Erste Interviews und Networking – Halbzeit unser Ausreise

Jonas, Ichikael und ich zu Besuch bei der lokalen Wasserbehörde MUWSA.
Nach einem Laborrundgang besprechen wir mit Mr. Revocatus und Mr. Limbe die aktuelle Wassersituation in Moshi. 

Karibuni und hallo zusammen, mein Name ist Rebecca James und in diesem Blogeintrag darf ich von meinen ersten Erlebnissen in Tansania berichten. Ich bin am Montag, den 3.2. nachgereist, um Jonas, Julius und Edgar, die schon vier Wochen hier sind, zu unterstützen. Bevor ich erzähle, was bisher passiert ist, möchte ich mich kurz vorstellen.

 Das bin ich, Rebecca James.

Ich bin 23 Jahre alt, bin letztes Jahr mit meinem Bachelor in Energiewirtschaft fertig geworden und wohne seitdem in Darmstadt, wo ich jetzt den Master Sustainable Urban Development an der TU Darmstadt studiere. Im November letzten Jahres bin ich das erste Mal zu einem Treffen von Ingenieure ohne Grenzen gegangen. Zu dem Zeitpunkt wurde gerade noch eine vierte Person für die Ausreise gesucht und ich habe mich direkt angesprochen gefühlt. Erst hatte ich Bedenken, da ich das Projekt und die Leute nicht wirklich kannte. Auf eine weitere Ausreise ins Ausland habe ich mich gefreut, da ich bereits mit 18 für zwölf Monate im Rahmen des Entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes in Bolivien war und später noch ein Auslandssemester in Kolumbien absolviert habe.  

Die Projektgruppe hat mich sehr gut aufgenommen und schnell habe ich bei den Treffen des Ausreiseteams mitgemacht, um in der kurzen Vorbereitungszeit so viel wie möglich über das Projekt zu erfahren. 

Im Projekt übernehme ich eine Rolle im Verbreitungs-Team. In dem Team überlegen wir, wie das Projekt in Zukunft von vielen Leuten genutzt werden kann. Denn ich bin zuversichtlich, dass die SoWaDi-Anlagen auf der ganzen Welt Menschen helfen können, Zugang zu sicherem Wasser zu bekommen. So versuchen wir Informationen zu sammeln, anhand deren wir verschiedene Verbreitungskonzepte bewerten können. Konkret für die Ausreise bedeutet das, dass wir Interviews und Fragebögen vorbereiten und geeignete Interviewpartner kontaktieren. Für das Verbreitungsteam und mich war das gerade in den letzten Wochen nicht einfach, weil in Tansania schon so viel im Projekt passiert ist und es schwierig ist, gleichzeitig von Deutschland aus mögliche Gesprächspartner zu identifizieren.  

Jonas und ich nehmen Wasserproben an der Kiwoce Open School in Moshi, um auf mikrobiologische Belastung zu testen und zu sehen, ob der Standort für die Anlagen geeignet ist.
Jonas (Links) im Gespräch mit unserem Projektpartner Sam (Mitte) und Mr. Swai (Rechts). Mr. Swai ist Berater im Bereich Innovation und Wasserversorgung und gibt uns Ideen, wie wir unser Projekt in Zukunft möglichst weit verbreiten.
Dokumentation ist wichtig! Hier mache ich ein Foto vom beschrifteten Probenbehälter zusammen mit der Quelle.
So kann die Probe eindeutig zugeordnet werden.

So bin ich jetzt, anstatt Klausuren zu schreiben, in Tansania und mache Erfahrungen, die von Deutschland aus nicht möglich wären. Was man oft vergisst ist, dass man vieles planen und vorbereiten kann und es dann doch oft anders kommt. Hier ist einiges spontaner als in Deutschland und doch findet man zusammen immer eine Lösung, mit der alle zufrieden sind. Ich freue mich riesig auf die nächsten Wochen. Projekte und Praxiserfahrungen wie diese sind mir wichtig, sodass ich mir dafür die Freiräume in meinem Studium schaffe. 

Am Sonntag vor einer Woche bin ich von Frankfurt losgeflogen und bin am Montag, 3. Februar endlich in Moshi angekommen. Dort habe ich mich mit Jonas, der vorher noch in Mwanga am ersten Standort war, getroffen. Nach der ersten Nacht in Moshi hatte ich am Dienstag Zeit, mich zunächst einmal etwas einzurichten, bevor einige Besprechungen mit dem Projektpartner auf der Agenda standen. Später planten Jonas und ich dann noch die ersten Treffen für die Verbreitungs-Interviews. Da wir zu dieser Zeit noch auf der Suche nach einem dritten Standort waren, besuchten wir am nächsten Tag die Kiwoce Open School in Moshi. Am Donnerstag haben wir dann das Labor des lokalen Wasserversorgers MUWSA besichtigt, wo wir unsere Wassertests für alle Anlagen machen lassen. Auch das ist ein wichtiger Teil des Projekts, um beurteilen zu können, ob  Wasser geeignet für die Behandlung ist und wie wirksam die SoWaDi-Anlagen funktionieren. Die bisherigen Untersuchungen haben wie erwartet gute Ergebnisse geliefert. Später haben Jonas und ich dann noch die Meli Secondary School als weiteren möglichen  Standort besucht und konnten einen ersten Eindruck von der Wassersituation an der Schule bekommen. Am Freitag hatten wir die Möglichkeit uns mit Mr. Swai zu einem ausführlichen Gespräch zu treffen. Er ist schon lange als Berater im Bereich Innovation und Wasserversorgung aktiv und konnte alle unsere Fragen zu SoWaDi aus unternehmerischer Perspektive beantworten.

Am selben Tag haben wir an der Meli Secondary School noch eine Detailbesprechung geführt und uns schlussendlich gemeinsam dazu entschieden, das Projekt die nächsten drei Wochen dort umzusetzen. Anschließend sind Jonas und ich ins vier Kilometer entfernte Kidia gefahren, als das dortige Aufbauteam zusammen mit  Julius und Edgar gerade die erste Anlage fertiggestellt hat. Es gab dort im Vorfeld zwar einige Herausforderungen mit Bauteilen wie der Isolation und dem Biegen der Kupferrohre, aber „TZ03“ konnte dank des sehr motivierten, selbständigen und präzise arbeitenden Teams wie geplant in Betrieb genommen werden. Der erste Output war definitiv mein eindrucksvollstes Ereignis in der vergangenen Woche, da ich die Anlage dort das erste Mal „in Action“ sehen konnte! Zusammen mit 150 Kindern der Kidia Primary School habe ich bestaunt, wie das heiße Wasser aus dem Absorberrohr geflossen ist.

Julius und Steve beim Setzen des Schnurgerüsts.
Damit kann die Anlage exakt ausgerichtet werden. 
Das Aufbauteam in Kidia beim Biegen des Kupferrohr.
Die Vorrichtung ist mithilfe der SoWaDi-Anleitung selbstgebaut.
Julius und Edgar legen die obere Glasscheibe auf.
Die Anlage ist jetzt fast aufgebaut.

Alles in allem haben wir es in dieser vollen Woche leider nicht geschafft, alle Interviews für die Verbreitung zu führen, die wir uns vorgenommen hatten. Dafür wollen wir in den nächsten Wochen noch einen Tag einplanen. Wir sind aber froh, endlich einen geeigneten dritten Standort gefunden zu haben, an dem wir zwei weitere Anlagen bauen können. Nachdem verschiedene Anläufe an anderen Standorten aus unterschiedlichen Gründen, wie zum Beispiel chemischer Verunreinigungen des Wassers, erfolglos blieben – Die SoWaDi-Anlagen behandeln nur mikrobiologische Belastungen – herrscht nun Klarheit, wo es nächste Woche weitergeht. Die Meli Secondary School liegt weit außerhalb von Moshi an einer nicht befestigten Straße und bezieht ihr Wasser aus einer Quelle, da sie nicht ans öffentliche Wassernetz angeschlossen ist. Dort können wir unser Projekt wirkungsvoll einsetzen und in Zusammenarbeit mit den Lehrern und Schülern vor Ort die Wassersituation ein Stück verbessern. Geplant ist, wie auch in Mwanga und Kidia, zwei Anlagen aufzubauen. Das wird eine echte Herausforderung, da wir im Vorfeld viel weniger planen konnten als an den beiden anderen Standorten. Wir nehmen uns der Situation aber gerne an und freuen uns, dort direkt am Montag loszulegen und das Team kennenzulernen! 

Während Jonas und ich dort arbeiten, soll nächste Woche in Kidia bei Julius, Edgar und dem Aufbauteam die Anlage „TZ04“ fertiggestellt werden. Kommenden Sonntag gibt es dort ein offenes Event, zu dem die ganze Gemeinschaft eingeladen ist und bei dem es dann hoffentlich zwei fertige SoWaDi-Anlagen zu bestaunen gibt. Hier sollen die Anlagen vorgestellt und ein Workshop zum Thema “clean water” angeboten werden. Das gibt uns die Gelegenheit, mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen, Fragen zu beantworten und Informationen für die Marktforschung und Verbreitung zu sammeln. Abgesehen davon wollen wir fehlende Verbreitungsinterviews im weiteren Verlauf der Ausreise nachholen. Insgesamt erhoffe ich mir von unserem Aufenthalt in Tansania, dass es sechs funktionierende Anlagen gibt und wir zusammen mit dem Team vor Ort neue Ideen zur weiteren Verbesserung der Anlagen finden. Mit den gesammelten Informationen und geknüpften Kontakten im Gepäck, können wir in der Verbreitungsgruppe in Zukunft hoffentlich besser abschätzen, wer die Zielgruppe ist und wo die Anlage wirkungsvoll eingesetzt werden kann. Auf lange Sicht ist mein Wunsch, dass das Projekt irgendwann so ausgereift ist, dass die SoWaDi-Anlagen weltweit überall dort gebaut werden, wo Menschen keine bessere Möglichkeit zur Wasseraufbereitung haben und somit die Wassersituation nachhaltig verbessert wird. Drückt uns die Daumen. 

Liebe Grüße vom Fuße des Kili, Rebecca

Ausreiseteam vereint! Für zwei Wochen sind wir zu viert in Tansania, bevor Edgar wieder nach Deutschland reist.
So können wir uns in Teams aufteilen und doppelt so viel schaffen.

Standort zwei gesichtet.

Das Team für Kidia steht.

Hallo liebe Leser! Mein Name ist Ichikael Malisa, ich bin 30 Jahre alt und lebe in der Nähe von Moshi, Tansania. Ich habe Mass Communication studiert und bin seit Mai 2019 Projektmanagerin bei der Kilimanjaro Childlight Foundation, dem Projektpartner des SoWaDi-Projekts.

Das bin ich, Ichikael Malisa.

Meine Schulzeit verbrachte ich in einem Internat, wo es ausschließlich Flusswasser zu trinken gab, da die Schule kein aufbereitetes Wasser hätte zahlen können. Noch aus dieser Zeit kenne ich die Krankheiten wie Typhus und Diarrhoe, die das Trinken von schmutzigem Wasser mit sich bringen kann. Auch heute noch muss ich feststellen, dass die Wassersituation schlecht ist und viele Familien noch nicht dafür sensibilisiert sind, das Wasser, das sie trinken vorzubehandeln. Umso mehr freute ich mich, als ich im Juni 2019 von dem SoWaDi-Projekt erfuhr. Ich dachte immer, Wasser mit Sonnenenergie abzukochen funktioniert nur mit teuren Lösungen wie fertigen Solaranlagen. Umso mehr überraschte es mich, dass es eine Einrichtung gibt, die man mit einfachen, lokal erhältlichen Teilen selbst bauen kann! Diese zeigt den Erwachsenen und vor allem den Kindern auf eindrucksvolle Weise, dass wie das Wasser auf nachhaltige Weise entkeimt wird, um es guten Gewissens trinken zu können. Das hat nicht nur den praktischen Effekt der Wasserdesinfektion, sondern kann auch als anschauliches Beispiel zur Wissensvermittlung herangezogen werden. 

Um die Umsetzung unseres Vorhabens voranzutreiben, bin ich immer im aktiven Austausch mit dem SoWaDi-Projektteam und kümmere mich als Projektpartnerin um die Koordination und Kommunikation vor Ort. Eine besondere Herausforderung besteht für mich in der Kommunikation mit den Partnerschulen. Das Projekt fasziniert mich so sehr, dass ich oft bis in den Abend hinein daran arbeite und Anfragen unserer Partner beantworte. 

Nun sind Jonas, Julius, Edgar und bald auch Rebecca vor Ort und ich freue mich gemeinsam mit ihnen und dem Team in Darmstadt weitere Anlagen zu errichten und für einen langfristigen Austausch mit den Betreibenden zu sorgen. 

Vergangenen Montag, den 27.02., sind wir dazu zunächst nach Kidia zu meinen Eltern gefahren, wo die drei jetzt wohnen. Nach einem kurzen Kennenlernen mit der Familie trafen wir uns mit dem Aufbauteam und Lehrern der Kidia Primary School. Das Aufbauteam besteht hier, anders als am Malage VTC, aus fünf Freiwilligen der Community, deren Kinder die Schule teilweise selbst besuchen. Neben der Anlage in der Primary School wird bei Mr. Charles Njau eine zweite Anlage in Kidia errichtet, die der Community zugänglich sein soll.

Zu Hause bei Mr. Charles, wo eine der
beiden Anlagen stehen wird. 
Er zeigt Julius seine Entnahmestelle
aus dem öffentlichen Netz.

Währenddessen sind Jonas und ich weiter nach Mwika gefahren, um eine dortige Schule als möglichen dritten Standort zu begutachten. Nachdem wir wieder nach Kidia zurückgekehrt sind, waren mittwochs meine Fähigkeiten als Übersetzerin besonders gefragt, da wir mit 150 Schulkindern einen Workshop zunächst allgemein über Wasser, und dann speziell über die SoWaDi-Anlage durchgeführt haben. Am darauffolgenden Tag sind Jonas, Julius und Edgar unterstützt von zwei Mitgliedern des Aufbauteams für den Materialeinkauf nach Moshi gefahren. Dabei galt es zunächst herauszufinden, wo die benötigten Materialien verfügbar waren und zum Beispiel die Blech- und Rohrbiegearbeiten gemacht werden können.  

Da es am Malage VTC Bedarf für eine Nachjustierung der dortigen Anlagen gab, einigten wir uns darauf, dass Edgar und Julius am nächsten Tag das restliche benötigte Equipment besorgten, während Jonas wieder nach Mwanga fuhr. Alles in allem liegen wir gut im Zeitplan, was nicht zuletzt dem großen Engagement derjenigen zu verdanken ist, die mithelfen den SoWaDi-Aufbau durchzuführen. Besonders gefreut hat mich, dass sich, entgegen ihrer Ankündigung abwechselnd in Tagesschichten zu arbeiten, nun doch alle Aufbauenden dazu entschlossen haben, ihre ganze Zeit in die Errichtung der Anlagen zu stecken. Das macht mich sehr glücklich und optimistisch für die nächste Woche! 

Der Standort für die Anlage an der Kidia Primary School.
Mr. Charles und Julius klären den Tagesverlauf der Sonne. 

Dann werden sich Julius, Edgar, alle Helferinnen und Helfer und ich endlich daran machen, die Wasserdesinfektions-anlagen aufzubauen. Der einzige Unsicherheitsfaktor bleibt für uns das Wetter, denn wenn es regnet kann draußen nicht weitergearbeitet werden. Also drückt uns die Daumen, dass nächste Woche die Sonne scheint! Abgesehen von der SoWaDi-Implementierung kommt nächsten Montag Rebecca an und wir werden Menschen treffen, die wir bezüglich der Verbreitung der Anlage befragen können. Bisher waren wir beim Finden eines geeigneten dritten Standorts nicht erfolgreich. Aber ich bin sicher, wir werden in Zusammenarbeit auch dafür eine Lösung finden und hoffe, dass wir den engen Kontakt auch in Zukunft weiter pflegen. Denn für den Projekterfolg ist gute Kommunikation zwingend erforderlich. Auf lange Sicht wäre es schön, wenn die Anlagen lange sicheres Wasser liefern und die Menschen hier nachhaltig mit einbezogen werden. Dann könnten SoWaDi’s zukünftig ohne die Hilfe des Projektteams gebaut werden und das Team müssten nur noch zur Inspektion der Anlagen herkommen.

Workshop zum Thema Wasser mit den Schülern, Lehrern und Volunteers. Edgar und Julius arbeiten im Dialog mit den Schülern die Bedeutung von sauberem Wasser heraus.
Am Nachmittag vertiefen wir das Thema Sauberes Wasser mit dem Team,
das die Anlagen bauen wird. Ich übersetze.
Die Volunteers sind von Beginn an aktiv mit dabei.
Steven erläutert seine Frage an der Tafel.
Wir sind fündig geworden.
Die Alusheets für den Absorber sind groß genug und die Blechdicke stimmt ebenfalls.
Beim Materialeinkauf: Julius und Jonas prüfen kritisch die Dichtheit der Tanks, die gekauft werden sollen.
Kleinteile für die Verbindung zwischen Absorber und Tank werden gesucht.
Ein aufwendiger Prozess, da jedes Teil einzeln aus dem Lager geholt
und auf Verwendbarkeit geprüft wird.
Im Holzlager werden Bretter gesichtet und die Einteilungen für den Zuschnitt gemacht. Darauf wird viel Zeit verwendet, das Holz ist eine der teuersten Komponenten der Anlage.

System reactivated. Die Anlagen laufen wieder!

Die Anlage ist fertig montiert. 
Das bin ich, Edgar Dingeldein 

Hallo, ich bin Edgar Dingeldein, 58 Jahre alt, ich bin verheiratet und habe zwei Kinder.  Mein Wohnort liegt südlich von Darmstadt im Modautal. 

Ich bin Architekt und leite derzeit das Dezernat Baumanagement und Technischer Betrieb der Technischen Universität Darmstadt. Nach dem Abitur 1981 machte ich zunächst eine zweijährige Ausbildung zum Bau- und Möbelschreiner und arbeitete anschließend in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen sowie in einem Zimmereibetrieb. 1985-1992 absolvierte ich dann meine Architektenausbildung an der Technischen Hochschule Darmstadt. Unmittelbar nach dem Studium habe ich mit drei Kommilitonen ein Architekturbüro gegründet und war dort Mitinhaber, bis ich mich im Jahr 2008 entschloss neue Herausforderungen zu suchen. So führte mich mein Weg abermals zur nunmehr Technische Universität Darmstadt genannten Hochschule. 

Auf mehreren Afrikareisen, die mich nach Marokko, in die Sahara, durch das Atlasgebirge sowie nach Kenia führten, war das Thema sauberes und trinkbares Wasser allgegenwärtig. In ländlichen Regionen zwar mehr als in den Städten, aber auch dort ist das Trinken von Wasser aus dem Hahn ohne Abkochen nicht möglich. Die Folgen des Verzehrs von biologisch oder chemisch verunreinigtem Wasser sind weitreichend. Kinder fehlen immer wieder in der Schule und die Eltern bei der Arbeit, aber auch chronische Krankheiten und eine geringere Lebenserwartung sind die Folgen. Persönliche, familiäre und gesellschaftliche Entwicklungen stehen in direkter Abhängigkeit zur Verfügbarkeit trinkbaren Wassers. Ich fragte mich, ob ich selbst etwas Sinnvolles zur Verbesserung der Situation beitragen könnte und stieß bei meinen Recherchen auf Ingenieure ohne Grenzen. Dort bin ich seit Ende 2018 aktives SoWaDi-Mitglied. Ich mag es, an greifbaren Projekten mitzuarbeiten und meine Erfahrungen einzubringen. IOG hat nicht nur technischen Hintergrund, sondern ist auch inhaltlich stark aufgestellt und arbeitet sehr selbstreflektiert im Bezug auf das Thema Entwicklungszusammenarbeit. Die Arbeit ist interdisziplinär, jede und jeder kann mitmachen. Mir gefällt dieses Konzept. Bei SoWaDi engagiere ich mich in der Gruppe Performance, wo ich technisches Fachwissen im Bereich Bau, Konstruktion, Material und Holzbearbeitung an vielen Stellen einbringen kann. Für die Ausreise habe ich darüber hinaus die Aufgabe des Fotografen übernommen. 

Im Vorfeld unseres Tansania-Aufenthalts hatten wir zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen. Die drei Bereiche Performance, Bauanleitung und 3D-Modellierung können meiner Meinung nach noch effektiver zusammenarbeiten und die Schnittstellen optimieren und so das Potential des Anlagenkonzeptes noch besser herausgearbeitet werden. Eine weitere Herausforderung besteht für uns alle in den semesterbedingten Schwankungen bei den Studierenden und auch meine Aufgabe an der TU Darmstadt fordert mich sehr. Die studienbedingte Fluktuation bei den Studierenden erfordert hohen Aufwand, um Wissenserhalt und –transfer zu gewährleisten. Die Veränderungen, die mein Engagement bei Ingenieure ohne Grenzen mit sich brachte, machten sich vor allem bezogen auf die Freizeit bemerkbar, die ich großteils in die Projektarbeit investierte. Gerade die Ausreisevorbereitung war sehr zeitintensiv. Damit war zwar zu rechnen, aber es war trotzdem mehr als erwartet. Gleichzeitig erfuhr ich unglaublich viel positive Rückmeldung und Interesse aus meinem persönlichen Umfeld. Die Entwicklungszusammenarbeit und das SoWaDi-Projekt sind für mich neue Felder, die nochmal zu einem ganz anderen Kontakt zur jüngeren Generation führten, da die Gruppe zum größten Teil aus Studierenden besteht. 

Julius bei der Erklärung der Messtechnik-Komponenten. Mittels Messtechnik sollen in den nächsten Monaten und Jahren Daten an einer der Anlagen aufgenommen werden, die unserem Team Informationen bezüglich dem Langzeitverhalten der Anlage liefern. 

Was ist in der letzten Woche Wichtiges passiert? Zunächst haben unsere tansanischen Partner, Julius, Jonas und ich beide Anlagen repariert und einige Herausforderungen wie zum Beispiel die Materialbeschaffung gemeistert. Wir mussten oft improvisieren und kamen zwischendurch etwas unter Druck. Mit Teamgeist und Einsatz gelang es am Freitag dennoch, beide Anlagen planmäßig in Betrieb zu nehmen. Leider war es uns nicht vergönnt, einen frischen Tee mit SoWaDi-Wasser zu kochen, da die Sonne nicht mitspielte. Zum Schluss wurde im Rahmen einer Abschlussbesprechung mit den Benutzern vor Ort das weitere Vorgehen besprochen und ein Kommunikationskanal für enge Zusammenarbeit eingerichtet. Mittlerweile sind wir von Mwanga nach Moshi zurückgekehrt und haben die Umsetzung des Projekts am nächsten Standort besprochen. Was mich an unserer ersten Station rückwirkend am meisten beeindruckt hat, ist die wunderbare Gastfreundschaft von Gasianus und seiner Frau sowie dessen Engagement in Bezug auf die Berufsschule und die Schüler. 

Gespannt beobachten wir das Einsetzen der oberen Glasscheibe. Das empfindlichste Teil der Anlage. 

Ab jetzt heißt es jedoch, sich auf den nächsten Ausreiseabschnitt an der Kidia Primary School vorzubereiten. Die dortigen Rahmenbedingungen sind noch weitgehend unbekannt und es wird sicher spannend, dort anzukommen und mit der Situation umzugehen. Unser Plan ist, die Lage zunächst mit allen Beteiligten zu besprechen, zusammen in Workshops die Bedeutung einer intakten Wasserversorgung zu erörtern und einkaufen zu gehen. Insgesamt erhoffe ich mir von der Ausreise einerseits mehr Erkenntnisse von der SoWaDi-Anlage. Andererseits bin ich gespannt, wie das, was wir so lange geplant haben, aussieht und funktioniert wenn es umgesetzt wurde. Ich persönlich finde regelmäßigen Perspektivenwechsel wichtig und möchte über den Tellerrand hinausschauen. Ich möchte neue Facetten der Welt mit eigenen Augen sehen, da Medien die Welt nur gefiltert darstellen. SoWaDi ist eine geniale Idee, es gibt aber noch Fragezeichen bezogen auf den Nutzen und die Kosten der Anlage. Trotz dieser Unsicherheiten hoffe ich, dass das Projekt in der Breite Akzeptanz finden wird.   

Am Inputtank tragen Julius und Jonas die Messskala auf. Mit der Schlauchwaage, die das Füllvolumen zeigt, werden jeweils 5 Liter markiert. 
Der letzte Schritt vor der Inbetriebnahme. Lehrer und Schüler schrauben den Abdeckrahmen für das Glas fest. Damit die Anlage nicht anfängt sich aufzuheizen, während gearbeitet wird, ist die Scheibe abgedeckt. 
Julius erläutert alle wichtigen Aspekte zu Wartung und Betrieb.  
Die Berufsschüler, Lehrer und ich  freuen uns über Abschlussbilder und Videos. 

Ankunft und Projektstart am Malage VTC

Das bin ich, Gasianus L. Senzighe. 

Hallo, mein Name ist Gasianus L. Senzighe. Ich bin 63 Jahre alt und leite eine Berufsschule, das Malage Vocational Training Center, in meiner Heimat Mwanga, Kilimanjaro, Tansania. 1982 kam ich im Rahmen meiner Berufslehrerausbildung nach Deutschland und konnte Berufserfahrungen bei verschiedenen deutschen Automobilherstellern sammeln. Nach meiner Rückkehr nach Tansania war mir klar, dass ich mein Wissen gerne an meine Mitmenschen weitergeben will und habe eine eigene Berufsschule eröffnet. Im Jahr 2014 kam ich noch einmal nach Deutschland und wurde auf das SoWaDi-Projekt in Darmstadt aufmerksam gemacht. Ich finde, dass das Thema sicheres Wasser sehr wichtig ist und noch zu wenig ernst genommen wird, da die Menschen hier oft nur mit Keimen belastetes Wasser zu sich nehmen. Mich hat die SoWaDi-Anlage beeindruckt, da sie mit Sonnenenergie funktioniert und nicht auf teure Materialien, wie Brennholz oder Gas, zum Betreiben angewiesen ist. Deswegen begleite ich das Projekt seither. 

Hier inspiziere ich zusammen mit Jonas und den Schülern die SoWaDi-Anlage. Holz, das mit einem X markiert wird, wird erneuert. 
Edgar, ausgebildeter Schreiner und Architekt, teilt sein Wissen über die Beschaffenheit von Holz mit den Berufsschülern. 

Nachdem meine Schüler, das SoWaDi-Team und ich 2017 zwei Wasserdesinfektionsanlagen am Malage VTC zusammen aufgebaut haben, stand uns zumindest für einige Monate abgekochtes Wasser zur Verfügung. So konnten gerade diejenigen, die sonst keine guten Möglichkeiten hatten Wasser abzukochen, damit versorgt werden. Nun werden wir die Sonnenkollektoren mithilfe von Julius, Jonas und Edgar wieder richtig in Stand setzen, da im Laufe der Zeit einige Probleme aufgetreten sind.  

Vergangenen Montag, den 13.01.2020 kamen die drei wohlbehalten bei mir in Mwanga an, wobei Julius noch am gleichen Tag wieder zurück nach Moshi gefahren ist, um in den folgenden Tagen die weiteren Stationen der Ausreise zu erkunden und die dortigen Partner kennenzulernen. Am Dienstag haben Jonas, Edgar, die Berufsschüler und die Lehrer einander kennengelernt und im Rahmen eines Workshops das Thema sicheres Wasser und die SoWaDi-Anlage besprochen. Außerdem hat sich das Team formiert, das zusammen die Anlagen in Stand setzen wird. Zusammen haben sie die ersten Wasserproben genommen, um sicherzugehen, dass das zu behandelnde Wasser den Anforderungen genügt. Mittwochs haben Edgar, Jonas und das Team die beiden Anlagen inspiziert und eine Einkaufsliste für die Instandsetzung erstellt, sodass zwei meiner Schüler, unsere deutschen Gäste (Julius war mittlerweile wieder zu uns gestoßen) und ich am nächsten Tag die benötigten Baustoffe einkaufen konnten. So haben wir uns am Freitag daran gemacht, die erste Anlage wiederaufzubauen. Manches musste nochmal nachgekauft werden, was aber nicht schlimm war, da der Aufbau schneller ging als geplant. Am Sonntag habe ich das SoWaDi-Team mit zum wöchentlichen Treffen des Rotary Club Mwanga mitgenommen, in dem ich Mitglied bin. Es hat mich gefreut zu erfahren, dass der Rotary Club Darmstadt das Projekt ebenfalls unterstützt. Alles in allem macht es mich sehr glücklich zu sehen, dass die Herausforderungen und Probleme, die mit den SoWaDi-Anlagen aufgetreten sind, von allen Seiten so engagiert angegangen werden. Ich hoffe, dass meine Berufsschüler und die Lehrer weiterhin so gut in den Bau und die Details der Anlage eingebunden werden, damit sie auch in Zukunft in der Lage sind, die Anlagen selbstständig zu betreiben und zu warten. 

In der nächsten Woche wollen wir die beiden Kollektoren fertigstellen und testen, sowie deren Betrieb besprechen. Außerdem soll eine rege Kommunikation zwischen Mwanga und Darmstadt etabliert werden, bevor meine drei Gäste in Richtung der nächsten Station ihrer Ausreise aufbrechen. Für die Zukunft wünsche ich mir eine engere Partnerschaft, sodass der Austausch intensiver wird. Dadurch können wir weiterhin voneinander lernen und uns bei Problemen helfen. 

Meiner Meinung nach können künftig viele Menschen von dem SoWaDi-Projekt profitieren. Die technischen Herausforderungen werden immer besser verstanden und beseitigt, sodass der Aufbau in Zukunft robuster und hoffentlich ohne Probleme funktionieren wird. Um die gesammelten Erfahrungen weiterzugeben ist es mir wichtig, die Lehrer stark einzubinden, sodass auch weitere Generationen von Schülern mit der SoWaDi-Anlage vertraut gemacht werden. Es gibt mir große Hoffnung, dass bereits einige Schüler und Lehrer signalisiert haben, das Projekt in ihrer Heimat vorstellen und vielleicht sogar umsetzen zu wollen.  

Zusammen kaufe ich mit Jonas und Edgar die Dinge ein, die zum Bau benötigt werden. Ich kenne mich hier in der Gegend sehr gut aus, weswegen wir alles schneller finden können als geplant. 
Beim Besuch einer Sisal-Farm haben wir netterweise eine Führung bekommen. Sisal wird in der SoWaDi-Anlage als Wärmeisolation benutzt. 
Der Bau der Anlage ist Teamarbeit. Es freut mich zu sehen, dass alle so gut zusammenarbeiten. 
Der erste Teil des Standfußes ist fertiggestellt. Die Anlage wird dieses Mal etwas erhöht auf Stein gestellt, um möglichen Insektenbefall zuvorzukommen. 

Wir sind angekommen!

Hallo, ich bin Jonas Jeckstadt, 25 Jahre alt und wohne in Darmstadt, wo ich seit 3 Jahren als Inbetriebnahmeingenieur arbeite. Für meinen Beruf bin ich viel im Ausland unterwegs und habe so viel Erfahrung in der Durchführung von Projekten in anderen Kulturen. 

Das bin ich, Jonas Jeckstadt

Bei Ingenieure ohne Grenzen bin ich seit 2017 im Projekt SoWaDi tätig. Hier war ich zunächst in der Gruppe, die die Bauanleitung erstellt und Änderungen in diese einarbeitet. Meine ersten Monate im Projekt waren nicht einfach, wir hatten viel mit Wissenslücken zu kämpfen, da erfahrene Mitglieder das Projekt verlassen hatten und hatten Schwierigkeiten die richtigen Leitfragen zur Zukunft des Projekts zu finden. 

Trotz dieser Herausforderungen hatte ich von Anfang an das Gefühl, mit meiner Arbeit etwas bewirken zu können, was tatsächlich den Menschen hilft. Ich sehe, wie jedes bisschen Mehrarbeit das ich aufbringe, sich auf das Ergebnis auswirkt. Gleichzeitig arbeite ich mit Menschen zusammen, die eine ähnliche Weltanschauung und ein ähnliches Mindset haben und die ich inzwischen zu meinen Freunde zählen kann. Durch die Arbeit im Verein, im Projekt, der Workshops von IOG und den anderen Aktiven habe ich unglaublich viel gelernt, sowohl fachlich als auch auf menschlicher Ebene .  Durch angeeignetes Wissen und den vielen Austausch mit Mitgliedern des Vereins hatte ich schnell das Gefühl erkannt zu haben, welche Leitfragen wir stellen müssen. 

Seit Anfang letzten Jahres bin ich Ansprechpartner im Projekt: ich halte die Kontakte zu den Projektpartnern und habe initiiert, dass wir uns im Projekt intensiv mit Wissensmanagement beschäftigen, damit das Wissen innerhalb der Gruppe bleibt, auch wenn wertvolle Mitglieder das Projekt verlassen.  Jetzt bei dieser Ausreise kann ich aktiv bei der Beantwortung der richtigen Fragen mitarbeiten. 

Wir sind zwar erst vier Tage hier, ich kann aber bereits auf einige Geschehnisse zurückblicken. Angefangen hat es mit unserem Flug am Mittwochabend über Äthiopien zum Kilimanjaro International Airport in Tansania. 

Direkt am Flughafen wurden Julius, Edgar und ich von unser Projektpartnerin Ichikael Malisa begrüßt und abgeholt. Für mich war das ein ganz besonderes Ereignis. Ichikael und ich hatten seit Juni regelmäßigen Kontakt über E-Mail, Whatsapp und haben unzählige Telefonate geführt. Wir haben zahlreiche Stunden damit verbracht, die kommenden zwei Monate zu organisieren und dann steht man sich plötzlich gegenüber und weiß, dass die kommende Zeit für die intensive, monatelange Vorarbeit belohnen wird.  Anschließend sind Ichikael, Julius, Edgar und ich nach Moshi gefahren, um unser Gepäck in unsere Unterkunft zu bringen und die Stadt kennenzulernen. 

Frank George, Ichikael, Jonas und Julius bei der Besprechung des Zeitplans im Büro der KCF. 

Am nächsten Tag stand ein Besuch beim KCF-Team auf dem Plan. Ichikael und das ganze KCF-Team sind unglaublich hilfsbereit und leisten beeindruckende Arbeit. Ich habe mich bereits am Freitag sehr gut angekommen gefühlt und hatte direkt das Gefühl schon lange hier zu sein. 

Am selben Tag haben Ichikael, Edgar, Julius und ich uns dann mit dem staatlichen Wasserver- und entsorger von Moshi und Umgebung getroffen, da wir bei ihnen Wassertests in Auftrag geben werden, um die Güte des Wassers vor und nach der Behandlung durch unsere Anlage zu überprüfen. 

Neben den zwei großen Tätigkeiten stand die Besorgung von Bargeld und SIM-Karten auf dem Plan. Für den ersten Standort, das Malage VTC, mussten außerdem noch fehlende Dinge für die Wassertests gekauft und Anleitungen gedruckt werden. 

Am Montag werden wir drei dann zum Malage VTC fahren und dort die nächsten zwei Wochen zusammen mit unserem Projektpartner Gasianus Senzighe leben. Die beiden Anlagen, die dort bereits 2017 gebaut wurden, müssen inspiziert und in Stand gesetzt werden. Hierbei bin ich besonders gespannt, wie der Materialeinkauf funktioniert und ob wir unser Budget gut geschätzt haben. 

Für die kommenden zwei Monate hoffe ich, dass wir trotz eines sehr engen Zeitplans alles schaffen, was wir uns vorgenommen haben. Besonders gespannt bin ich auf die vielen unterschiedlichen Menschen, die ich an den drei Standorten kennenlernen werde. 

Mit unserer Arbeit hier legen wir nur das Fundament für den Austausch von Daten über die Nutzung und den Verschleiß der Anlagen, die für unsere aktuelle Projektphase so wichtig sind. Nach der Ausreise müssen alle Beteiligten, unsere Projektpartner und die Begünstigten, aber viel mehr noch die Projektgruppe in Darmstadt, hart dafür arbeiten, dass wir durch gute Kommunikation brauchbare Daten erhalten und bei Problemen schnell mit Lösungen aufwarten können. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen und in Zukunft mit noch mehr Partnern noch mehr SoWaDi-Anlagen aufbauen können, sodass wir irgendwann die Verbreitung der Anlage ohne unser Zutun in den Vordergrund stellen können. 

Ichikael, Jonas, Julius und Frank George (Chef der KCF) bei der Besichtigung eines der Projekte der KCF. 

Unser Plan für acht Wochen Tansania: Ziele und Ablauf

Die letzten Vorbereitungen des Projektteams vor der Reise

Als erstes müssen wir hervorheben, dass dieses Projekt ein IOG-Forschungsprojekt ist und damit nicht dem Drehbuch eines klassischen Projektes von Ingenieure ohne Grenzen folgt (Erkundung – Implementierung – Evaluation). Seit neun Jahren arbeiten wir ehrenamtlich an der Entwicklung der SoWaDi-Anlage und haben schon viel erreicht: die Ausarbeitung des Konzeptes und die Erstellung eines thermodynamischen Modells, die ersten Prototypen und Funktionstests, die Erstellung und Verbesserung der Bauanleitung, der erste Eigenbau durch Berufsschüler in Tansania in 2017 und die ersten technischen Verbesserungen der Anlage. 

Was uns fehlt, ist Kenntnis über die Leistungsfähigkeit der Anlage über mehrere Jahre hinweg, um den Gewinn für die Nutzer richtig bewerten zu können. Wir befinden uns also in einer Testphase, in der wir die Technik erproben und validieren.  

Die dieses Jahr gebaute Testanlage in Deutschland dient ebenfalls dem Zweck der Datenerhebung über einen langen Zeitraum. Die Umgebungsbedingungen in Deutschland unterscheiden sich allerdings deutlich von denen in Tansania und Testanlagen, die in Tansania unter realen Bedingungen betrieben werden, liefern natürlich mehr Aufschluss über die Leistungsfähigkeit. 

Also haben wir es uns zum Hauptziel gesetzt in dieser Ausreise möglichst viele Anlagen zu errichten und den Informationsaustausch mit den Nutzern sicherzustellen. Im Sommer 2019 hatten wir noch geplant, mit drei Personen für sechs Wochen auszureisen und an zwei Standorten jeweils zwei Anlagen in Betrieb zu nehmen. Dank der großartigen Unterstützung durch unsere Spender konnten wir die Ausreise auf acht Wochen erweitern und werden and einem weiteren Standort ebenfalls zwei Anlagen aufbauen. 

Durch diese Verteilung können wir unter den Anlagen gut vergleichen. Performt eine Anlage besser als ihr Zwilling am gleichen Standort? Performen die Anlagen an einem Standort anders als einem anderen Standort? Gibt es Unterschiede in der Bedienung? Welche Einflüsse haben eine Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit der Anlage? 

Andere Aspekte des Projektes werden wir in der Ausreise ebenfalls beleuchten. Die Verbreitungs-Gruppe hat Vorbereitungen für eine Marktforschung getroffen und die Ausreisenden werden mit den vorbereiteten Fragen Interviews und Befragungen mit Nutzern, Handwerkern und lokalen Behörden und NGOs durchführen. Dadurch soll die Zielgruppe besser eingegrenzt und beschrieben werden, damit die Anlage nach der Testphase am geschicktesten an die Nutzergruppen verbreitet werden kann, die von der Anlage am meisten profitieren. 

Die Bauanleitung haben wir ebenfalls verbessert und werden die Anlagen wieder mit den Nutzern zusammen aufbauen. 

Am 8. Januar starten zunächst Edgar, Julius und Jonas nach Tansania. In den ersten Tagen werden wir uns in Moshi mit unserem Projektpartner besprechen und Vorbereitungen für unsere Aufenthalte an den jeweiligen Standorten treffen. Die folgenden zwei Wochen geht es für uns an das Malage VTC in Mwanga. Das ist der Standort, an dem wir 2017 die beiden Anlagen gebaut haben, die leider nicht mehr in Betrieb sind. Diese Anlagen werden wir wieder in Stand setzen und unsere technischen Verbesserungen einfließen lassen. 

Danach gehen wir nach Kidia in Old Moshi, um dort zwei neue Anlagen aufzubauen. Unser Aufenthalt dort ist für drei Wochen angesetzt, wobei Jonas bereits nach einer Woche den Standort wieder verlässt. Denn dann ist Halbzeit der Ausreise und Rebecca kommt nach Tansania. Da wir nun zu viert sind, teilen wir uns auf und während Julius und Edgar den Bau der Anlagen in Kidia abschließen, werden Jonas und Rebecca sich zunächst mit verschiedenen Organisationen für Interviews und Befragungen treffen. Danach gehen die beiden an den dritten Standort, eine Berufsschule in Boma Ng’ombe, um dort den Bau der letzten beiden Anlagen zu starten. 

Für Edgar endet seine Ausreise mit der Fertigstellung der Anlagen in Kidia und er reist nach sechs Wochen Auftenthalt in Tansania wieder zurück nach Deutschland. Julius verlässt ebenfalls Kidia und reist zum dritten Standort, um dort zusammen mit Rebecca und Jonas die letzten beiden Anlagen fertigzustellen. Am Ende der acht Wochen werden wir alle Standorte besuchen und alle Nutzer an einen Tisch bringen. Denn nicht nur die Kommunikation zwischen uns und den Nutzern soll funktionieren, sondern auch die Nutzer untereinander sollen sich kennen und sich bei eventuell auftretenden Problemen unterstützen können. 

Das Ausreise-Team stellt sich vor

Nach fast drei Jahren ist es endlich soweit: Die nächste Ausreise für SoWaDi steht an!  

Drei Jahre in denen einiges passiert ist. Die Anlage wurde gleich zwei Mal hier in Darmstadt von uns gebaut, wir wagten uns an eine Konzepterarbeitung zur Verbreitung, erlangten ­viel Wissen rund um unsere Anlage und wagten uns wisshungrig daran Messtechniken an der Anlage zu verbauen, um Langzeitdaten zu erhalten.  

Rückblickend hat sich das Warten also gelohnt und wir konnten ein Team für die Ausreise zusammenstellen, dem es an Motivation, Fachwissen und Kommunikationsgabe nicht mangelt. Dieses Team besteht aus Edgar, Jonas, Julius und Rebecca. 

v.l.n.r.: Sara, Jonas, Julius, Rebecca, Edgar

Edgar ist einer unser wenigen Mitglieder mit langjähriger Berufserfahrung, überaus fit in allerlei handwerklichen Tätigkeiten und tatkräftig innerhalb der Themengruppe Performance. Sein Augenmerk liegt auf technischen Themen und ist unser Experte in Sachen Wassertests, Materialeinkauf und den Workshops, die wir vor Ort halten werden.  

Auch Jonas arbeitet schon seit drei Jahren und hat in seinem Beruf als Inbetriebnahmeingenieur schon viel wertvolle Erfahrung im Ausland sammeln können, die ihm bei der Ausreise sicherlich zugutekommen wird. Er ist innerhalb des Ausreiseteams schon am längsten bei SoWaDi dabei und seit diesem Jahr Ansprechpartner. Jonas trägt offiziell die Projektleitung und sorgt als Handkassenbeauftragter zusätzlich dafür, dass alle Quittungen sorgfältig gesammelt und eingepflegt werden. 

Gleichzeitig mit Jonas als Ansprechpartner angefangen hat Julius, der momentan seinen Master in Maschinenbau absolviert. Er ist vor ungefähr einem Jahr zum SoWaDi-Team dazu gestoßen und seitdem sehr aktiv in der Gruppe Performance, was ihm die Rolle als technischen Leiter eingebracht hat. Er ist bestens mit den Aspekten der Anlage und der Messtechnik vertraut, sodass aus technischer Sicht nichts schief gehen kann. 

Rebecca ist erst seit wenigen Monaten in der Projektgruppe und hat sich erfreulicherweise bereit erklärt, die vierte Position des Ausreiseteams zu besetzen. Sie studiert Sustainable Urban Development und bringt Erfahrung in ehrenamtlicher Tätigkeit im Ausland mit. Unglaublich schnell hat sie sich in das Projekt und insbesondere in die Themengruppe Verbreitung eingearbeitet und ist damit zur Expertin für unsere Marktforschungsthemen geworden.  

Die nicht mitreisenden 16 Ehrenamtlichen des Projektteams werden in Darmstadt das Backoffice bilden und dort nicht nur in den Themengruppen Performance, Verbreitung, Anleitung, CAD weiterarbeiten, sondern zusätzlich die Ausreisenden unterstützen. Die Leitung des Backoffices übernimmt Sara, die schon am längsten zum Ansprechpartner-Trio gehört und in der Regionalgruppe bestens vernetzt ist. Sie sorgt dafür, dass Aufgaben reibungslos verteilt und erledigt werden. So sollen Blogeinträge schnellstmöglich hochgeladen werden, die Ausreisenden werden schnell Antwort auf Nachfragen bekommen und Chancen und Risiken, die während der Ausreise aufkommen, werden bewertet, um mit dem Ausreiseteam zusammen die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen. 

Zusammen bringt das Projektteam also alles mit, was man für eine erfolgreiche Ausreise braucht! 

Das Team hat sich in den letzten Monaten zusätzlich zur regulären Projektarbeit regelmäßig getroffen, um allerlei Fragen und Probleme zu klären. Dazu zählten das Erstellen eines Zeitplans und Budgets, einer Liste an Equipment, das für die Reise benötigt wird, das beantragen des Visums sowie die gesundheitliche Vorbereitung in Form der Tropentauglichkeitsuntersuchung und Impfungen. Aber auch mit inhaltlichen Fragen zur Messtechnik und der Instandsetzung der Anlagen vor Ort wurde sich viel beschäftigt. Außerdem wurde regelmäßiger Kontakt zu den Projektpartnern vor Ort gepflegt, die im Vergleich zur Ausreise 2017 nicht nur das Malage VTC in Mwanga umfassen, sondern ebenfalls die Kilimanjaro Childligt Foundation (Link auf: https://ingenieure-ohne-grenzen.org/de/projekte/deu-iog02?v=partner), das Mamtukuna Folk Development College und eine Gemeinde in Kidia im Stadtteil Old Moshi. 

In unserem nächsten Blogeintrag werden wir etwas mehr über die Ziele und den geplanten Ablauf unserer Reise berichten, denn in den acht Wochen haben wir viel vor und das alles lässt nicht in einen kleinen Absatz packen. 

Die Anlage macht Winterschlaf

Auch Darmstadt wird langsam aber sicher vom kalten deutschen Winter eingeholt. Um die Testanlage an der Lichtwiese vor Minustemperaturen, Schnee, Regen und Wind zu schützen hat sich das SoWaDi Team entschieden, die Anlage bis zum Frühling außer Betrieb zu nehmen und sie wetterfest zu machen. So wird die Verkabelung der Messtechnik und feuchtigkeitsanfällige Komponenten wie das Holz oder die Dämmwolle geschützt, außerdem können über den Winter ohne genügend Sonnenstrahlung keine nützlichen Messdaten erhoben werden.  

Am 19.10. traf sich also die Themengruppe Performance mit Plane und Werkzeug ausgestattet am Testfeld, um zur Tat zu schreiten. Das restliche Wasser wurde herausgelassen, die Wasserbehälter abmontiert, um zu vermeiden, dass das Plastik porös wird, und schließlich wurde die oberste Glasscheibe, die leider im Sommerbetrieb der Anlage einen Sprung bekommen hat, herausgenommen. Sie soll in nächster Zeit untersucht werden, um eine Lösung für das Problem, welches auch in Tansania aufgetreten ist, zu finden.  

Zum Schluss wurde die komplette Anlage mit einer Plane überdeckt, diese wurde an der Anlage festgetackert und festgeschraubt sowie am Boden mit Steinen beschwert. So erhoffen wir uns, dass alles den Winter übersteht und wir nächstes Jahr weiter mit der Anlage arbeiten können. 

Testanlage die Zweite

Unser ganzer Stolz: Die fertige Anlage

Eine SoWaDi-Anlage in Darmstadt, an der langfristig Messdaten erhoben werden können und spontane Änderungsideen schnell ausprobiert werden können – davon konnte das SoWaDi Team bisher nur träumen. Dank der TU Darmstadt, die uns netterweise einenen Platz auf dem Experimentierfeld am Campus Lichtwiese zur Verfügung gestellt hat, konnte der Wunsch am Wochenende vom 14.06. bis 16.06. (also genau ein Jahr nach dem letzten Aufbau) erfüllt werden.

Das Projektteam traf sich am Freitag, um die zuvor gekauften Materialien zu checken und den Ablauf des Wochenendes zu besprechen. Am Samstagmorgen wurde dann voller Tatendrang in den Aufbau gestartet. Um alles glatt über die Bühne zu bringen, wurden schon im Vorhinein Gruppen gebildet, die sich um verschiedene Teile der Anlage kümmern sollten. So begannen parallel die Arbeiten am Standfuß, am Absorberkasten sowie das Rohrbiegen. Nachmittags wurden Rohre und Bleche verbunden sowie schwarz angesprüht. Der Sonntag wurde für den Bau der Zwischen- und Überrahmen sowie die Endmontage reserviert.

Auch bei diesem Aufbau war eines der Ziele, die verbesserte Version der Anleitung unter die Lupe zu nehmen und in der Praxis zu testen, um eventuell weitere Anpassung vorzunehmen. Alle Verbesserungsvorschläge wurden deshalb fleißig notiert und in den anschließenden Treffen evaluiert. Besonders das Befüllen des Rohres mit Sand und das anschließende Entleeren führte erneut zu Problemen und warf viel Diskussionsbedarf für andere Möglichkeiten auf.

Das Befüllen des Rohres mit Sand stellte eine große Herausforderung dar.

Im Gegensatz zu den bisherigen Anlagen wurde beschlossen, das Kupferrohr dieses Mal nicht in tiefgezogene Bleche zu legen, sondern das Kupferrohr lediglich auf der Oberfläche der Bleche anzubringen. Dadurch soll getestet werden, ob sich das sehr zeitaufwändige Tiefziehen der Bleche im Hinblick auf den Durchlauf lohnt. Des Weiteren wurde an der Anlage eine vom Team konzipierte Messtechnik angebracht. Messziele sind unter anderem der Energieeintrag, die maximal erzielbare Outputmenge sowie der Einfluß von Kurzzeitbewölkungen auf den Output. So sollen in Zukunft verifizierbare Vorhersagen über mögliche Outputmengen und -zeiten getroffen werden können.

Das Rohr wurde mit den Blechen verbunden und in den gedämmten Absorberkasten gelegt

Dank der 15 motivierten Helfer konnte der Aufbau erfolgreich über die Bühne gebracht werden. Auch viele neue Gesichter bei SoWaDi konnten so die Anlage und die Anleitung erstmals richtig kennenlernen und beobachten, wie der erste Schwall desinfiziertes Wasser aus der eigens gebauten Anlage fließt. Der Aufbau sowie das Aufzeichnen der Messdaten war sehr aufschlussreich und eröffnete neue Arbeitspakete für unsere Projektarbeit.

Die fertige Anlage befindet sich am Campus Lichtwiese zwischen den Gebäuden des Fachbereichs Architektur und des Kletterzentrums Darmstadt. Interessierte sind herzlich dazu eingeladen, durch den Zaun zu spähen und sich hier auf der Homepage näher über das Forschungsprojekt zu informieren.

Freude nach der Fertigstellung der Anlage

Aufbau einer SoWaDi-Anlage

Am Wochenende vom 15.06. bis 17.06.2018 war es wieder einmal so weit: Die Mitglieder der SoWadi-Gruppe trafen sich zu weiteren Tests bezüglich der erneuerten Konstruktion der Anlage. Dafür wurde das System von unserem Team mit allen konstruktiven Neuerungen während der beiden Tage komplett aufgebaut. Der Fokus lag dabei auf dem Biegen der Aluminiumbleche, dem Biegen des Kupferrohrs sowie der Glasfront des Absorbers. In allen drei Fällen wurden in den letzten Monaten weitreichende Änderung in Durchführung und Beschaffenheit vorgenommen, diese wurden nun genau überprüft.

Das SoWaDi-Team nach dem erfolgreichen Nachbau der Anlage

Das Kupferrohr wird mit den Blechen verbunden

Für das Biegen der Bleche wurde die neue und stark vereinfachte Tiefziehvorrichtung verwendet. Hiermit konnten die Bleche schneller und wesentlich leiser (ohne Hammer) bearbeitet werden.

Auch das neu eingeführte Befüllen des Kupferrohrs mit Sand, um Einschnürungen während des Biegens zu verhindern, kam bei diesem Aufbau zum Einsatz. Hierbei war die erste Hürde, das 10 Meter Rohr möglichst ohne Lufteinschlüsse mit komplett mit Sand zu befüllen, ohne es zu entrollen und das Material zu stark zu beanspruchen. Dies gelang durch Einsatz einer Leiter und leichtes Schütteln des gesamten Rohres. Dass die Mühe sich gelohnt hatte, zeigte sich beim Einspannen und Biegen des Rohres, die zuvor beobachteten Einschnürungen traten nicht mehr auf. Auch das Entfernen des Sandes konnte elegant gelöst werden: Nach dem Verbinden des Rohres mit den Aluminiumblechen konnte der Sand durch Rotation des Konstrukts aus dem Rohr entfernt werden.

Auflegen der Glasscheiben

Die Neuerung der Glasfront bestand darin, die untere der Glasscheiben horizontal in mehrere Stücke zu unterteilen. Dies soll die thermische Belastung besser verteilen und beim Ausdehnen der Scheiben die bisher teilweise aufgetretenen Sprünge verhindern.

In den kommenden Wochen soll die Anlage im Hinblick auf Performance getestet werden. Hierzu sollen neben der Temperatur der Wasseroutput sowie die Sonneneinstrahlung gemessen werden.