Video zu unseren Testanlagen

Seit Kurzem laufen unsere beiden Testanlagen DE02 und DE03, die im April von unserer Projektgruppe SoWaDi auf dem Experimentierfeld der TU Darmstadt gebaut wurden. SoWaDi steht für solare Wasserdesinfektion: Die von uns entwickelte Anlage kocht mithilfe von Sonnenenergie Wasser ab und entfernt dadurch zuverlässig mikrobiologische Verunreinigungen. Der parallele Betrieb der beiden neuen Testanlagen ermöglicht uns die Evaluation konstruktiver Änderungen, die wir an einer der beiden Anlagen vornehmen werden, und eine Analyse der Langzeitperformance.

Die Grundversorgung mit sicherem Wasser ist in vielen Teilen der Erde nach wie vor nicht gesichert. Vor allem in ländlichen Regionen im globalen Süden hängen noch viele Menschen von Wasserquellen ab, die mit gesundheitsgefährdenden Krankheitserregern belastet sind, und erkranken in Folge dessen. Der WHO zufolge sterben jährlich schätzungsweise 829.000 Menschen an Durchfallerkrankungen, die im Zusammenhang mit unsicherem Wasser und unzureichender Versorgung mit sanitären Einrichtungen stehen.

SoWaDi Aufbau-Wochenende: DE02 und DE03 sind einsatzbereit

Am Wochenende des 17. & 18. Aprils hieß es für uns weg vom Schreibtisch und ran an die Stichsäge! Unser Ziel war es, an dem Wochenende zwei neue Anlagen auf unserem Testfeld an der Lichtwiese in Darmstadt zu errichten.

Die Planung

Schon zu Beginn des Jahres war uns allen klar, dass dieser Aufbau von der Corona-Pandemie geprägt sein würde. Ende März setzten sich unsere Themengruppen Anleitung, Konstruktion und Performance zusammen und begannen mit der Planung. Neben der Organisation des Einkaufs und der Planung des Ablaufes stand vor allem die Erarbeitung eines Hygienekonzeptes im Vordergrund, damit der Aufbau trotz der Pandemie stattfinden und dabei das Gesundheitsrisiko für alle Teilnehmer*innen minimiert werden konnte. 

Der Aufbau

Um 9:30 Uhr am Samstag war der Kickoff des Aufbaus. Vorher machten alle Teilnehmer*innen einen Corona-Schnelltest, wie es im Hygienekonzept vorgesehen war. Alle Tests waren negativ und das Bauen konnte beginnen. Die Gruppe wurde in fünf Teams eingeteilt, die an dem Wochenende auch so zusammenbleiben sollten, um die Anzahl an Kontakten zu reduzieren.

Nach der anfänglichen Findungsphase der Teams – viele Teilnehmer*innen hatten sich aufgrund der Pandemie bis dahin noch nie „in echt“ gesehen – ging es produktiv los. Bis zum gemeinsamen Mittagessen waren die Rohrbiegevorrichtung und das Werkzeug zum Blechbiegen von Team 1 & 2 fertiggestellt , das Holz für Team 3  zugeschnitten und Team 4 hatte die erste Schicht des Stahlstandfußes lackiert. Gegen Abend waren die Rohre fertig gebogen, ein Großteil der Bleche für die Absorber mit Sicken versehen, die zwei Holzkästen zusammengebaut und das Stahlrack fertig lackiert.

Am Sonntag ging es um 10 Uhr motiviert weiter. Auch am zweiten Tag haben sich alle getestet – sicher ist sicher. Nachdem die restlichen Bleche fertig gebogen waren, konnte mit dem Zusammenbau der Absorber begonnen werden. Die Bleche wurden mit den Rohren verbunden und schwarz lackiert, währenddessen wurden die Holzkästen mit Mineralwolle ausgelegt. Im Anschluss mussten die Holzkästen nur noch in die Gestelle integriert, die Absorber eingelegt, die Glasscheiben vorsichtig aufgelegt und alles wasserdicht gemacht werden. Gegen 18 Uhr waren wir fertig und das Ergebnis kann sich definitiv sehen lassen!

Das Ergebnis

Ziel ist es, mit den neuen Anlagen konstruktive Änderungen zu evaluieren. Hierfür sind im Sommer Testreihen geplant, die die Auswirkungen unterschiedlicher Dämmstoffe, anderer Rohrbiegungen, etc. quantifizieren sollen. Es ist also wichtig, dass beide Absorberkästen identisch sind. Dies ist nun bei DE02 & DE03 der Fall. Das Rack von DE02 wurde aus Metall geschweißt, da unsere Anlagen in Tansania auf Stahlracks stehen und diese Variante auch in der Anleitung abgebildet werden soll. Im Sommer werden beide Anlagen über eine zentrale Wasserversorgung „betankt“, sodass der Testbetrieb auch ohne uns vor Ort stattfinden kann. Unser MONA-System wird die Daten aufnehmen und per Mobilfunk an unser Team schicken.

So wichtig der Aufbau für den Forschungsbetrieb im Sommer war, er hat uns vor allem gezeigt, dass unser Team auch während der Pandemie produktiv weiterarbeitet.

Wir sind gespannt auf die Einweihung beider Anlagen in den nächsten Wochen und sehnen uns nach dem nächsten Gruppenevent im „real life“!

Erfahrungen von Mr. Mrema mit einer SoWaDi-Anlage nach einem Jahr der Nutzung

2020 reiste ein Team unserer Projektgruppe nach Tansania, um dort gemeinsam mit unserem Projektpartner der Kilimanjaro Childlife Foundation (KCF) und zukünftigen Nutzer*innen neue SoWaDi-Anlagen zu bauen.  Ein Jahr nach dem Aufbau der Anlage hat Sam, Projektmanager bei der KCF, mit Leonard Makala Mrema für uns ein Gespräch über seine bisherigen Erfahrungen mit der Anlage und dem Projekt geführt. Mr. Mrema ist Lehrer in Kidia an der dortigen Primary School , wo seit letztem Jahr eine SoWaDi Anlage steht.

Das Interview wurde für diesen Blogeintrag ins Deutsche übersetzt und redaktionell überarbeitet.

Sam:  Was hast du gedacht als du das erste Mal von der SoWaDi-Anlage gehört hast? Und welche Erwartungen hattest du an die Anlage und an das Projekt?

Mr. Mrema:  Mein erster Gedanke war SAUBERES WASSER. Das habe ich auch von der Anlage erwartet: Dass sie sauberes und sicheres Wasser zur Verfügung stellt, das von Lehrern und Schülern genutzt werden kann. Von dem Projekt habe ich mir erhofft, dass ich mehr über die Anlage lerne und v.a. wie ich sie selbst bauen kann.

Sam: Welche Aufgaben übernimmst du im Projekt und was war deine Motivation ein Teil davon zu werden?

Mr. Mrema:  Meine Hauptmotivation war, dass ich dadurch den Kindern sauberes Wasser bereitstellen kann. Daher sammle ich nun Daten zur Anlage und sende sie an IOG. Außerdem kontrolliere und pflege ich die Anlage so, dass sie jeden Tag richtig funktioniert.

Um Informationen über die Lebensdauer und die langfristige Performance der Anlagen zu sammeln, wird jede Anlage von einem Verantwortlichen betreut, der Daten an die Projektgruppe weiterleitet.  Mr. Mrema kümmert sich seit nun einem Jahr um TZ03.

Sam:  Kannst du einen gewöhnlichen Tag mit der Anlage beschreiben? Was genau muss von wem gemacht werden?

Mr. Mrema: Morgens überprüfe ich die Anlage und kontrolliere, ob es irgendwelche Schäden oder Lecks gibt. Dann weise ich die Schüler an, das Wasser in die Inputbehälter zu füllen, später am Nachmittag überprüfe ich die Anlage, um zu sehen, wie sie läuft und entnehme Wasser daraus (an einem sonnigen Tag). Abends decke ich das Gerät zu und gehe nach Hause. Zusammenfassend ist meine Hauptaufgabe die Überwachung der Anlage, die Datenerfassung und das Senden der Daten an IOG. Die Schüler, die gezielt dafür ausgewählt werden, füllen das Wasser ein, wenn der Behältern leer ist.

Sam: Und wozu wird das aufbereitete Wasser dann genutzt?

Mr. Mrema: Das Wasser wird von den Schülern und Lehrern genutzt, hauptsächlich zum Trinken.

Sam: Du sagst, dass du IOG Daten von der Anlage schickst. Wie funktioniert denn der Kontakt und worüber sprecht ihr?

Mr. Mrema: Ich stehe in Kontakt mit Julius und Max von der Projektgruppe in Darmstadt. Meist geht es bei der Kommunikation im Allgemeinen um die Anlage, ob sie angemessen funktioniert oder ob es irgendwelche Herausforderungen gab. 

Sam: Nun steht die Anlage seit fast einem Jahr an der Kidia Primary School. Wie stehst du nach dieser langen Zeit zu dem Projekt? Haben sich alle deine Erwartungen erfüllt oder siehst du noch Verbesserungspotential?

Mr. Mrema: Nicht alle meine Erwartungen haben sich erfüllt. Dennoch glaube ich, dass das Projekt insgesamt erfolgreich ist. Die Anlage ist äußerst nützlich für uns, um den Kindern sauberes Wasser bereitstellen zu können und Probleme mit Magenschmerzen zu reduzieren. Dennoch gibt es auch einige Dinge, die verbessert werden könnten: Es wäre wirklich super, wenn die Anlage genügend Wasser zur Verfügung stellen könnte, um die gesamte Schule damit zu versorgen. Außerdem kommt es manchmal beim Reinigen der Container zu Problemen, weil ein Teil des Reinigungswasser zurück ins Hauptsystem läuft und sich dann mit dem Inputwasser mischt. Dafür wäre eine Lösung sehr gut.

Sam:  Sind denn auch andere Leute auf die Anlage aufmerksam geworden? Und wenn ja, wie sind ihre Reaktionen?

Mr. Mrema:  Ja, ich habe mit einigen Leute über dieses Projekt gesprochen. Sie wünschen sich eine solche Anlage auch für ihre Häuser.

Wir bedanken uns bei Mr. Mrema und Sam für das interessante Interview und die vielen Einblicke!

Virtuelles SoWaDi-Wochenende

Das letzte Wochenende im März haben wir genutzt, um uns für ein SoWaDi-Projektwochenende zu treffen und gemeinsam an aktuellen Arbeitspaketen der Themengruppen zu arbeiten, aber auch um bei Aufgaben weiterzukommen, für die im Projektalltag häufig keine Zeit bleibt. So haben wir zum Beispiel endlich Zeit gefunden, das Archiv in unserer Cloud, in dem sich Dokumente seit unserem Projektbeginn 2010 gesammelt haben, zu sichten, neu zu sortieren  und es in unser neues Konzept zum Wissensmanagement einzufügen. Außerdem haben wir uns erneut mit den technischen und ökonomischen Mindestanforderungen verschiedener Stakeholder an die SoWaDi-Anlage beschäftigt, um technische Weiterentwicklungen und mögliche Verbreitungsstrategien anhand dessen bewerten zu können. Leider musste unser Treffen aufgrund der nach wie vor angespannten COVID19-Situation virtuell über Zoom stattfinden. Aber darin sind wir alle ja bereits erprobt und konnten dank Break-out-Rooms, Screensharing & Co. trotzdem produktiv arbeiten. Und nicht nur das – auch ein virtueller Spieleabend am Samstag zum Teambuilding mit SoWaDi-Quiz und Onlinespielen durfte natürlich nicht fehlen! Wir sind also nicht nur einen wichtigen Schritt in unserer Projektarbeit weitergekommen, sondern hatten auch eine Menge Spaß zusammen.

So schauen wir auf das neue Jahr

In diesem Blogeintrag wird es um einen Jahresrückblick 2020 und unsere Erwartungen an das neue Jahr 2021 gehen. Das vergangene Jahr wird sicherlich den meisten Leuten als Corona-Jahr in Erinnerung bleiben. Auch wir mussten uns erst an die neuen Rahmenbedingungen, welche durch die Pandemie entstanden sind, gewöhnen und unsere Arbeitsweise dementsprechend anpassen. Obwohl viele Prozesse dadurch verlangsamt oder sogar behindert wurden, können wir rückblickend doch sehr zufrieden mit dem sein, was wir 2020 erreicht haben.

Während das Jahr 2019 neben dem Bau einer Anlage in Deutschland vor allem für die Vorbereitung der Ausreise genutzt wurde, konnten wir 2020 direkt mit dem großen Meilenstein der aktuellen Projektphase beginnen: der Ausreise unserer Ehrenamtlichen nach Tansania im Januar und Februar 2020. Durch diese Ausreise konnten wir wichtige Bausteine für den späteren Verlauf und Erfolg des SoWaDi Projektes legen.

So konnten wir zunächst Wartungen an zwei unserer Anlagen zur solaren Wasserdesinfektion durchführen, die 2017 in Mwanga zusammen mit unserem Partner Kilimanjaro Childlight Foundation gebaut wurden. Neben der Wartung ließen sich hier auch noch technische Verbesserungen der zwei Anlagen realisieren. Im Nachbarort Kidia, Distrikt Old-Moshi konnten wir außerdem vier neue Anlagen aufbauen, sodass in Tansania nun insgesamt sechs unserer Testanlagen stehen.

Seitdem stehen wir im wöchentlichen Austausch mit den Begünstigten, um Daten zum Wasseroutput der Anlagen zu erhalten. Außerdem bekommen wir so mit, wenn es Probleme mit den Anlagen gibt und können beratend zur Seite stehen. Um die Funktionsweise der Anlagen zu überprüfen, führt unser Projektpartner in regelmäßigen Abständen Wassertests durch.

Es ist für unsere aktuelle Testphase sehr wichtig, zuverlässige Daten über die Anlagen zu bekommen. Um die Datenlage bezüglich der Performance der Anlagen auszuweiten, haben Studierende der TU Darmstadt im Zeitraum vom Mai bis August des vergangenen Jahres in Kooperation mit unserem Projektteam ein autarkes Messsystem entwickelt. Dieses Messsystem wurde liebevoll MONA (Monitoring Offgrid Node for Assessment of SoWaDi Performance) getauft. Ein ausführlicher Blogeintrag zu diesem Messsystem ist hier zu finden. Das Lesen lohnt sich auf alle Fälle!

Im August 2020 wurde unsere erste Bauanleitung veröffentlicht. Um eine weltweite Verfügbarkeit der Anlagen zu ermöglichen, soll der Materialeinkauf und Aufbau alleine mit dieser Bauanleitung möglich sein. Die erste Version der Anleitung wurde bereits im Rahmen einer Ausreise im Jahr 2017 erstellt. Seitdem konnten wir aber durch den mehrfachen Aufbau der Anlage (zweimal bei der Ausreise 2017, Sommer 2018, Sommer 2019 und viermal bei der Ausreise 2020) wichtige Erfahrungen bezüglich des Aufbaus sammeln und konnten die Anleitung aus dem Jahr 2017 entscheidend verbessern. Die Anleitung lässt sich übrigens hier kostenfrei herunterladen und ist einen Anblick auf jeden Fall wert!

In der dritten Projektphase, der aktuellen Testphase, geht es vor allem darum, möglichst viele Daten zur Nutzung, Qualität und Haltbarkeit der Anlage zu sammeln, damit langfristig betrachtet, technische Optimierungen und Effizienzsteigerungen vorgenommen werden können, bevor die Anlage auch außerhalb von Tansania verbreitet werden kann. Vor diesem Hintergrund war die Ausreise 2020, die Entwicklung des Messsystems MONA und die Veröffentlichung unserer Bauanleitung für den Projekterfolg SoWaDis sehr wichtig. Mit den Resultaten dieser drei Ereignisse sind wir als Projektgruppe überaus zufrieden.

Für das kommende Jahr 2021 wollen wir natürlich am Projekterfolg des vergangenen Jahres anknüpfen und stellen dementsprechend auch gewisse Ziele und Erwartungen.

Um eine breite und diversifizierte Datenbasis zu erhalten, wäre es durchaus erstrebenswert noch mehr Anlagen an verschiedenen Standorten aufzubauen. Dazu wollen wir in Kooperation mit anderen Ingenieure ohne Grenzen Projekten treten, um in ihren Projektregionen SoWaDi Anlagen bauen und testen zu können. Unsere Bauanleitung wird auch zu diesem Zweck sehr hilfreich sein.

Ein anderer Punkt, an dem wir anknüpfen wollen, sind die MONA-Boards. Wir wollen diese nutzen, um zum einen die Performance der Anlagen in Tansania genauer zu analysieren und zum anderen etwaige im Rahmen einer Ingenieure ohne Grenzen-Kooperation neu gebaute Anlagen direkt mit unserem Messsystem auszustatten.

Zu guter Letzt möchten wir im Jahr 2021 auch eine neue, zweite Testanlage in Darmstadt aufbauen. So können konstruktive Veränderungen direkt an einer der Anlagen erprobt und mit der unveränderten Anlage verglichen werden. Ziel ist es, so die Veränderung bezüglich der Performance zu evaluieren und damit konkrete Verbesserungen herausarbeiten zu können.

Unsere Anlage in der Winterpause

Auf dem Experimentierfeld der TU Darmstadt steht unsere Testanlage DE01. Nachdem hier im Sommer 2020 ein Messsystem erfolgreich entwickelt und getestet wurde, das uns in den kommenden Sommern wichtige Daten zur Performance der Anlage liefern wird, wurde die Anlage nun in die Winterpause geschickt: Anders als in unseren Zielländern wie z.B. Tansania, scheint in Deutschland im Winter nur für wenige Stunden die Sonne, sodass die Anlage DE01 über den Winter keinen Output produzieren und somit auch keine verwendbaren Messdaten liefern kann. Um die Anlage während der Wintermonate vor Minustemperaturen, Eis, Schnee und Wind und hiermit verbundenem Verschleiß zu schützen, wurde sie nun von einem kleinen Team winterfest gemacht. Hierfür wurde das Wasser vollständig aus der Anlage gelassen, die empfindlichen Teile des Messsystems demontiert und die Anlage abgedeckt, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen.

Die Arbeit an der Anlage haben wir außerdem dazu genutzt, ein kleines Video zu drehen, in dem wir das Projekt und die Anlage für die Erstsemesterbegrüßung der TU Darmstadt vorstellen. Wenn ihr also gerne einen kurzen Überblick über unsere Projektarbeit und Eindrücke vom Winterfestmachen der Anlage erhalten wollt, schaut doch gerne hier vorbei.

Dass unsere Anlage Winterschlaf macht, bedeutet aber nicht, dass sich auch unsere Projektgruppe schlafen legt. Im Sommer wurden mithilfe des neuen Messsystems bereits viele Daten gesammelt, die nun von unserer Performance-Gruppe ausgewertet werden, um SoWaDi in Zukunft noch effizienter zu machen. Außerdem arbeiten wir zurzeit an neuen Kooperationen zur Verbreitung unserer Anlage, damit vielleicht schon im kommenden Jahr weitere Testanlagen in Tansania oder anderen Zielländern gebaut werden können. Auch in Darmstadt soll im nächsten Frühjahr eine weitere Testanlage entstehen. Durch den Aufbau einer zweiten Anlage in Deutschland sollen technische Weiterentwicklungen im Realbetrieb getestet werden können. Hierfür werden an einer der beiden Anlagen technische Änderungen vorgenommen und die Leistung mit der unveränderten Referenzanlage simultan verglichen. Auch dieser Aufbau wird bereits von unserer Projektgruppe geplant und vorbereitet.

Entwicklung eines Messsystems zur Bestimmung der Effizienz

Von Mai bis August 2020 führten die Studierenden Steffen Bißwanger, Leon Dungs, Sara Konrad, Nikola Milenkovski und Alexander Zinn an der TU Darmstadt ein Projekt im Rahmen ihres Studiums in Kooperation mit unserem Projekt SoWaDi durch. Ziel war die Entwicklung eines autarken Messsystems, das die Bestimmung der Anlageneffizienzen im Feld ermöglicht. Dies soll durch die automatisierte Datenerhebung von Sonneneinstrahlung, Wasseroutput und Umweltbedingungen erreicht werden.

Im Folgenden lesen Sie einige Aufzeichungen aus dem Laborbuch der Studierenden. Dort haben sie ihren Fortschritt aufgezeichnet und beschrieben, wie sie die Herausforderungen überwunden haben, die ihnen während des Projektes begegnet sind.

Phase 1: Auswahl der Komponenten

09.04.2020    09:45

Heute haben wir uns zunächst einmal kennengelernt, online versteht sich, und uns mit der Solarthermischen Wasserdesinfektionsanlage vertraut gemacht, mit der wir im Laufe des Projektes arbeiten werden. Zwei unserer Teammitglieder kennen die Anlage schon gut. Wir anderen lernen sie erst kennen. Um ein geeignetes Messsystem zu entwickeln, ist es wichtig, die Funktion der Anlage und die Bedingungen, in denen sie eingesetzt wird, gut zu verstehen.

08.05.2020   15:15

Wir konnten uns schon vor einiger Zeit darauf einigen, welche Größen wir messen wollen. Die wichtige Frage ist jetzt: Wie?
Heute besprechen wir unsere neusten Ideen, mit welchen kostengünstigen Sensoren und Konstruktionen wir die besten Ergebnisse bekommen können. Eine besondere Herausforderung ist die Messung der Wassermenge, die aus der Anlage herauskommt. In der Vergangenheit wurden schon einige Versuche durchgeführt, die an unterschiedlichen Problemen gescheitert sind. Temperaturschwankungen von Tag zu Nacht haben zu unzuverlässigen Ergebnissen von Wägezellen geführt und ein Sensor mit beweglichen Teilen ist beim Einsatz in Wind und Wetter verkantet.
Aber wir hatten eine neue Idee: Eine abgeschnittene Glasflasche mit kleinem Loch im Deckel kann umgedreht als Auffangbehälter und Anstauvorrichtung für die minütlichen Wasserschwalls aus der Anlage dienen. Wir messen dann die Zeit, bis die Glasflasche nach einem Schwall wieder leer wird.

23.05.2020   17:18

Wir sind nun endlich so weit: Nach 5 Stunden Besprechung haben wir für alle Sensoren, die Recheneinheiten des Systems, die Datenübermittlung und die Stromversorgung passende Komponenten ausgewählt. Jetzt können wir nur noch warten bis die Bestellung ankommt und hoffen, dass alles zusammenpasst.

31.05.2020    13:15

Gerade haben wir die Nachricht erhalten, dass das erste Paket angekommen ist. Jetzt kann die richtige Arbeit beginnen.

Phase 2: Programmierung und Bau des Messsystems

31.05.2020   14:45

Bis auf ein Teammitglied hat bisher noch niemand von uns mit den Microcontrollern gearbeitet, die wir für das Projekt verwenden wollen: Arduinos.

Nachdem wir uns das Programmierinterface auf dem Computer eingerichtet haben, können wir endlich das erste Programm auf den Arduino laden.

31.05.2020  14:46

Der Arduino fängt an zu blinken. Hurra! Mal sehen ob es genauso einfach wird, die Sensoren anzuschließen und auszulesen.

02.06.2020   12:37

Den SD Kartenleser, die Strommessgeräte zur Messung der Sonnenintensität und die einfachen Thermometer konnten wir ohne Probleme zum Laufen bringen. Die etwas komplizierteren Thermometer für die höheren Temperaturen zeigen bisher nur merkwürdige Werte an. Woher die kommen, können wir uns nicht erklären. Ein Thermometer zeigt uns 65°C und ein anderes 9°C an, beide Temperaturen sind definitiv nicht korrekt.

02.06.2020    19:36

Gerade sind wir auf eine Möglichkeit gestoßen, die merkwürdigen Werte zu korrigieren. Ein Wert in der Berechnungsformel ist eine Vergleichsspannung. Beim Nachmessen dieser Spannung an den Sensoren ist uns aufgefallen, dass diese für jeden Sensor individuell anders ist. Nachdem wir diese nun in die Software eingearbeitet haben, zeigen alle Thermometer plausible Werte.

13.06.2020   09:42

Wir befinden uns nun schon mitten im Juni, das Wetter bietet optimale Bedingungen, um das neue Messsystem auszutesten. Es wird also höchste Zeit, dass wir das Messsystem endlich an die Anlage anbauen. Deshalb arbeiten wir mit Hochdruck daran, die Platine für das Messsystem fertigzustellen. Wir löten alle Verbindungen von Hand. Hoffentlich geht unser Plan auf. Auch die Datenübermittlung per Mobilfunk funktioniert immer noch nicht. Nachdem wir mittlerweile schon ein besseres Modul bestellt haben und immerhin eine Verbindung zum Mobilfunknetz bekommen konnten, haben wir es leider immer noch nicht geschafft, die Daten automatisch zu verschicken. Langsam drängt die Zeit. Wenn wir das nicht schaffen, könnte das gesamte Projekt scheitern.

14.06.2020   21:06

Nach zwei Tagen harter Arbeit ist die Platine fertig gelötet. Das Messsystem kann endlich in die Schutzhülle eingebaut werden, in der es später an der Anlage vor Regen geschützt ist. Auch mit der Versendung der Daten haben wir wichtige Fortschritte gemacht. Die Mikrocontroller kommen jetzt langsam an die Grenzen ihrer Rechenkapazität, weitere Änderungen werden immer schwieriger. Zum Glück gilt es jetzt aber nur noch, ein paar kleinere Softwareprobleme zu beheben, und dann können die Messungen bald starten.

Phase 3: Anbau des Messsystems an die Anlage

20.06.2020   09:16

Es ist so weit: Heute können wir das Messsystem heute endlich anbauen. Es läuft jetzt schon seit gestern durchgängig und ist einsatzbereit.

20.06.2020   22:03

Wir warten jetzt schon seit 3 Minuten gespannt auf die Daten vom ersten Tag. Jetzt kommt der Moment der Wahrheit. Wenn heute alles ohne Probleme geklappt hat, sind wir zuversichtlich, dass das Messsystem auch die nächsten drei Monate weiterarbeiten kann, bis im Oktober zu wenig Licht verfügbar sein wird.

20.06.2020   22:04

Die ersten Daten haben uns erreicht. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Wir haben es geschafft und uns erst mal eine Pause verdient. Sobald wir genug Daten haben, können wir uns an die Auswertung setzten und einen vollständigen Bericht verfassen.

Ausblick:

Dem Team ist es mit den Messungen über einen Zeitraum von 30 Tagen gelungen herauszufinden, welche Sensoren für die Messungen relevant und geeignet sind. In Zukunft wird es also möglich sein, ein kostengünstiges Messsystem zu bauen, dass alle wichtigen Messungen durchführen kann. Fast das gesamte Team wird in Zukunft das Messsystem ehrenamtlich bei Ingenieure ohne Grenzen weiterentwickeln. Das neue Messsystem taufen wir auf den Namen MONA (Monitoring Offgrid Node for Assessment of SoWaDi Performance). In Zukunft wird MONA beim Sammeln von Langzeitdaten in Tansania und bei der Weiterentwicklung der Anlage in Darmstadt helfen. Im Gegensatz zu ihrer Mutter ist MONA etwas kleiner und kompakter, und auch nicht mehr so durchsichtig, eben perfekt gerüstet, um eine Weltreise anzutreten.

Aufzeichnung unserer Veranstaltung “SoWaDi stellt sich vor”

Hallo zusammen!

Wie bereits im vorigen Blogeintrag angekündigt, hatten wir am 29.10.2020 die Möglichkeit einen Online-Vortrag für SoWaDi Unterstützer*innen und Interessierte zu halten.

Der Vortrag, den wir nun auch in Form eines Videos zur Verfügung stellen können, gibt sowohl einen Überblick über die Idee und die Historie unseres Forschungsprojektes, als auch über unsere Ausreise im Frühjahr 2020 und einen Ausblick in die Zukunft. Gehalten wurde er von drei Mitgliedern der Projektgruppe: Julius Breuer, Sara Konrad und Jan Erik Schliephake. Die Moderation übernahm Philipp Erdmann von der Darmstädter Regionalgruppe.

Der Vortrag dauert ungefähr 30 Minuten. Im Anschluss können Sie die gesamte Fragerunde von ca. 20 Minuten anhören. Leider fehlen aufgrund von technischen Schwierigkeiten die ersten 20 Sekunden des Vortrags. Das ist zwar sehr schade, aber schmälert den Vortrag inhaltlich keineswegs. 🙂

Wir bedanken uns bei allen, die teilgenommen und mit ihren Fragen für eine spannende Fragerunde gesorgt haben!

Sollten Sie weitere Fragen zum Vortrag oder dem Projekt haben, können Sie sich hier an uns wenden: https://www.sowadi.de/kontakt/

Credits:
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Einladung zu einem SoWaDi Online-Vortrag

Der Zugang zu sicherem Wasser ist seit 2010 weltweit als Menschenrecht anerkannt. Doch verunreinigtes Wasser stellt in weiten Teilen der Welt nach wie vor ein großes Problem für die Gesundheit der lokalen Bevölkerung dar. Deswegen entwickeln wir SoWaDi.

SoWaDi steht für Solar Water Disinfection: Die im Projekt entwickelten und erforschten Anlagen zur solaren Wasserdesinfektion nutzen Sonnenenergie zur Verbesserung der Wasserqualität. Seit 2010 entwickeln wir zusammen mit lokalen Partnern in ländlichen Gebieten Tansanias technische Lösungen, um die Wassersituation für Familien und an Schulen zu verbessern.

Das Ziel unseres Projekts ist es, dass möglichst viele Menschen Zugang zu keimfreiem Wasser erhalten, denn sauberes Wasser schützt vor Krankheiten wie Typhus und Cholera. Um dies zu erreichen, steht eine Bauanleitung kostenlos zur Verfügung. So kann jede*r die Anlage mit lokal verfügbaren, kostengünstigen Materialien selbst bauen und installieren.

Die Arbeit, die trotz der Corona-Pandemie weitergeht, findet in enger Kooperation mit unserem lokalen Projektpartner Kilimanjaro Childlight Foundation (KCF) statt. In Tansania wurden, zusammen mit örtlichen Schülergruppen und Familien, bereits sechs der Anlagen errichtet. Die Betreuer der Anlage vor Ort erfassen regelmäßig die Daten, die für eine stetige Optimierung der Anlagen gesammelt und ausgewertet werden. So wollen wir mögliche Schwachstellen aufspüren, die Effektivität verbessern und zu einer langfristigen und nachhaltigen Lösung der ländlichen Wasserversorgung beitragen. Im Juli konnte ein Team der KCF die Anlagen besuchen und sicherstellen, dass sie rechtzeitig zum Anfang der Trockenzeit wieder in Betrieb gehen können.

Wenn Ihr genauer wissen möchtet, wie unsere Anlage zur solaren Wasserdesinfektion funktioniert, wie wir die Forschungs- und Entwicklungsarbeit gemeinsam mit der KCF in Tansania trotz Corona weiterführen oder wenn Ihr weitere Fragen habt, dann nehmt an unserer Online-Veranstaltung „SoWaDi stellt sich vor: Sonnenenergie für sauberes Wasser“ am Donnerstag, den 29.10. um 19:00 Uhr teil! Um den Link zur Veranstaltung zu erhalten, schreibt bitte an: regina.berlinger@ingenieure-ohne-grenzen.org.

Ein kleines Update aus Tansania

Hallo zusammen! 

Wir haben wieder ein paar spannende Neuigkeiten aus Tansania, die wir gerne mit euch teilen wollen. Unsere Anlagen TZ03, TZ04, TZ05 und TZ06 stehen mittlerweile ein dreiviertel Jahr in Kidia – es wurde also langsam Zeit für einen Wassertest, um die Qualität des Outputwassers sicher zu stellen. Von den vier Anlagen wurden bisher allerdings nur TZ03 und TZ04 getestet, da die beiden anderen zum Testzeitpunkt abgedeckt waren. Bleibt gespannt, hier werden die Testresultate auf jeden Fall noch folgen.  

Die Ergebnisse für die Anlagen TZ03 und TZ04 stimmen uns auf jeden Fall positiv! Im mit E. coli Bakterien verseuchten Inputwasser konnten nach der Behandlung durch die Anlagen TZ03 und TZ04 keine Bakterien mehr nachgewiesen werden. Dies bestätigte uns das staatliche Labor MUWSA (Moshi Urban Water Supply And Sanitation Authority). Beide Anlagen liefern somit sauberes Wasser für den täglichen Gebrauch. Wir sind begeistert von den Ergebnissen, da diese uns ein weiteres Mal zeigen, dass das SoWaDi-Konzept der Wasserbehandlung funktioniert und die Anlagen auch über einen längeren Zeitraum zuverlässig arbeiten. Die ausführlichen Testergebnisse seht ihr in der Bildergalerie oben. Solltet ihr Fragen hierzu haben, schreibt uns gerne über das Kontaktformular… 😉 

Ansonsten ist zu verkünden, dass sich alle Anlagen in einen guten Zustand befinden! Zwar müssen kleinere Reparaturarbeiten, wie das Wechseln eines Wasserhahns oder des Covers für die Wassercontainer, durchgeführt werden; alles in allem haben die Anlagen die Regenzeit gut überstanden. 

Hier sieht man den Outputverlauf von TZ04. Die blauen Balken stellen den jeweiligen Tagesoutput dar, der durchschnittliche Output liegt bei 6 Litern pro Tag.

Aktuell sind die Outputs der Anlagen vergleichsweise gering (ein Verlauf des Outputs von TZ04 befindet sich oben in der Bildergalerie). Dies wird sich hoffentlich ändern, wenn sich in ein paar Wochen die Wolken der Sonne weichen.  

Bleibt gesund und munter!