen stattgefunden. Alle SoWaDi-Mitglieder die Lust und Zeit hatten, verbrachten einen sehr schönen Abend auf dem Gelände der Anlage. Das Treffen war von den eigentlichen Projekttreffen entkoppelt und sollte vor allem dazu dienen, das Gruppengefühl und die Gruppenzugehörigkeit zu stärken.  

Steffen erklärt der Gruppe ihre Fortschritte innerhalb des ADP.

Auch mit dabei waren Steffen und Alex, die zusammen mit Sara, Leon und einem weiteren Maschinenbaustudenten der TU-Darmstadt unsere Anlage zum Mittelpunkt ihres ADP (Advanced Design Projekt) gemacht haben. Das vergangene Semester haben sie sich intensiv mit der Fragestellung auseinandergesetzt, welche Langzeitdaten zur Erhebung sinnvoll sind und wie man die Messtechnik optimieren kann. Ihre bisherigen Arbeitsfortschritte und Erkenntnisse haben sie am Freitag mit der gesamten Gruppe geteilt. Diese hatte bisher lediglich oberflächliche Eindrücke von den Resultaten, umso spannender war es den Messaufbau erklärt und Fragen direkt von den Profis beantwortet zu kriegen. Die fünf haben in den letzten Monate ganze Arbeit geleistet! Zu den Details ihrer Arbeit ist ein eigener Blogeintrag schon in Planung.

Gruppenfoto mit allen Picknick-Teilnehmern.

Das Zusammenkommen war sehr unbeschwert, bis in die Abendstunden wurde das gemeinsame Picknick verköstigt und sich über Allerlei ausgetauscht. Jedoch haben auch wir bei aller Freude des Wiedersehens stets auf Mundschutz und Sicherheitsabstände wertgelegt. Auch wenn die Situation in Deutschland Präsenztreffen erneut zulässt, haben wir uns erstmal dazu entschieden weiterhin auf virtuellem Wege miteinander zu arbeiten. Bisher haben die regelmäßigen Treffen auch so gut funktioniert und jede Kompetenzgruppe arbeitet weiterhin fleißig an ihren selbstgewählten Arbeitspaketen.  

Wir hoffen zwar bald wieder erneut in Präsenz zusammenzukommen, erkennen aber die Dringlichkeit weiterhin Ansammlungen zu vermeiden, um uns und unsere Liebsten bestmöglich zu schützen! 

Bleibt gesund und freut euch auf ein baldiges Update des ADP-Teams!  

Neuigkeiten aus Tansania

Hallo zusammen! 

In den letzten Wochen haben uns immer wieder Neuigkeiten über unsere Anlagen aus Tansania erreicht und so nutzen wir mal die Gelegenheit im folgenden Blogeintrag diese Neuigkeiten mit allen Interessenten zu teilen. 

Besichtigung der Anlage TZ01 am Malage VTC.

Die Kilimanjaro Childlight Foundation ist mit einer Kleingruppe ans Malage VTC und nach Kidia gefahren, um die insgesamt sechs Anlagen zu besichtigen und sich mit den Nutzern auszutauschen. Dabei stellte sich heraus, dass momentan lediglich drei der sechs erbauten Anlagen in Betrieb sind. Aufgrund der COVID-19-Pandemie und den resultierenden Schulschließungen, sind die Anlagen der Kidia Primary bzw Secondary School weiterhin nicht  in Betrieb, dies soll sich jedoch mit baldiger Schulöffnung wieder ändern. 

KCF-Team und Betreuer der Anlage TZ01.
Besuch der Anlage TZ02 am Malage VTC.

Außerdem ist das Wetter in Tansania momentan noch sehr bewölkt, da erst seit kurzem die Regenzeit vorbei ist. Daher konnte die Entnahme der geplanten Wasserproben nicht stattfinden, da die Anlagen bei schlechtem Wetter leider keinen Output liefern. Aus demselben Grund ist eine weitere  Anlage noch abgedeckt, diese soll aber wieder aktiv werden, sobald das Wetter es ermöglicht. 

Am Malage VTC laufen die Anlagen wie geplant, was uns sehr freut! 

Diese Mitarbeiter der Kilimanjaro Childlight Foundation haben unsere Anlagen besucht.
TZ04 in Kidia.
 
KCF-Team und Betreuer der Anlage TZ04 in Kidia.

Wir hoffen, dass es allen SoWaDi-Mitwirkenden den Umständen entsprechend gut geht und sind gespannt auf weitere Rückmeldung aus Tansania, sobald die Anlagen wieder in Betrieb sind. 

Bleibt gesund!! 

Trotz Lockdown: Es geht weiter

Hallo zusammen! 

Unsere Ausreisenden sind mittlerweile schon wieder über einen Monat in Deutschland. In dieser Zeit ist viel passiert und wir möchten euch mit diesem Blogeintrag ein kleines Update über unsere aktuelle Arbeit sowie der Situation in Tansania und in Darmstadt geben. 

Unsere aktuelle Arbeit:

Wiederinbetriebnahme unserer ersten Testanlage auf der Lichtwiese in Darmstadt

Sofort nach der Rückkehr von Rebecca, Jonas und Julius aus Tansania, ging es mit der Nachbereitung der Ausreise los. Diese umfasst neben der Sichtung von Bildern, Notizen und Co auch die ständige Kommunikation mit unserem Projektpartner, der Kilimanjaro Childlight Foundation (KCF), und den Nutzer*innen der Anlagen. Außerdem werden die Kosten der einzelnen Anlagen abgeschätzt und die Interviews mit den Leuten vorort ausgewertet. 

Für Feedback und die Aufnahme der wöchentlich gesendeten Messdaten haben wir eine  

Betreuungsgruppe gegründet, die den Kontakt nach Tansania aufrechterhält. Die so gesammelten Messdaten umfassen neben dem täglichen Wasseroutput der 6 Anlagen auch Informationen über das Wetter. Diese Wetterdaten können in Zukunft mit den Daten einer Online-Datenbank abgeglichen werden und ermöglichen eine detailliertere Analyse der Outputdaten. 

Während der Ausreise wurden außerdem kleinere Konstruktionsänderungen an der Anlage vorgenommen, die nun in der Themengruppe für Performance-Fragen diskutiert und durch die Anleitungsgruppe in die Aufbauanleitung aufgenommen werden. Unser Ziel ist es, größere konstruktive Änderungen beim geplanten Aufbau der zweiten Testanlage hier in Darmstadt aufzunehmen. 

Ein besonderer Fokus liegt im Moment auf der Messtechnik. Im Rahmen eines Advanced Design Projects (ADP) wird von 5 Studierenden an einer robusten, günstigen und einfach zu implementierenden Messelektronik gearbeitet, die bei unserer zweiten Testanlage im Sommer schon verbaut werden soll. Gleichzeitig sollen Größen zur Charakterisierung der Performance der Anlage bestimmt werden. Das hierfür ausgeschriebene ADP wird vom Institut für Technische Thermodynamik an der TU Darmstadt betreut. 

Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf unsere Arbeit:

Natürlich hat die COVID-19-Pandemie große Auswirkungen auf unsere Arbeit. Wir möchten euch in diesem Blogeintrag einen kurzen Einblick über die Situation in Tansania geben. Hierfür haben wir von Ichikael, unserer Ansprechpartnerin bei der KCF, und Gasiano, dem Schulleiter des Malage Vocational Training Center, wo das Ausreiseteam dieses Jahr die zwei Anlagen von 2017 wieder in Betrieb genommen hat, Einblicke in das aktuelle Leben in Tansania erhalten, die wir euch hier kurz präsentieren wollen. 

Ichikael (Kommunikation vom 01.04.): 

An der abgedeckten Anlage TZ01 am Malage VTC wird das Wasser abgelassen.

Ichikael hat einen Sohn und kümmert sich auch um ihren Neffen. Beide müssen grade zu Hause bleiben, da die Schulen in Tansania geschlossen sind. Sie übernimmt die Arbeit der Lehrkräfte – leider wollen die beiden Kleinen trotz allen Einsatzes wieder zur Schule. Aktuell stellt sich die Frage, ob auch die Prüfungen zu Hause geschrieben werden sollen. Andere Einrichtungen wie Märkte und Kirchen sind weiterhin geöffnet, Massen-veranstaltungen wurden allerdings abgesagt. Problematisch seien vor allem Menschen, die die Situation nicht ernst nehmen. Viele schränken ihr öffentliches Leben nicht besonders ein, hygienische Schutzmaßnahmen, wie Händewaschen, werden häufig nicht getroffen. Zwar sind in Tansania vergleichsweise wenig Menschen in Quarantäne, trotzdem ist die Anspannung bemerkbar. Die Infektionszahlen aus Europa werden mit großer Sorge verfolgt. 

Wir sind sehr froh, dass es allen Nutzern und Mitwirkenden in Tansania den Umständen entsprechend gut geht. Zwar ist das öffentliche Leben zum Teil eingeschränkt, doch nur so kann die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden. Der ständige Kontakt mit den Nutzern vor Ort ist in diesen Zeiten besonders wichtig! 

Auch die Anlage TZ03 an der Kidia Primary School ist abgedeckt.

Gasiano (Kommunikation vom 25.03.) :

Gasiano beschreibt die aktuelle Situation als schwierig. Schade sei es, dass seine Berufsschule für Schüler geschlossen ist; gleichzeitig sieht er die Lage wegen der noch geringen Infektionszahlen positiv. Die Lehrer an seiner Schule gehen weiterhin ihren Aufgaben, wie Instandhaltung der Schule oder dem Bewirtschaften der schulischen Gärten nach. Die Schulschließungen der Regierung werden voraussichtlich bis zum 17.04. andauern und streng überwacht. Bei der verbotenen Öffnung einer Schule riskiert der Schulleiter eine dauerhafte Schließung der Institution. 

Gasiano hat fünf Kinder. Seine Tochter studiert in Xi’an, China und kam wegen COVID-19 bereits im Februar zurück nach Tansania. Die Familie ist froh, dass sie zuhause ist und alle gesund sind. Über verschiedene Nachrichtenkanäle wird sich über die Situation in anderen Ländern informiert. Besonders die Lage in Italien wird mit großen Sorgen verfolgt. 

Da unsere Anlagen teilweise auf Schulgrundstücken stehen, wurden einige von ihnen in den Standby-Modus versetzt. Der Absorberkasten wird hierfür mit einer lichtundurchlässigen Folie abgedeckt, sodass sich keine Bauteile durch die Sonne aufheizen. Im Moment befinden sich drei der Anlagen in diesem Zustand. Die restlichen Anlagen werden weiterhin benutzt und es werden wöchentlich Messdaten an die Betreuungsgruppe geschickt. 

Natürlich hat sich auch die Arbeitsweise innerhalb der Projektgruppe in den letzten Wochen angepasst. Da alle im Homeoffice arbeiten, mussten Alternativen für Besprechungen und Projektgruppentreffen gefunden werden. Für unsere Treffen jeden zweiten Dienstag benutzen wir ein Programm für Sprachkonferenzen. Es wird viel über Social Media kommuniziert und Vorträge können über eine spezielle Webseite präsentiert werden. Trotz aller technischen Helferlein freuen wir uns auch wieder auf gemeinsame Stunden im Hochschulgruppenhaus! 

Bleibt gesund und bis dann! 

Kukaa na afya na mpaka wakati huo! 

Hinter den Kulissen – Ein Bericht aus dem Backoffice

Auch während der Ausreise hat die Projektgruppe in Deutschland nicht aufgehört, sich regelmäßig zu treffen. Neben Backofficeaufgaben haben wir auch mit der Projektarbeit weitergemacht.
Das bin ich, Sara Konrad.

Hallo, ich bin Sara Konrad. Zum Abschluss der diesjährigen Ausreise erzähle ich aus der anderen Perspektive: Aus dem Backoffice. Dieses hat die Ausreisenden aus der Ferne tatkräftig unterstützt, aber auch den normalen Projektbetrieb in Darmstadt aufrechterhalten. 

Ich bin 25 Jahre alt und studiere im Master Maschinenbau und Energy Science and Engineering. Bereits seit 2015 bin ich bei Ingenieure ohne Grenzen in Darmstadt tätig, bei SoWaDi habe ich jedoch erst zwei Jahre später angefangen. 

Lange Zeit habe ich mich ausschließlich mit der Organisationsarbeit der gesamten Regionalgruppe beschäftigt, habe Newsletter geschrieben, Teambuilding-Events organisiert und die Arbeitsmedien der Regionalgruppe koordiniert. Mir war es persönlich wichtig, mich in der Entwicklungszusammenarbeit einzusetzen. Nach zwei Jahren, in denen ich mich rein in der Organisationsarbeit betätigt habe, wollte ich jedoch in ein Projekt einsteigen und habe mich für SoWaDi entschieden. Gerade im Projekt SoWaDi ist es gut möglich, vielen Menschen durch die Verbesserung der Wasserversorgung eine bessere Lebenssituation zu ermöglichen.   Hier hatte ich von Beginn an den Eindruck mein Wissen aus dem Studium am besten einsetzen zu können.

Am Anfang meiner Projektarbeit war das Ausreiseteam von 2017 bereits seit ein paar Monaten zurück aus Tansania und die Phase der Nachbereitung war in vollem Gange, sodass sich aus der Ausreise ergebende Anlagenveränderungen angegangen wurden. Die Ausreise hatte gezeigt, dass die Anlage an einigen Punkten optimiert werden konnte, um zu einer höheren Effizienz  und Robustheit beizutragen und die Verbreitung zu vereinfachen. Meine Aufgabe war es, mich mit den in Tansania aufgetretenen Glasbrüchen zu beschäftigen. Eins der Ergebnisse war, dass man die hochbeanspruchte untere Glasscheibe in mehrere kleine Glasscheiben unterteilt. 

Neben technischen Herausforderungen von SoWaDi war es uns lange Zeit nicht möglich einen Standort für eine Testanlage in Deutschland zu finden, der es uns erlaubt hätte die Anlage länger als sechs Wochen in Betrieb zu haben. Deswegen war ich ausgesprochen froh, dass wir  Anfang 2019 endlich fündig wurden und wir ein paar Monate später an der TU Darmstadt eine Anlage aufbauen konnten, die dort für mindestens 3 Jahre stehen bleibt. So ist es uns möglich Änderungen gleich in der Praxis zu testen und Langzeitdaten zu sammeln.  

Neben den Fähigkeiten, die ich durch die inhaltliche Ingenieursarbeit erworben habe, habe ich enorm viel über das gemeinsame und effiziente Arbeiten in großen Gruppen gelernt. Seit Oktober 2018 bin ich deswegen auch Ansprechpartnerin von SoWaDi geworden und habe seitdem enorm viel über erfolgreiche Gruppenführung und -organisation gelernt und konnte die bereits erworbenen Fähigkeiten aus meiner IOG-Anfangszeit gezielt einsetzen. 

Außerdem bin ich durch diese Arbeit viel sensibilisierter, wenn es um interkulturelle Kommunikation und Entwicklungszusammenarbeit geht. Auch der Besuch von einigen Seminaren zur Weiterbildung von Ingenieure ohne Grenzen hat dazu beigetragen. Durch diese Arbeit habe ich einen ganz anderen Blickwinkel auf Themen wie Alltagsdiskriminierung und Rassismus bekommen. 

Während das Ausreiseteam in Tansania tätig war, war es meine Aufgabe sie so gut es geht zu unterstützen und Aufgaben abzuleiten, die das Backoffice für sie übernehmen kann. So konnten sie sich vor Ort voll und ganz auf ihre Aufgaben konzentrieren, dabei wusste ich stets was für sie gerade ansteht und war an den wichtigen Entscheidungen beteiligt. 

Die Tätigkeiten unseres Backoffice-Team waren vor allem organisatorischer Natur: Wir haben die Blogeinträge und Spendenberichte geschrieben, Fragen seitens des Ausreiseteams beantwortet und dabei die langfristige Ausrichtung des Projekts vorangetrieben. 

Alle sechs SoWaDi-Anlagen haben eine eindeutige Seriennummer. Natürlich darf dann ein Typenschild nicht fehlen. 
Von den Nutzern der Anlagen bekommen wir regelmäßig Daten über die Anlagen geschickt. Dadurch können wir mit der Zeit erkennen, wie sich die Leistungsfähigkeit verändert.

Außerdem hatten wir während der Ausreise genug Zeit, um die Kommunikation zwischen uns als SoWaDi-Team in Darmstadt und den Nutzern der Anlagen einzuspielen. Das Schöne daran war, zu sehen, dass nicht nur wir Input an die Menschen vor Ort geben konnten, sondern auch von den engagierten Nutzern Verbesserungsvorschläge zu unserer Arbeit kamen, wodurch wir mit den meisten Nutzern mittlerweile schon ein eingespieltes Team sind. Das war ein sehr wichtiges Zeichen, das den guten Verlauf der Ausreise widerspiegelt und hoffentlich beispielhaft dafür ist, wie es läuft, wenn die Ausreisenden wieder zurück in Darmstadt sind. 

Besonders freut mich auch, dass es mit dem Projekt auch in Deutschland gleich weitergeht. Die Testphase geht auch hier in Deutschland in die nächste Runde: In Zusammenarbeit mit dem Institut für Technische Thermodynamik der TU Darmstadt wollen wir unser Messtechnikkonzept noch weiter optimieren, um die Effizienz der Anlage zu steigern. Neben der Anlage, die bereits hier in Darmstadt steht, soll sich zum Sommeranfang ein Zwilling gesellen. Die Idee ist, dass wir Verbesserungen, die wir an der Zwillingsanlage vornehmen werden, nicht nur noch schneller umsetzen, sondern vor allem auch direkt im Vergleich zur Standardanlage bewerten können. 

In der vergangenen Woche hat das Ausreiseteam wichtige Besprechungen mit dem Projektpartner gehabt, die vor Ort direkt mit den Zuständigen geführt werden mussten. Diese Besprechungen waren enorm wichtig, damit die Kilimanjaro Childlight Foundation in Zukunft die Schnittstelle zwischen uns und den Nutzern sein kann, sollte es zu jeglichen Problemen mit den Anlagen oder der Kommunikation untereinander kommen. 

Am Mittwoch 04.03.2020 haben dann auch Jonas, Julius und Rebecca schweren Herzens die Heimreise angetreten und sind Donnerstagmorgen wohlbehalten in Deutschland gelandet. 

Jetzt nach der Ausreise steht zu allererst die Nachbereitung an, damit kein wertvolles Wissen verloren geht.  Es wurde eine Vielzahl von spannenden Gesprächen zum Thema Verbreitung der Anlage geführt und wir müssen die Daten, die wir konstant von den Nutzern erhalten, kontinuierlich aufbereiten. 

Wenn die unmittelbare Nachbereitung abgeschlossen ist, wird die größte Herausforderung im Team sein, die weiteren wesentlichen Projektaufgaben auszukristallisieren und uns auf die neu gesetzten Ziele zu fokussieren. Dazu gehören sicherlich unter Anderem technische Herausforderungen, die beim Aufbau der sechs Anlagen aufgefallen sind, von denen das Ausreise-Team in den nächsten Wochen detailliert berichten wird. 

Insgesamt bin ich überaus froh, dass die Ausreise trotz kleiner Herausforderungen gut gelaufen ist. Wir können wirklich zufrieden und stolz sein, die lange Vorbereitung hat sich gelohnt. Es wurde außerordentlich viel geschafft, nicht nur vom Ausreiseteam und von uns im Backoffice, sondern auch von den Menschen vor Ort, die wir größtenteils vor der Ausreise nicht einmal kannten. Dass beim Zusammenarbeiten vor Ort das Feedback stets positiv war, war eine willkommene Belohnung für die letzten Monate intensiver Vorbereitung. 

Wir merken wie wichtig es ist weiter an unserem Projekt zu arbeiten. Nicht nur weil wir selbst fasziniert davon sind, sondern auch weil die Menschen vor Ort die Notwendigkeit der Anlagen und ihre Vorteile gegenüber bereits existierenden Methoden der Wasseraufbereitung sehen. Die Problematik der Wassersituation ist und bleibt weiterhin aktuell in vielen Regionen dieser Welt und für all diese Menschen lohnt es sich die Anlage weiter zu überarbeiten und Verbreitungsstrategien zu optimieren, damit möglichst viele Menschen davon profitieren können. 

Optimal vorbereitet für die Testphase

Ein gemeinsames Treffen: Ich freue mich zusammen mit den anderen Projektbeteiligten über den erfolgreichen Abschluss der vergangenen Wochen.
Das bin ich, Samwel Masaga.

Hallo, mein Name ist Samwel Emmanuel Masaga und dieses Mal werde ich euch vom aktuellen Stand des SoWaDi Projekts und meiner Rolle darin berichten. Zunächst zu meiner Person: Ich bin 25 Jahre alt, lebe in Moshi, habe Wildlife Management an der Sokoine University of Agriculture studiert und arbeite als Project Manager bei der KCF (Kilimanjaro Childlight Foundation). In dieser Funktion arbeite ich erst seit Februar am Projekt mit und hatte großen Respekt davor in das Thema einzusteigen. Jedoch wurde mir der Einstieg durch die Hilfe von Rebecca, Jonas, Julius und Edgar sehr leicht gemacht, weswegen ich mich jetzt im Projekt gut aufgehoben fühle. Mich reizt, dass ich ständig die Chance habe etwas Neues zu lernen, neue, intensive Begegnungen mit unterschiedlichen Communities zu haben und so meinen Horizont zu erweitern.  Vor allem aber finde ich es bemerkenswert, dass das Projekt zum Ziel hat, die Wassersituation in unseren Communities zu verbessern. 

In der Secondary School hält Rebecca unseren Workshop zum Thema Wasser und Hygiene. Die Schulkinder erarbeiten sich die unterschiedlichen Übertragungswege von Krankheiten.

Als ich klein war, kochten wir das Wasser zwar manchmal auf einem Feuer ab, doch das war immer mit viel Arbeit verbunden. Vorher muss Feuerholz gesammelt und nach Hause gebracht werden. Das ist bisweilen mit weiten Wegen verbunden und nach dem Arbeitstag waren meine Eltern meist zu müde dafür. Es aus der Leitung zu trinken ist da deutlich komfortabler. Hier in der Region ist es jedoch meistens mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Ich bin davon überzeugt, dass SoWaDi hier einen großen Unterschied machen kann.

Nachdem auch die letzte SoWaDi Anlage aufgebaut ist, werden Informationsflyer und anderes Material überreicht. In Zukunft können so interessierte Besucher der Familie mehr über die Anlage erfahren.

Als ich noch nicht so lange dem Projekt zugeteilt war, hatte ich die Chance, zusammen mit Jonas und Rebecca die Fertigstellung der ersten Anlage in Kidia, dem zweiten Standort, zu beobachten. Es hat mich sehr beeindruckt, zu sehen, wie das heiße Wasser und etwas Dampf die Anlage verlässt. Wasser mit der Sonne zu behandeln ist eine eher unbekannte Technologie und vielen, auch mir, fällt es nicht einfach, direkt zu begreifen, was genau passiert. Nachdem ich die Anlage das erste Mal in Aktion gesehen habe, hatte ich keine Zweifel, dass das Wasser tatsächlich abgekocht wird.  

Damit auch ihr euch einen Eindruck von der vergangenen Woche und meiner Arbeit bei SoWaDi verschaffen könnt, möchte ich euch nun etwas davon erzählen: 

 
Ichikael und Rebecca treffen Herrn Machunda vom African Institute of Science and Technology. Er ist Experte im Bereich Materialwissenschaften.

Anfang der Woche hat das Aufbauteam gemeinsam mit Jonas, Julius und Rebecca die sechste und letzte Anlage dieser Ausreise fertig gebaut. Julius und Rebecca haben einen Workshop zum Thema Wasser und Hygiene an der Secondary School in Kidia gehalten. In den knapp zwei Stunden kamen interessante Fragen der ca. 60 Schüler zu verschiedenen Aspekten von Wasser und insbesondere zu dessen Aufbereitung auf.

Später in der Woche ging es für Jonas und Julius weiter zum Malage VTC. Dort haben sie letzte offene Punkte bearbeitet und erneut Wasserproben der ersten beiden Anlagen genommen, um sicherzustellen, dass sie weiterhin sicheres Wasser liefern. Rebecca ist währenddessen zusammen mit Ichikael nach Arusha gefahren, um sich dort mit Dr. Hilonga von der Firma Nanofilter und Dr. Machunda vom Nelson Mandela African institute of Science and Technology zu treffen. Es wurden primär Themen zur möglichen zukünftigen Verbreitung der Anlage besprochen, aber auch Kontakte geknüpft, um weiter voneinander zu profitieren und Wissen auszutauschen. 

Der Laborchef der lokalen Wasserbehörde erklärt uns, worauf es bei der Entnahme von Wasserproben ankommt. Anschließend üben wir das Probennehmen.

Freitag habe ich dann gemeinsam mit meinen KCF-Kolleginnen Samier und Ichikael, sowie mit Rebecca gelernt, wie man Wasserproben nimmt. Dabei wurden wir von unserer Ansprechperson bei MUWSA, der lokalen Wasserbehörde in Moshi, fachmännisch geschult.  

Das Kidia-Aufbauteam präsentiert stolz, was wir gemeinsam geschafft haben.

Die Funktionalität der Anlage soll während der Testphase in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Dazu ist es notwendig, dass Wasserproben des unbehandelten Inputwassers und des sicheren Outputwassers in ein Labor gebracht und dort untersucht werden. Meine Kollegen und ich übernehmen die Aufgabe, die Proben den Anlagen zu entnehmen und dem Labor zu übergeben. Hierbei müssen wir besonders beachten, dass Fehler beim Probennehmen zu falschen Ergebnissen führen können. Das alles und viel mehr konnte ich bei der Schulung lernen. Ich freue mich, durch dieses neu erlangte Wissen die Testphase aktiv mitgestalten zu können.

Julius und Mr. Abed bei einer der ersten Anlagen in Tansania. Am Malage VTC gehen der Ausgereiste und der Lehrer gemeinsam offene Punkte an.
Beim Treffen am Sonntag entsteht ein reger Austausch über die Erfahrungen mit SoWaDi Anlagen.

Zum Abschluss dieser erfolgreichen Woche sind wir dann Sonntag alle gemeinam zur Secondary School in Kidia gefahren, um hier ein “get together” mit allen Nutzern aller Anlagen durchzuführen. Ziel dabei war es, dass sich alle gegenseitig kennenlernen und zukünftig bei Bedarf gegenseitig unterstützen können. Hierbei spiele auch ich als Kontaktperson der KCF eine wichtige Rolle, besonders wenn Jonas, Julius und Rebecca zurück in Deutschland sind. Wir haben die Gelegenheit genutzt, die dortige Anlage gemeinsam zu besichtigen, wobei ein reger Austausch zu den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der jeweiligen Anlagen zustande kam.

 
Anschließend wird die Anlage an der Kidia Secondary School besichtigt und es werden Unterschiede zwischen den Anlagen besprochen.

Bisher haben wir gemeinsam sechs Anlagen an drei verschiedenen Standorten hier in der Kilimanjaro-Region in Tansania errichtet und können damit bereits einigen Personen zu einer besseren Möglichkeit verhelfen, an sicheres Wasser zu kommen. Das ist es auch, was ich mir wirklich wünsche: Dass dieses Projekt nicht nur in ein paar Ecken stattfindet, sondern groß wird. Die Anlage soll sich weiter verbreiten, nicht nur an ein, zwei Orten, sondern in ganz Tansania und darüber hinaus. Ich bin mir sicher, dass es an vielen Orten in Tansania Bedarf  für SoWaDi-Anlagen gibt, die einfach zu betreiben und zu warten sind. Vor allem sind sie eine alternative Möglichkeit, um an keimfreies Wasser zu gelangen ohne zeitaufwändiges Holzsammeln und ohne mühsame Holzfeuer. Ich denke, dass aktuell insbesondere kleinere Schulen und Waisenhäuser enorm von dieser Technologie profitieren können, da die tägliche Outputmenge der Anlage für größere Einrichtungen noch zu wenig ist. Weil es mir sehr leicht fiel, die Anlage zu verstehen und mich in das Projekt einzuarbeiten, bin ich mir sicher, dass sich stets Menschen finden, die ebenfalls von SoWaDi begeistert sind. Diese Menschen werden dann bereit sein, die Aufgabe des Betriebs und der Wartung zu übernehmen und so zu einer Verbesserung der Lebenssituation in ihrem Umfeld beizutragen.

Gemeinsam- Zwei Projekte, eine Region

Am Montag habe ich mit den Lehrerinnen und Lehrern der Kidia Primary School besprochen, was für den reibungslosen Betrieb der Anlage wichtig ist.
Das bin ich, Julius Breuer.

Hallo, ich bin Julius Breuer, 26 Jahre alt und wohne seit 6 Jahren in Darmstadt. Dort studiere ich an der TU Darmstadt im Master Maschinenbau und Computational Engineering. Ich bin eher zufällig über ein Projekt der Uni bei „Ingenieuren ohne Grenzen“ gelandet und bin dort mit Begeisterung in das Projekt SoWaDi eingestiegen: Anders als im Studium konnte ich mich hier ganz praxisnah mit technischen Fragestellungen befassen. Diese Begeisterung habe ich hier mit vielen anderen teilen können. Gemeinsam haben wir gelernt, an aufkommende Probleme heranzutreten. Dabei haben sich auch Freundschaften entwickelt, die ich heute nicht mehr missen will. 

An der Maki Secondary School vermessen ein Lehrer und ich das Gefälle auf dem Schulgelände. Hierfür verwenden wir eine Schlauchwaage.

Anfangs übernahm ich bei SoWaDi das Auswerten von Messdaten. Um die Auswertung weiter zu verbessern, entschlossen wir uns, eine Testanlage mit Messgeräten zu errichten. So möchten wir lernen, wie wir die Anlage weiter optimieren können. Sie steht heute an der Lichtwiese in Darmstadt. Da hier nicht die gleichen Bedingungen herrschen wie dort, wo die Anlagen zukünftig ihren Zweck erfüllen, ist dies auch ein wesentliches Ziel unserer aktuellen Ausreise: Wir möchten vor Ort weitere Anlagen zur solaren Wasserdesinfektion mit Messgeräten zur Datenerfassung ausstatten, um so eine Grundlage zu schaffen, auf der wir zukünftig aufbauen können.

Das Fundament für die Anlage an der Kidia Secondary School wird ausgerichtet.

Bei der Planung unserer Ausreise offenbarte sich ein Problem: Leider ist es uns nicht gelungen, die Erfahrungen, die während der Ausreise 2017 gemacht wurden, sinnvoll zu nutzen und auf ihnen aufzubauen. Mit der Fluktuation der damals Beteiligten ging auch viel Wissen verloren. Daher entwickeln wir verschiedene Strategien zum Wissensmanagement. Eines der Tools, die wir dabei einsetzen, ist eine Art Projekt-Wiki. Doch auch der persönliche Kontakt darf bei der Weitergabe von Wissen nicht unterschätzt werden. So war es auch unser Glück, dass Kasimir uns vor der Ausreise ausführlich über seine Erfahrungen, das Land und die Kultur berichtet hat und Rede und Antwort auf unsere Fragen stand. Letztlich wuchs so auch die Vorfreude in uns auf eine Reise, die neue Erfahrungen, Eindrücke und Perspektiven mit sich bringt. 

Zum Biegen der Bleche verwenden die Aufbauenden ein selbstgebautes Werkzeug.

Wir befinden uns am Ende unserer Reise. Wenn wir an unseren Zielen festhalten wollen, darf es keine Probleme geben, die uns Zeit kosten, denn es bleiben nur noch 10 Tage. Wir haben den Bau zwar fast abgeschlossen, aber wir möchten noch die verschiedenen Anlagenbetreuer*innen miteinander in Verbindung bringen, damit sie sich gegenseitig unterstützen können und ein Netzwerk entwickeln, das die Wartung der Anlagen vor Ort absichert. Auch den Kontakt von Deutschland aus wollen wir festigen und so zum langfristigen Erhalt des Projektes beitragen. In dieser Hinsicht verlief die Woche sehr erfolgreich. Wie zuletzt die anderen möchte ich euch im Folgenden von unserer vergangenen Woche berichten.

Gleich am Montag konnten wir die Woche erfolgreich mit einem Nutzertraining für die vierte Anlage starten. 

Gemeinsam biegen Schüler, Lehrer, unser Aufbauteam und Jonas das Kupferrohr für die fünfte Anlage.

Am Dienstag haben Sam von der KCF und ich uns auf den Weg nach Rombo gemacht, während Edgar seinen letzten vollen Tag in Moshi genießen konnte, bevor er am Mittwoch nach Deutschland abflog. In der Region Rombo haben Sam und ich das Mamtukuna Folk Development College besucht, welches ein zukünftiger Projektpartner werden könnte, denn bei ihnen sind alle relevanten Aspekte für den Bau der Anlage gegeben. Allerdings wird dort momentan viel umgebaut, weshalb der Standort für die aktuelle Ausreise noch nicht zur Verfügung stand. Im Anschluss habe ich mich in Mashati mit einer Kontaktperson eines Projektes der Regionalgruppe (RG) Köln getroffen. Das Projekt der RG Köln hatten wir im Vorfeld bei einem vereinsweiten Erfahrungsaustausch  zum Thema „Wasser, Sanitär und Hygiene“ kennengelernt und festgestellt, dass wir in derselben Projektregion aktiv sind. Ihr Projekt ist der Aufbau einer großen Regenwasserzisterne an einer Schule. So soll die Wassersituation der Maki Secondary school verbessert werden. Auch der RG Köln fehlten wichtige Daten. Deshalb haben wir einen Steinelieferanten befragt, ein Referenzprojekt besucht und das Gelände für die neue Anlage hinsichtlich Gebäudehöhen und Gefälle vermessen. Von der Zusammenarbeit in der Region profitieren auch wir: Über sie haben wir unsere Partnerorganisation KCF gefunden und können gegenseitig kleinere Aufgaben vor den Ausreisen übernehmen.

Schritt für Schritt wird der Absorber fertig gestellt. 

Am Donnerstag fuhr ich wieder zurück nach Kidia, wo Rebecca, Jonas und ich mit dem Aufbauteam an der Errichtung der vorletzten Anlage arbeiteten. Sie haben schon seit Montag daran gearbeitet und dabei erstmals in dieser Ausreise die Bleche für den Absorber selbst gebogen. Dies funktionierte mit Hilfe einer nach der Bedienungsanleitung selbst gebauten Blechbiegevorrichtung sehr gut. Doch zum Verschnaufen blieb keine Zeit und so haben wir nach Fertigstellung der fünften Anlage gleich alle nötigen Materialien zum sechsten Standort gebracht, um dort am Montag mit dem Bau der letzten Anlage für diese Ausreise zu beginnen. 

 
Bei einem Event am Sonntag erkläre ich Interessierten aus der Gemeinde unsere Anlage.

Die Woche endete am Sonntag in Kidia in der Kirche. Dort wurden wir zum Gottesdienst eingeladen und konnten im Anschluss der Kirchengemeinde unser Projekt präsentieren. Dabei sprachen wir vor allem über die Relevanz sicheren Wassers. Anschließend konnten wir die Einladung erwidern und die Anwesenden einladen, im Anschluss eine der Anlagen zu besichtigen und bei dieser Gelegenheit weitere Fragen zu stellen.

 
Währenddessen stellen Jonas und Rebecca unser Projekt in der Kirche von Kidia vor.

Auf die Woche rückblickend frage mich immer mehr: Wie können wir sicherstellen, dass die neu errichteten Anlagen zur solaren Wasserdesinfektion möglichst lange funktionieren, dass das Wissen über deren Bau, Nutzung und Wartung hält und weiterverbreitet wird? Die Nachhaltigkeit unserer Arbeit ist mir ein besonderes Anliegen und die gemachten Erfahrungen lassen mich kritischer über Entwicklungszusammenarbeit reflektieren als früher. Auch mein eigenes Handeln muss ich stets kritisch im Blick haben. Die Zusammenarbeit ist oft nicht so einfach, wie man denkt und man muss viel improvisieren, um gemeinsame Ziele erreichen zu können. Vor unserer Ausreise hatte ich etwa nicht erwartet, dass die Sprache eine so große Barriere darstellen könnte, wie sie es tatsächlich tut, da hier viele unserer Projektpartnerinnen und Projektpartner kaum Englisch sprechen und ich nicht Swahili spreche.  

Ich bin neugierig auf die nächsten Tage und warte gespannt auf die Testphase der sechs errichteten Anlagen. Viele Grüße aus Kidia, euer Julius.