Langersehntes Präsenztreffen der Projektgruppe

Hallo zusammen, 

nach nun mehr als drei Monaten, seit die Projekttreffen auf virtuelle Weise umgestellt wurden, hat am  Freitag den 17.07 wieder ein langersehntes Treffen stattgefunden. Alle SoWaDi-Mitglieder die Lust und Zeit hatten, verbrachten einen sehr schönen Abend auf dem Gelände der Anlage. Das Treffen war von den eigentlichen Projekttreffen entkoppelt und sollte vor allem dazu dienen, das Gruppengefühl und die Gruppenzugehörigkeit zu stärken.  

Steffen erklärt der Gruppe ihre Fortschritte innerhalb des ADP.

Auch mit dabei waren Steffen und Alex, die zusammen mit Sara, Leon und einem weiteren Maschinenbaustudenten der TU-Darmstadt unsere Anlage zum Mittelpunkt ihres ADP (Advanced Design Projekt) gemacht haben. Das vergangene Semester haben sie sich intensiv mit der Fragestellung auseinandergesetzt, welche Langzeitdaten zur Erhebung sinnvoll sind und wie man die Messtechnik optimieren kann. Ihre bisherigen Arbeitsfortschritte und Erkenntnisse haben sie am Freitag mit der gesamten Gruppe geteilt. Diese hatte bisher lediglich oberflächliche Eindrücke von den Resultaten, umso spannender war es den Messaufbau erklärt und Fragen direkt von den Profis beantwortet zu kriegen. Die fünf haben in den letzten Monate ganze Arbeit geleistet! Zu den Details ihrer Arbeit ist ein eigener Blogeintrag schon in Planung.

Gruppenfoto mit allen Picknick-Teilnehmern.

Das Zusammenkommen war sehr unbeschwert, bis in die Abendstunden wurde das gemeinsame Picknick verköstigt und sich über Allerlei ausgetauscht. Jedoch haben auch wir bei aller Freude des Wiedersehens stets auf Mundschutz und Sicherheitsabstände wertgelegt. Auch wenn die Situation in Deutschland Präsenztreffen erneut zulässt, haben wir uns erstmal dazu entschieden weiterhin auf virtuellem Wege miteinander zu arbeiten. Bisher haben die regelmäßigen Treffen auch so gut funktioniert und jede Kompetenzgruppe arbeitet weiterhin fleißig an ihren selbstgewählten Arbeitspaketen.  

Wir hoffen zwar bald wieder erneut in Präsenz zusammenzukommen, erkennen aber die Dringlichkeit weiterhin Ansammlungen zu vermeiden, um uns und unsere Liebsten bestmöglich zu schützen! 

Bleibt gesund und freut euch auf ein baldiges Update des ADP-Teams!  

Neuigkeiten aus Tansania

Hallo zusammen! 

In den letzten Wochen haben uns immer wieder Neuigkeiten über unsere Anlagen aus Tansania erreicht und so nutzen wir mal die Gelegenheit im folgenden Blogeintrag diese Neuigkeiten mit allen Interessenten zu teilen. 

Besichtigung der Anlage TZ01 am Malage VTC.

Die Kilimanjaro Childlight Foundation ist mit einer Kleingruppe ans Malage VTC und nach Kidia gefahren, um die insgesamt sechs Anlagen zu besichtigen und sich mit den Nutzern auszutauschen. Dabei stellte sich heraus, dass momentan lediglich drei der sechs erbauten Anlagen in Betrieb sind. Aufgrund der COVID-19-Pandemie und den resultierenden Schulschließungen, sind die Anlagen der Kidia Primary bzw Secondary School weiterhin nicht  in Betrieb, dies soll sich jedoch mit baldiger Schulöffnung wieder ändern. 

KCF-Team und Betreuer der Anlage TZ01.
Besuch der Anlage TZ02 am Malage VTC.

Außerdem ist das Wetter in Tansania momentan noch sehr bewölkt, da erst seit kurzem die Regenzeit vorbei ist. Daher konnte die Entnahme der geplanten Wasserproben nicht stattfinden, da die Anlagen bei schlechtem Wetter leider keinen Output liefern. Aus demselben Grund ist eine weitere  Anlage noch abgedeckt, diese soll aber wieder aktiv werden, sobald das Wetter es ermöglicht. 

Am Malage VTC laufen die Anlagen wie geplant, was uns sehr freut! 

Diese Mitarbeiter der Kilimanjaro Childlight Foundation haben unsere Anlagen besucht.
TZ04 in Kidia.
 
KCF-Team und Betreuer der Anlage TZ04 in Kidia.

Wir hoffen, dass es allen SoWaDi-Mitwirkenden den Umständen entsprechend gut geht und sind gespannt auf weitere Rückmeldung aus Tansania, sobald die Anlagen wieder in Betrieb sind. 

Bleibt gesund!! 

Trotz Lockdown: Es geht weiter

Hallo zusammen! 

Unsere Ausreisenden sind mittlerweile schon wieder über einen Monat in Deutschland. In dieser Zeit ist viel passiert und wir möchten euch mit diesem Blogeintrag ein kleines Update über unsere aktuelle Arbeit sowie der Situation in Tansania und in Darmstadt geben. 

Unsere aktuelle Arbeit:

Wiederinbetriebnahme unserer ersten Testanlage auf der Lichtwiese in Darmstadt

Sofort nach der Rückkehr von Rebecca, Jonas und Julius aus Tansania, ging es mit der Nachbereitung der Ausreise los. Diese umfasst neben der Sichtung von Bildern, Notizen und Co auch die ständige Kommunikation mit unserem Projektpartner, der Kilimanjaro Childlight Foundation (KCF), und den Nutzer*innen der Anlagen. Außerdem werden die Kosten der einzelnen Anlagen abgeschätzt und die Interviews mit den Leuten vorort ausgewertet. 

Für Feedback und die Aufnahme der wöchentlich gesendeten Messdaten haben wir eine  

Betreuungsgruppe gegründet, die den Kontakt nach Tansania aufrechterhält. Die so gesammelten Messdaten umfassen neben dem täglichen Wasseroutput der 6 Anlagen auch Informationen über das Wetter. Diese Wetterdaten können in Zukunft mit den Daten einer Online-Datenbank abgeglichen werden und ermöglichen eine detailliertere Analyse der Outputdaten. 

Während der Ausreise wurden außerdem kleinere Konstruktionsänderungen an der Anlage vorgenommen, die nun in der Themengruppe für Performance-Fragen diskutiert und durch die Anleitungsgruppe in die Aufbauanleitung aufgenommen werden. Unser Ziel ist es, größere konstruktive Änderungen beim geplanten Aufbau der zweiten Testanlage hier in Darmstadt aufzunehmen. 

Ein besonderer Fokus liegt im Moment auf der Messtechnik. Im Rahmen eines Advanced Design Projects (ADP) wird von 5 Studierenden an einer robusten, günstigen und einfach zu implementierenden Messelektronik gearbeitet, die bei unserer zweiten Testanlage im Sommer schon verbaut werden soll. Gleichzeitig sollen Größen zur Charakterisierung der Performance der Anlage bestimmt werden. Das hierfür ausgeschriebene ADP wird vom Institut für Technische Thermodynamik an der TU Darmstadt betreut. 

Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf unsere Arbeit:

Natürlich hat die COVID-19-Pandemie große Auswirkungen auf unsere Arbeit. Wir möchten euch in diesem Blogeintrag einen kurzen Einblick über die Situation in Tansania geben. Hierfür haben wir von Ichikael, unserer Ansprechpartnerin bei der KCF, und Gasiano, dem Schulleiter des Malage Vocational Training Center, wo das Ausreiseteam dieses Jahr die zwei Anlagen von 2017 wieder in Betrieb genommen hat, Einblicke in das aktuelle Leben in Tansania erhalten, die wir euch hier kurz präsentieren wollen. 

Ichikael (Kommunikation vom 01.04.): 

An der abgedeckten Anlage TZ01 am Malage VTC wird das Wasser abgelassen.

Ichikael hat einen Sohn und kümmert sich auch um ihren Neffen. Beide müssen grade zu Hause bleiben, da die Schulen in Tansania geschlossen sind. Sie übernimmt die Arbeit der Lehrkräfte – leider wollen die beiden Kleinen trotz allen Einsatzes wieder zur Schule. Aktuell stellt sich die Frage, ob auch die Prüfungen zu Hause geschrieben werden sollen. Andere Einrichtungen wie Märkte und Kirchen sind weiterhin geöffnet, Massen-veranstaltungen wurden allerdings abgesagt. Problematisch seien vor allem Menschen, die die Situation nicht ernst nehmen. Viele schränken ihr öffentliches Leben nicht besonders ein, hygienische Schutzmaßnahmen, wie Händewaschen, werden häufig nicht getroffen. Zwar sind in Tansania vergleichsweise wenig Menschen in Quarantäne, trotzdem ist die Anspannung bemerkbar. Die Infektionszahlen aus Europa werden mit großer Sorge verfolgt. 

Wir sind sehr froh, dass es allen Nutzern und Mitwirkenden in Tansania den Umständen entsprechend gut geht. Zwar ist das öffentliche Leben zum Teil eingeschränkt, doch nur so kann die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden. Der ständige Kontakt mit den Nutzern vor Ort ist in diesen Zeiten besonders wichtig! 

Auch die Anlage TZ03 an der Kidia Primary School ist abgedeckt.

Gasiano (Kommunikation vom 25.03.) :

Gasiano beschreibt die aktuelle Situation als schwierig. Schade sei es, dass seine Berufsschule für Schüler geschlossen ist; gleichzeitig sieht er die Lage wegen der noch geringen Infektionszahlen positiv. Die Lehrer an seiner Schule gehen weiterhin ihren Aufgaben, wie Instandhaltung der Schule oder dem Bewirtschaften der schulischen Gärten nach. Die Schulschließungen der Regierung werden voraussichtlich bis zum 17.04. andauern und streng überwacht. Bei der verbotenen Öffnung einer Schule riskiert der Schulleiter eine dauerhafte Schließung der Institution. 

Gasiano hat fünf Kinder. Seine Tochter studiert in Xi’an, China und kam wegen COVID-19 bereits im Februar zurück nach Tansania. Die Familie ist froh, dass sie zuhause ist und alle gesund sind. Über verschiedene Nachrichtenkanäle wird sich über die Situation in anderen Ländern informiert. Besonders die Lage in Italien wird mit großen Sorgen verfolgt. 

Da unsere Anlagen teilweise auf Schulgrundstücken stehen, wurden einige von ihnen in den Standby-Modus versetzt. Der Absorberkasten wird hierfür mit einer lichtundurchlässigen Folie abgedeckt, sodass sich keine Bauteile durch die Sonne aufheizen. Im Moment befinden sich drei der Anlagen in diesem Zustand. Die restlichen Anlagen werden weiterhin benutzt und es werden wöchentlich Messdaten an die Betreuungsgruppe geschickt. 

Natürlich hat sich auch die Arbeitsweise innerhalb der Projektgruppe in den letzten Wochen angepasst. Da alle im Homeoffice arbeiten, mussten Alternativen für Besprechungen und Projektgruppentreffen gefunden werden. Für unsere Treffen jeden zweiten Dienstag benutzen wir ein Programm für Sprachkonferenzen. Es wird viel über Social Media kommuniziert und Vorträge können über eine spezielle Webseite präsentiert werden. Trotz aller technischen Helferlein freuen wir uns auch wieder auf gemeinsame Stunden im Hochschulgruppenhaus! 

Bleibt gesund und bis dann! 

Kukaa na afya na mpaka wakati huo! 

Hinter den Kulissen – Ein Bericht aus dem Backoffice

Auch während der Ausreise hat die Projektgruppe in Deutschland nicht aufgehört, sich regelmäßig zu treffen. Neben Backofficeaufgaben haben wir auch mit der Projektarbeit weitergemacht.
Das bin ich, Sara Konrad.

Hallo, ich bin Sara Konrad. Zum Abschluss der diesjährigen Ausreise erzähle ich aus der anderen Perspektive: Aus dem Backoffice. Dieses hat die Ausreisenden aus der Ferne tatkräftig unterstützt, aber auch den normalen Projektbetrieb in Darmstadt aufrechterhalten. 

Ich bin 25 Jahre alt und studiere im Master Maschinenbau und Energy Science and Engineering. Bereits seit 2015 bin ich bei Ingenieure ohne Grenzen in Darmstadt tätig, bei SoWaDi habe ich jedoch erst zwei Jahre später angefangen. 

Lange Zeit habe ich mich ausschließlich mit der Organisationsarbeit der gesamten Regionalgruppe beschäftigt, habe Newsletter geschrieben, Teambuilding-Events organisiert und die Arbeitsmedien der Regionalgruppe koordiniert. Mir war es persönlich wichtig, mich in der Entwicklungszusammenarbeit einzusetzen. Nach zwei Jahren, in denen ich mich rein in der Organisationsarbeit betätigt habe, wollte ich jedoch in ein Projekt einsteigen und habe mich für SoWaDi entschieden. Gerade im Projekt SoWaDi ist es gut möglich, vielen Menschen durch die Verbesserung der Wasserversorgung eine bessere Lebenssituation zu ermöglichen.   Hier hatte ich von Beginn an den Eindruck mein Wissen aus dem Studium am besten einsetzen zu können.

Am Anfang meiner Projektarbeit war das Ausreiseteam von 2017 bereits seit ein paar Monaten zurück aus Tansania und die Phase der Nachbereitung war in vollem Gange, sodass sich aus der Ausreise ergebende Anlagenveränderungen angegangen wurden. Die Ausreise hatte gezeigt, dass die Anlage an einigen Punkten optimiert werden konnte, um zu einer höheren Effizienz  und Robustheit beizutragen und die Verbreitung zu vereinfachen. Meine Aufgabe war es, mich mit den in Tansania aufgetretenen Glasbrüchen zu beschäftigen. Eins der Ergebnisse war, dass man die hochbeanspruchte untere Glasscheibe in mehrere kleine Glasscheiben unterteilt. 

Neben technischen Herausforderungen von SoWaDi war es uns lange Zeit nicht möglich einen Standort für eine Testanlage in Deutschland zu finden, der es uns erlaubt hätte die Anlage länger als sechs Wochen in Betrieb zu haben. Deswegen war ich ausgesprochen froh, dass wir  Anfang 2019 endlich fündig wurden und wir ein paar Monate später an der TU Darmstadt eine Anlage aufbauen konnten, die dort für mindestens 3 Jahre stehen bleibt. So ist es uns möglich Änderungen gleich in der Praxis zu testen und Langzeitdaten zu sammeln.  

Neben den Fähigkeiten, die ich durch die inhaltliche Ingenieursarbeit erworben habe, habe ich enorm viel über das gemeinsame und effiziente Arbeiten in großen Gruppen gelernt. Seit Oktober 2018 bin ich deswegen auch Ansprechpartnerin von SoWaDi geworden und habe seitdem enorm viel über erfolgreiche Gruppenführung und -organisation gelernt und konnte die bereits erworbenen Fähigkeiten aus meiner IOG-Anfangszeit gezielt einsetzen. 

Außerdem bin ich durch diese Arbeit viel sensibilisierter, wenn es um interkulturelle Kommunikation und Entwicklungszusammenarbeit geht. Auch der Besuch von einigen Seminaren zur Weiterbildung von Ingenieure ohne Grenzen hat dazu beigetragen. Durch diese Arbeit habe ich einen ganz anderen Blickwinkel auf Themen wie Alltagsdiskriminierung und Rassismus bekommen. 

Während das Ausreiseteam in Tansania tätig war, war es meine Aufgabe sie so gut es geht zu unterstützen und Aufgaben abzuleiten, die das Backoffice für sie übernehmen kann. So konnten sie sich vor Ort voll und ganz auf ihre Aufgaben konzentrieren, dabei wusste ich stets was für sie gerade ansteht und war an den wichtigen Entscheidungen beteiligt. 

Die Tätigkeiten unseres Backoffice-Team waren vor allem organisatorischer Natur: Wir haben die Blogeinträge und Spendenberichte geschrieben, Fragen seitens des Ausreiseteams beantwortet und dabei die langfristige Ausrichtung des Projekts vorangetrieben. 

Alle sechs SoWaDi-Anlagen haben eine eindeutige Seriennummer. Natürlich darf dann ein Typenschild nicht fehlen. 
Von den Nutzern der Anlagen bekommen wir regelmäßig Daten über die Anlagen geschickt. Dadurch können wir mit der Zeit erkennen, wie sich die Leistungsfähigkeit verändert.

Außerdem hatten wir während der Ausreise genug Zeit, um die Kommunikation zwischen uns als SoWaDi-Team in Darmstadt und den Nutzern der Anlagen einzuspielen. Das Schöne daran war, zu sehen, dass nicht nur wir Input an die Menschen vor Ort geben konnten, sondern auch von den engagierten Nutzern Verbesserungsvorschläge zu unserer Arbeit kamen, wodurch wir mit den meisten Nutzern mittlerweile schon ein eingespieltes Team sind. Das war ein sehr wichtiges Zeichen, das den guten Verlauf der Ausreise widerspiegelt und hoffentlich beispielhaft dafür ist, wie es läuft, wenn die Ausreisenden wieder zurück in Darmstadt sind. 

Besonders freut mich auch, dass es mit dem Projekt auch in Deutschland gleich weitergeht. Die Testphase geht auch hier in Deutschland in die nächste Runde: In Zusammenarbeit mit dem Institut für Technische Thermodynamik der TU Darmstadt wollen wir unser Messtechnikkonzept noch weiter optimieren, um die Effizienz der Anlage zu steigern. Neben der Anlage, die bereits hier in Darmstadt steht, soll sich zum Sommeranfang ein Zwilling gesellen. Die Idee ist, dass wir Verbesserungen, die wir an der Zwillingsanlage vornehmen werden, nicht nur noch schneller umsetzen, sondern vor allem auch direkt im Vergleich zur Standardanlage bewerten können. 

In der vergangenen Woche hat das Ausreiseteam wichtige Besprechungen mit dem Projektpartner gehabt, die vor Ort direkt mit den Zuständigen geführt werden mussten. Diese Besprechungen waren enorm wichtig, damit die Kilimanjaro Childlight Foundation in Zukunft die Schnittstelle zwischen uns und den Nutzern sein kann, sollte es zu jeglichen Problemen mit den Anlagen oder der Kommunikation untereinander kommen. 

Am Mittwoch 04.03.2020 haben dann auch Jonas, Julius und Rebecca schweren Herzens die Heimreise angetreten und sind Donnerstagmorgen wohlbehalten in Deutschland gelandet. 

Jetzt nach der Ausreise steht zu allererst die Nachbereitung an, damit kein wertvolles Wissen verloren geht.  Es wurde eine Vielzahl von spannenden Gesprächen zum Thema Verbreitung der Anlage geführt und wir müssen die Daten, die wir konstant von den Nutzern erhalten, kontinuierlich aufbereiten. 

Wenn die unmittelbare Nachbereitung abgeschlossen ist, wird die größte Herausforderung im Team sein, die weiteren wesentlichen Projektaufgaben auszukristallisieren und uns auf die neu gesetzten Ziele zu fokussieren. Dazu gehören sicherlich unter Anderem technische Herausforderungen, die beim Aufbau der sechs Anlagen aufgefallen sind, von denen das Ausreise-Team in den nächsten Wochen detailliert berichten wird. 

Insgesamt bin ich überaus froh, dass die Ausreise trotz kleiner Herausforderungen gut gelaufen ist. Wir können wirklich zufrieden und stolz sein, die lange Vorbereitung hat sich gelohnt. Es wurde außerordentlich viel geschafft, nicht nur vom Ausreiseteam und von uns im Backoffice, sondern auch von den Menschen vor Ort, die wir größtenteils vor der Ausreise nicht einmal kannten. Dass beim Zusammenarbeiten vor Ort das Feedback stets positiv war, war eine willkommene Belohnung für die letzten Monate intensiver Vorbereitung. 

Wir merken wie wichtig es ist weiter an unserem Projekt zu arbeiten. Nicht nur weil wir selbst fasziniert davon sind, sondern auch weil die Menschen vor Ort die Notwendigkeit der Anlagen und ihre Vorteile gegenüber bereits existierenden Methoden der Wasseraufbereitung sehen. Die Problematik der Wassersituation ist und bleibt weiterhin aktuell in vielen Regionen dieser Welt und für all diese Menschen lohnt es sich die Anlage weiter zu überarbeiten und Verbreitungsstrategien zu optimieren, damit möglichst viele Menschen davon profitieren können. 

Optimal vorbereitet für die Testphase

Ein gemeinsames Treffen: Ich freue mich zusammen mit den anderen Projektbeteiligten über den erfolgreichen Abschluss der vergangenen Wochen.
Das bin ich, Samwel Masaga.

Hallo, mein Name ist Samwel Emmanuel Masaga und dieses Mal werde ich euch vom aktuellen Stand des SoWaDi Projekts und meiner Rolle darin berichten. Zunächst zu meiner Person: Ich bin 25 Jahre alt, lebe in Moshi, habe Wildlife Management an der Sokoine University of Agriculture studiert und arbeite als Project Manager bei der KCF (Kilimanjaro Childlight Foundation). In dieser Funktion arbeite ich erst seit Februar am Projekt mit und hatte großen Respekt davor in das Thema einzusteigen. Jedoch wurde mir der Einstieg durch die Hilfe von Rebecca, Jonas, Julius und Edgar sehr leicht gemacht, weswegen ich mich jetzt im Projekt gut aufgehoben fühle. Mich reizt, dass ich ständig die Chance habe etwas Neues zu lernen, neue, intensive Begegnungen mit unterschiedlichen Communities zu haben und so meinen Horizont zu erweitern.  Vor allem aber finde ich es bemerkenswert, dass das Projekt zum Ziel hat, die Wassersituation in unseren Communities zu verbessern. 

In der Secondary School hält Rebecca unseren Workshop zum Thema Wasser und Hygiene. Die Schulkinder erarbeiten sich die unterschiedlichen Übertragungswege von Krankheiten.

Als ich klein war, kochten wir das Wasser zwar manchmal auf einem Feuer ab, doch das war immer mit viel Arbeit verbunden. Vorher muss Feuerholz gesammelt und nach Hause gebracht werden. Das ist bisweilen mit weiten Wegen verbunden und nach dem Arbeitstag waren meine Eltern meist zu müde dafür. Es aus der Leitung zu trinken ist da deutlich komfortabler. Hier in der Region ist es jedoch meistens mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Ich bin davon überzeugt, dass SoWaDi hier einen großen Unterschied machen kann.

Nachdem auch die letzte SoWaDi Anlage aufgebaut ist, werden Informationsflyer und anderes Material überreicht. In Zukunft können so interessierte Besucher der Familie mehr über die Anlage erfahren.

Als ich noch nicht so lange dem Projekt zugeteilt war, hatte ich die Chance, zusammen mit Jonas und Rebecca die Fertigstellung der ersten Anlage in Kidia, dem zweiten Standort, zu beobachten. Es hat mich sehr beeindruckt, zu sehen, wie das heiße Wasser und etwas Dampf die Anlage verlässt. Wasser mit der Sonne zu behandeln ist eine eher unbekannte Technologie und vielen, auch mir, fällt es nicht einfach, direkt zu begreifen, was genau passiert. Nachdem ich die Anlage das erste Mal in Aktion gesehen habe, hatte ich keine Zweifel, dass das Wasser tatsächlich abgekocht wird.  

Damit auch ihr euch einen Eindruck von der vergangenen Woche und meiner Arbeit bei SoWaDi verschaffen könnt, möchte ich euch nun etwas davon erzählen: 

 
Ichikael und Rebecca treffen Herrn Machunda vom African Institute of Science and Technology. Er ist Experte im Bereich Materialwissenschaften.

Anfang der Woche hat das Aufbauteam gemeinsam mit Jonas, Julius und Rebecca die sechste und letzte Anlage dieser Ausreise fertig gebaut. Julius und Rebecca haben einen Workshop zum Thema Wasser und Hygiene an der Secondary School in Kidia gehalten. In den knapp zwei Stunden kamen interessante Fragen der ca. 60 Schüler zu verschiedenen Aspekten von Wasser und insbesondere zu dessen Aufbereitung auf.

Später in der Woche ging es für Jonas und Julius weiter zum Malage VTC. Dort haben sie letzte offene Punkte bearbeitet und erneut Wasserproben der ersten beiden Anlagen genommen, um sicherzustellen, dass sie weiterhin sicheres Wasser liefern. Rebecca ist währenddessen zusammen mit Ichikael nach Arusha gefahren, um sich dort mit Dr. Hilonga von der Firma Nanofilter und Dr. Machunda vom Nelson Mandela African institute of Science and Technology zu treffen. Es wurden primär Themen zur möglichen zukünftigen Verbreitung der Anlage besprochen, aber auch Kontakte geknüpft, um weiter voneinander zu profitieren und Wissen auszutauschen. 

Der Laborchef der lokalen Wasserbehörde erklärt uns, worauf es bei der Entnahme von Wasserproben ankommt. Anschließend üben wir das Probennehmen.

Freitag habe ich dann gemeinsam mit meinen KCF-Kolleginnen Samier und Ichikael, sowie mit Rebecca gelernt, wie man Wasserproben nimmt. Dabei wurden wir von unserer Ansprechperson bei MUWSA, der lokalen Wasserbehörde in Moshi, fachmännisch geschult.  

Das Kidia-Aufbauteam präsentiert stolz, was wir gemeinsam geschafft haben.

Die Funktionalität der Anlage soll während der Testphase in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Dazu ist es notwendig, dass Wasserproben des unbehandelten Inputwassers und des sicheren Outputwassers in ein Labor gebracht und dort untersucht werden. Meine Kollegen und ich übernehmen die Aufgabe, die Proben den Anlagen zu entnehmen und dem Labor zu übergeben. Hierbei müssen wir besonders beachten, dass Fehler beim Probennehmen zu falschen Ergebnissen führen können. Das alles und viel mehr konnte ich bei der Schulung lernen. Ich freue mich, durch dieses neu erlangte Wissen die Testphase aktiv mitgestalten zu können.

Julius und Mr. Abed bei einer der ersten Anlagen in Tansania. Am Malage VTC gehen der Ausgereiste und der Lehrer gemeinsam offene Punkte an.
Beim Treffen am Sonntag entsteht ein reger Austausch über die Erfahrungen mit SoWaDi Anlagen.

Zum Abschluss dieser erfolgreichen Woche sind wir dann Sonntag alle gemeinam zur Secondary School in Kidia gefahren, um hier ein “get together” mit allen Nutzern aller Anlagen durchzuführen. Ziel dabei war es, dass sich alle gegenseitig kennenlernen und zukünftig bei Bedarf gegenseitig unterstützen können. Hierbei spiele auch ich als Kontaktperson der KCF eine wichtige Rolle, besonders wenn Jonas, Julius und Rebecca zurück in Deutschland sind. Wir haben die Gelegenheit genutzt, die dortige Anlage gemeinsam zu besichtigen, wobei ein reger Austausch zu den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der jeweiligen Anlagen zustande kam.

 
Anschließend wird die Anlage an der Kidia Secondary School besichtigt und es werden Unterschiede zwischen den Anlagen besprochen.

Bisher haben wir gemeinsam sechs Anlagen an drei verschiedenen Standorten hier in der Kilimanjaro-Region in Tansania errichtet und können damit bereits einigen Personen zu einer besseren Möglichkeit verhelfen, an sicheres Wasser zu kommen. Das ist es auch, was ich mir wirklich wünsche: Dass dieses Projekt nicht nur in ein paar Ecken stattfindet, sondern groß wird. Die Anlage soll sich weiter verbreiten, nicht nur an ein, zwei Orten, sondern in ganz Tansania und darüber hinaus. Ich bin mir sicher, dass es an vielen Orten in Tansania Bedarf  für SoWaDi-Anlagen gibt, die einfach zu betreiben und zu warten sind. Vor allem sind sie eine alternative Möglichkeit, um an keimfreies Wasser zu gelangen ohne zeitaufwändiges Holzsammeln und ohne mühsame Holzfeuer. Ich denke, dass aktuell insbesondere kleinere Schulen und Waisenhäuser enorm von dieser Technologie profitieren können, da die tägliche Outputmenge der Anlage für größere Einrichtungen noch zu wenig ist. Weil es mir sehr leicht fiel, die Anlage zu verstehen und mich in das Projekt einzuarbeiten, bin ich mir sicher, dass sich stets Menschen finden, die ebenfalls von SoWaDi begeistert sind. Diese Menschen werden dann bereit sein, die Aufgabe des Betriebs und der Wartung zu übernehmen und so zu einer Verbesserung der Lebenssituation in ihrem Umfeld beizutragen.

Gemeinsam- Zwei Projekte, eine Region

Am Montag habe ich mit den Lehrerinnen und Lehrern der Kidia Primary School besprochen, was für den reibungslosen Betrieb der Anlage wichtig ist.
Das bin ich, Julius Breuer.

Hallo, ich bin Julius Breuer, 26 Jahre alt und wohne seit 6 Jahren in Darmstadt. Dort studiere ich an der TU Darmstadt im Master Maschinenbau und Computational Engineering. Ich bin eher zufällig über ein Projekt der Uni bei „Ingenieuren ohne Grenzen“ gelandet und bin dort mit Begeisterung in das Projekt SoWaDi eingestiegen: Anders als im Studium konnte ich mich hier ganz praxisnah mit technischen Fragestellungen befassen. Diese Begeisterung habe ich hier mit vielen anderen teilen können. Gemeinsam haben wir gelernt, an aufkommende Probleme heranzutreten. Dabei haben sich auch Freundschaften entwickelt, die ich heute nicht mehr missen will. 

An der Maki Secondary School vermessen ein Lehrer und ich das Gefälle auf dem Schulgelände. Hierfür verwenden wir eine Schlauchwaage.

Anfangs übernahm ich bei SoWaDi das Auswerten von Messdaten. Um die Auswertung weiter zu verbessern, entschlossen wir uns, eine Testanlage mit Messgeräten zu errichten. So möchten wir lernen, wie wir die Anlage weiter optimieren können. Sie steht heute an der Lichtwiese in Darmstadt. Da hier nicht die gleichen Bedingungen herrschen wie dort, wo die Anlagen zukünftig ihren Zweck erfüllen, ist dies auch ein wesentliches Ziel unserer aktuellen Ausreise: Wir möchten vor Ort weitere Anlagen zur solaren Wasserdesinfektion mit Messgeräten zur Datenerfassung ausstatten, um so eine Grundlage zu schaffen, auf der wir zukünftig aufbauen können.

Das Fundament für die Anlage an der Kidia Secondary School wird ausgerichtet.

Bei der Planung unserer Ausreise offenbarte sich ein Problem: Leider ist es uns nicht gelungen, die Erfahrungen, die während der Ausreise 2017 gemacht wurden, sinnvoll zu nutzen und auf ihnen aufzubauen. Mit der Fluktuation der damals Beteiligten ging auch viel Wissen verloren. Daher entwickeln wir verschiedene Strategien zum Wissensmanagement. Eines der Tools, die wir dabei einsetzen, ist eine Art Projekt-Wiki. Doch auch der persönliche Kontakt darf bei der Weitergabe von Wissen nicht unterschätzt werden. So war es auch unser Glück, dass Kasimir uns vor der Ausreise ausführlich über seine Erfahrungen, das Land und die Kultur berichtet hat und Rede und Antwort auf unsere Fragen stand. Letztlich wuchs so auch die Vorfreude in uns auf eine Reise, die neue Erfahrungen, Eindrücke und Perspektiven mit sich bringt. 

Zum Biegen der Bleche verwenden die Aufbauenden ein selbstgebautes Werkzeug.

Wir befinden uns am Ende unserer Reise. Wenn wir an unseren Zielen festhalten wollen, darf es keine Probleme geben, die uns Zeit kosten, denn es bleiben nur noch 10 Tage. Wir haben den Bau zwar fast abgeschlossen, aber wir möchten noch die verschiedenen Anlagenbetreuer*innen miteinander in Verbindung bringen, damit sie sich gegenseitig unterstützen können und ein Netzwerk entwickeln, das die Wartung der Anlagen vor Ort absichert. Auch den Kontakt von Deutschland aus wollen wir festigen und so zum langfristigen Erhalt des Projektes beitragen. In dieser Hinsicht verlief die Woche sehr erfolgreich. Wie zuletzt die anderen möchte ich euch im Folgenden von unserer vergangenen Woche berichten.

Gleich am Montag konnten wir die Woche erfolgreich mit einem Nutzertraining für die vierte Anlage starten. 

Gemeinsam biegen Schüler, Lehrer, unser Aufbauteam und Jonas das Kupferrohr für die fünfte Anlage.

Am Dienstag haben Sam von der KCF und ich uns auf den Weg nach Rombo gemacht, während Edgar seinen letzten vollen Tag in Moshi genießen konnte, bevor er am Mittwoch nach Deutschland abflog. In der Region Rombo haben Sam und ich das Mamtukuna Folk Development College besucht, welches ein zukünftiger Projektpartner werden könnte, denn bei ihnen sind alle relevanten Aspekte für den Bau der Anlage gegeben. Allerdings wird dort momentan viel umgebaut, weshalb der Standort für die aktuelle Ausreise noch nicht zur Verfügung stand. Im Anschluss habe ich mich in Mashati mit einer Kontaktperson eines Projektes der Regionalgruppe (RG) Köln getroffen. Das Projekt der RG Köln hatten wir im Vorfeld bei einem vereinsweiten Erfahrungsaustausch  zum Thema „Wasser, Sanitär und Hygiene“ kennengelernt und festgestellt, dass wir in derselben Projektregion aktiv sind. Ihr Projekt ist der Aufbau einer großen Regenwasserzisterne an einer Schule. So soll die Wassersituation der Maki Secondary school verbessert werden. Auch der RG Köln fehlten wichtige Daten. Deshalb haben wir einen Steinelieferanten befragt, ein Referenzprojekt besucht und das Gelände für die neue Anlage hinsichtlich Gebäudehöhen und Gefälle vermessen. Von der Zusammenarbeit in der Region profitieren auch wir: Über sie haben wir unsere Partnerorganisation KCF gefunden und können gegenseitig kleinere Aufgaben vor den Ausreisen übernehmen.

Schritt für Schritt wird der Absorber fertig gestellt. 

Am Donnerstag fuhr ich wieder zurück nach Kidia, wo Rebecca, Jonas und ich mit dem Aufbauteam an der Errichtung der vorletzten Anlage arbeiteten. Sie haben schon seit Montag daran gearbeitet und dabei erstmals in dieser Ausreise die Bleche für den Absorber selbst gebogen. Dies funktionierte mit Hilfe einer nach der Bedienungsanleitung selbst gebauten Blechbiegevorrichtung sehr gut. Doch zum Verschnaufen blieb keine Zeit und so haben wir nach Fertigstellung der fünften Anlage gleich alle nötigen Materialien zum sechsten Standort gebracht, um dort am Montag mit dem Bau der letzten Anlage für diese Ausreise zu beginnen. 

 
Bei einem Event am Sonntag erkläre ich Interessierten aus der Gemeinde unsere Anlage.

Die Woche endete am Sonntag in Kidia in der Kirche. Dort wurden wir zum Gottesdienst eingeladen und konnten im Anschluss der Kirchengemeinde unser Projekt präsentieren. Dabei sprachen wir vor allem über die Relevanz sicheren Wassers. Anschließend konnten wir die Einladung erwidern und die Anwesenden einladen, im Anschluss eine der Anlagen zu besichtigen und bei dieser Gelegenheit weitere Fragen zu stellen.

 
Währenddessen stellen Jonas und Rebecca unser Projekt in der Kirche von Kidia vor.

Auf die Woche rückblickend frage mich immer mehr: Wie können wir sicherstellen, dass die neu errichteten Anlagen zur solaren Wasserdesinfektion möglichst lange funktionieren, dass das Wissen über deren Bau, Nutzung und Wartung hält und weiterverbreitet wird? Die Nachhaltigkeit unserer Arbeit ist mir ein besonderes Anliegen und die gemachten Erfahrungen lassen mich kritischer über Entwicklungszusammenarbeit reflektieren als früher. Auch mein eigenes Handeln muss ich stets kritisch im Blick haben. Die Zusammenarbeit ist oft nicht so einfach, wie man denkt und man muss viel improvisieren, um gemeinsame Ziele erreichen zu können. Vor unserer Ausreise hatte ich etwa nicht erwartet, dass die Sprache eine so große Barriere darstellen könnte, wie sie es tatsächlich tut, da hier viele unserer Projektpartnerinnen und Projektpartner kaum Englisch sprechen und ich nicht Swahili spreche.  

Ich bin neugierig auf die nächsten Tage und warte gespannt auf die Testphase der sechs errichteten Anlagen. Viele Grüße aus Kidia, euer Julius. 

Reife Leistung, Kollegen

Geschafft: TZ04 ist fertig montiert, ich freue mich mit dem Team.
Das bin ich, Stephen Makyara.

Hallo, mein Name ist Stephen Makyara, ich bin 32 Jahre alt und lebe mit meiner Familie in Kidia, nahe Moshi. Ende des Jahres 2019 habe ich von Ichikael Malisa von dem Projekt erfahren, denn sie war auf der Suche nach Freiwilligen, die helfen, zwei SoWaDi-Anlagen in Kidia zu bauen. Ich finde es besonders wichtig, dass alle Kinder der Kidia Primary School von den Anlagen profitieren sollen, zu denen auch mein Sohn gehört. Ich hatte großes Interesse, bei dem Aufbau der Anlagen mitzuhelfen, um mehr über die Funktion, die Konstruktion und wichtige Faktoren beim Aufbau einer Solarthermischen Wasserdesinfektionsanlage zu erfahren. Die letzten zwei Wochen war ich daher beim Aufbau der ersten zwei Anlagen in Kidia dabei. Beim Aufbau sind wir auf mehrere Probleme gestoßen. Die Wassercontainer waren zunächst undicht und der Kleber, den wir benutzt haben, hat zunächst nicht gut gehalten. Wir konnten das Problem aber zum Glück Anfang der Woche lösen. Das 10 Meter lange Kupferrohr muss mehrmals gebogen werden. Um Zeit zu sparen haben wir zunächst versucht, ein Biegewerkzeug zu kaufen, konnten aber keins finden.  Anfangs war ich skeptisch, ob es gut funktionieren würde, das Kupferrohr selbst zu biegen. Am Ende hat das Biegen des Rohres besser funktioniert als erwartet.

Fehler geschehen; das gebogene Rohr muss korrigiert werden.

Beim Zusammenbau der Anlagen habe ich viel über die Ausrichtung des Kupferrohres zu dem Inputcontainer gelernt. Es ist wichtig, dass Container und Rohr in der richtigen Höhe zueinander angebracht werden, damit das Wasser ausreichend erhitzt wird und alle krankheitserregenden Bakterien abgetötet werden. Eine der größten Herausforderungen beim Aufbau war es jedoch, die Isolation für die Anlage zu beschaffen. Im Hausbau und mit den dazu benötigten Materialien kenne ich mich gut aus, da ich neben der Arbeit mit den Tieren, die unsere Familie versorgen – Ziegen, einer Kuh, Hühnern und einem Hahn – auch Häuser baue. Aber gedämmt werden die Häuser hier nicht. Für die bereits bestehenden Anlagen am Malage VTC wurde Sisal verwendet. Wir konnten aus der Region Mwanga auch für unsere Anlagen Sisal bekommen. Mitte der Woche konnten wir so auch die zweite Anlage hier in Kidia fertigstellen. Am Freitag wurden die Anlagen dann an die Lehrer der Berufsschule übergeben, die die Anlage täglich gemeinsam mit den Schülern benutzen werden. Dabei wurde besprochen, worauf bei der Benutzung der Anlage zu achten ist. Darüber hinaus werden die Lehrer auch für die nächsten Jahre in engem Kontakt mit den Anlagennutzern am Malage VTC und dem Projektteam in Darmstadt stehen, um Anlagendaten und Benutzungserfahrungen über die nächsten Jahre zu sammeln und auszuwerten.  

Barick und ich montieren das fertig gebogene Rohr auf den Absorberblechen.

Montag und Dienstag hatten Jonas und Rebecca die Meli Secondary School noch einmal besichtigt, an der die nächsten beiden Anlagen gebaut werden sollten. In der letzten Phase der Vorbereitungen sind sie jedoch leider auf Probleme gestoßen. Leider können deshalb keine Anlagen in der Meli Secondary School aufgebaut werden. Wir Freiwilligen vom Aufbauteam haben uns daher kurzfristig bereiterklärt, noch zwei weitere Anlagen in Kidia aufzubauen. Zwei meiner Teammitglieder,  Charles und Thomas, haben direkt am Mittwoch mit dem Materialkauf für die weiteren Anlagen begonnen. Nachdem die Anlagen nun nicht mehr neu für uns sind und wir wissen, auf was es bei den benötigten Materialien ankommt, konnten meine Teammitglieder den Materialeinkauf eigenständig übernehmen. Julius und Edgar haben gemeinsam mit Ichikael mögliche Standorte für die zwei weiteren Anlagen besichtigt und die Entscheidung ist auf die Kidia Secondary School gefallen. Neben den Schulkindern der Kidia Primary School, können so auch die jungen Heranwachsenden der Kidia Secondary School von dem Projekt profitieren. Beim Aufbau der nächsten beiden Anlagen in der kommenden Woche werde ich wieder im Team dabei sein.

Thomas, ein Teammitglied, beim Holzeinkauf mit Rebecca für die Anlagen TZ05 und TZ06.
Jonas beim Materialeinkauf bei lokalen Händlern für die Racks der Anlagen.

Wie gesagt, konnten wir die zweite Anlage Mitte der Woche erfolgreich fertigstellen. Donnerstag und Freitag habe ich mich daher lange mit Rebecca, Julius und Ichikael über meine Erfahrungen als Handwerker und meinen Eindruck von der SoWaDi-Anlage unterhalten. Ich hoffe, dass es Ihnen hilft, eine geeignete Verbreitungsstrategie zu finden, damit in Zukunft möglichst viele Menschen von dem Projekt profitieren können. Aus meiner Sicht hat SoWaDi im Vergleich zu anderen Systemen zur Wasseraufbereitung viele Vorteile. Die Leute hier in Kidia benutzen momentan viele Ressourcen, um Wasser abzukochen. Mit der Anlage brauchen wir nur noch die Sonne. Das spart viel Arbeit, die wir sonst mit Feuerholz sammeln verbringen. Nachdem die Anlage einmal bezahlt und aufgebaut ist, hat man keine laufenden Kosten mehr. Ich hoffe, dass in Zukunft noch mehr SoWaDi-Anlagen gebaut werden.

Erste Interviews und Networking – Halbzeit unser Ausreise

Jonas, Ichikael und ich zu Besuch bei der lokalen Wasserbehörde MUWSA.
Nach einem Laborrundgang besprechen wir mit Mr. Revocatus und Mr. Limbe die aktuelle Wassersituation in Moshi. 

Karibuni und hallo zusammen, mein Name ist Rebecca James und in diesem Blogeintrag darf ich von meinen ersten Erlebnissen in Tansania berichten. Ich bin am Montag, den 3.2. nachgereist, um Jonas, Julius und Edgar, die schon vier Wochen hier sind, zu unterstützen. Bevor ich erzähle, was bisher passiert ist, möchte ich mich kurz vorstellen.

 Das bin ich, Rebecca James.

Ich bin 23 Jahre alt, bin letztes Jahr mit meinem Bachelor in Energiewirtschaft fertig geworden und wohne seitdem in Darmstadt, wo ich jetzt den Master Sustainable Urban Development an der TU Darmstadt studiere. Im November letzten Jahres bin ich das erste Mal zu einem Treffen von Ingenieure ohne Grenzen gegangen. Zu dem Zeitpunkt wurde gerade noch eine vierte Person für die Ausreise gesucht und ich habe mich direkt angesprochen gefühlt. Erst hatte ich Bedenken, da ich das Projekt und die Leute nicht wirklich kannte. Auf eine weitere Ausreise ins Ausland habe ich mich gefreut, da ich bereits mit 18 für zwölf Monate im Rahmen des Entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes in Bolivien war und später noch ein Auslandssemester in Kolumbien absolviert habe.  

Die Projektgruppe hat mich sehr gut aufgenommen und schnell habe ich bei den Treffen des Ausreiseteams mitgemacht, um in der kurzen Vorbereitungszeit so viel wie möglich über das Projekt zu erfahren. 

Im Projekt übernehme ich eine Rolle im Verbreitungs-Team. In dem Team überlegen wir, wie das Projekt in Zukunft von vielen Leuten genutzt werden kann. Denn ich bin zuversichtlich, dass die SoWaDi-Anlagen auf der ganzen Welt Menschen helfen können, Zugang zu sicherem Wasser zu bekommen. So versuchen wir Informationen zu sammeln, anhand deren wir verschiedene Verbreitungskonzepte bewerten können. Konkret für die Ausreise bedeutet das, dass wir Interviews und Fragebögen vorbereiten und geeignete Interviewpartner kontaktieren. Für das Verbreitungsteam und mich war das gerade in den letzten Wochen nicht einfach, weil in Tansania schon so viel im Projekt passiert ist und es schwierig ist, gleichzeitig von Deutschland aus mögliche Gesprächspartner zu identifizieren.  

Jonas und ich nehmen Wasserproben an der Kiwoce Open School in Moshi, um auf mikrobiologische Belastung zu testen und zu sehen, ob der Standort für die Anlagen geeignet ist.
Jonas (Links) im Gespräch mit unserem Projektpartner Sam (Mitte) und Mr. Swai (Rechts). Mr. Swai ist Berater im Bereich Innovation und Wasserversorgung und gibt uns Ideen, wie wir unser Projekt in Zukunft möglichst weit verbreiten.
Dokumentation ist wichtig! Hier mache ich ein Foto vom beschrifteten Probenbehälter zusammen mit der Quelle.
So kann die Probe eindeutig zugeordnet werden.

So bin ich jetzt, anstatt Klausuren zu schreiben, in Tansania und mache Erfahrungen, die von Deutschland aus nicht möglich wären. Was man oft vergisst ist, dass man vieles planen und vorbereiten kann und es dann doch oft anders kommt. Hier ist einiges spontaner als in Deutschland und doch findet man zusammen immer eine Lösung, mit der alle zufrieden sind. Ich freue mich riesig auf die nächsten Wochen. Projekte und Praxiserfahrungen wie diese sind mir wichtig, sodass ich mir dafür die Freiräume in meinem Studium schaffe. 

Am Sonntag vor einer Woche bin ich von Frankfurt losgeflogen und bin am Montag, 3. Februar endlich in Moshi angekommen. Dort habe ich mich mit Jonas, der vorher noch in Mwanga am ersten Standort war, getroffen. Nach der ersten Nacht in Moshi hatte ich am Dienstag Zeit, mich zunächst einmal etwas einzurichten, bevor einige Besprechungen mit dem Projektpartner auf der Agenda standen. Später planten Jonas und ich dann noch die ersten Treffen für die Verbreitungs-Interviews. Da wir zu dieser Zeit noch auf der Suche nach einem dritten Standort waren, besuchten wir am nächsten Tag die Kiwoce Open School in Moshi. Am Donnerstag haben wir dann das Labor des lokalen Wasserversorgers MUWSA besichtigt, wo wir unsere Wassertests für alle Anlagen machen lassen. Auch das ist ein wichtiger Teil des Projekts, um beurteilen zu können, ob  Wasser geeignet für die Behandlung ist und wie wirksam die SoWaDi-Anlagen funktionieren. Die bisherigen Untersuchungen haben wie erwartet gute Ergebnisse geliefert. Später haben Jonas und ich dann noch die Meli Secondary School als weiteren möglichen  Standort besucht und konnten einen ersten Eindruck von der Wassersituation an der Schule bekommen. Am Freitag hatten wir die Möglichkeit uns mit Mr. Swai zu einem ausführlichen Gespräch zu treffen. Er ist schon lange als Berater im Bereich Innovation und Wasserversorgung aktiv und konnte alle unsere Fragen zu SoWaDi aus unternehmerischer Perspektive beantworten.

Am selben Tag haben wir an der Meli Secondary School noch eine Detailbesprechung geführt und uns schlussendlich gemeinsam dazu entschieden, das Projekt die nächsten drei Wochen dort umzusetzen. Anschließend sind Jonas und ich ins vier Kilometer entfernte Kidia gefahren, als das dortige Aufbauteam zusammen mit  Julius und Edgar gerade die erste Anlage fertiggestellt hat. Es gab dort im Vorfeld zwar einige Herausforderungen mit Bauteilen wie der Isolation und dem Biegen der Kupferrohre, aber „TZ03“ konnte dank des sehr motivierten, selbständigen und präzise arbeitenden Teams wie geplant in Betrieb genommen werden. Der erste Output war definitiv mein eindrucksvollstes Ereignis in der vergangenen Woche, da ich die Anlage dort das erste Mal „in Action“ sehen konnte! Zusammen mit 150 Kindern der Kidia Primary School habe ich bestaunt, wie das heiße Wasser aus dem Absorberrohr geflossen ist.

Julius und Steve beim Setzen des Schnurgerüsts.
Damit kann die Anlage exakt ausgerichtet werden. 
Das Aufbauteam in Kidia beim Biegen des Kupferrohr.
Die Vorrichtung ist mithilfe der SoWaDi-Anleitung selbstgebaut.
Julius und Edgar legen die obere Glasscheibe auf.
Die Anlage ist jetzt fast aufgebaut.

Alles in allem haben wir es in dieser vollen Woche leider nicht geschafft, alle Interviews für die Verbreitung zu führen, die wir uns vorgenommen hatten. Dafür wollen wir in den nächsten Wochen noch einen Tag einplanen. Wir sind aber froh, endlich einen geeigneten dritten Standort gefunden zu haben, an dem wir zwei weitere Anlagen bauen können. Nachdem verschiedene Anläufe an anderen Standorten aus unterschiedlichen Gründen, wie zum Beispiel chemischer Verunreinigungen des Wassers, erfolglos blieben – Die SoWaDi-Anlagen behandeln nur mikrobiologische Belastungen – herrscht nun Klarheit, wo es nächste Woche weitergeht. Die Meli Secondary School liegt weit außerhalb von Moshi an einer nicht befestigten Straße und bezieht ihr Wasser aus einer Quelle, da sie nicht ans öffentliche Wassernetz angeschlossen ist. Dort können wir unser Projekt wirkungsvoll einsetzen und in Zusammenarbeit mit den Lehrern und Schülern vor Ort die Wassersituation ein Stück verbessern. Geplant ist, wie auch in Mwanga und Kidia, zwei Anlagen aufzubauen. Das wird eine echte Herausforderung, da wir im Vorfeld viel weniger planen konnten als an den beiden anderen Standorten. Wir nehmen uns der Situation aber gerne an und freuen uns, dort direkt am Montag loszulegen und das Team kennenzulernen! 

Während Jonas und ich dort arbeiten, soll nächste Woche in Kidia bei Julius, Edgar und dem Aufbauteam die Anlage „TZ04“ fertiggestellt werden. Kommenden Sonntag gibt es dort ein offenes Event, zu dem die ganze Gemeinschaft eingeladen ist und bei dem es dann hoffentlich zwei fertige SoWaDi-Anlagen zu bestaunen gibt. Hier sollen die Anlagen vorgestellt und ein Workshop zum Thema “clean water” angeboten werden. Das gibt uns die Gelegenheit, mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen, Fragen zu beantworten und Informationen für die Marktforschung und Verbreitung zu sammeln. Abgesehen davon wollen wir fehlende Verbreitungsinterviews im weiteren Verlauf der Ausreise nachholen. Insgesamt erhoffe ich mir von unserem Aufenthalt in Tansania, dass es sechs funktionierende Anlagen gibt und wir zusammen mit dem Team vor Ort neue Ideen zur weiteren Verbesserung der Anlagen finden. Mit den gesammelten Informationen und geknüpften Kontakten im Gepäck, können wir in der Verbreitungsgruppe in Zukunft hoffentlich besser abschätzen, wer die Zielgruppe ist und wo die Anlage wirkungsvoll eingesetzt werden kann. Auf lange Sicht ist mein Wunsch, dass das Projekt irgendwann so ausgereift ist, dass die SoWaDi-Anlagen weltweit überall dort gebaut werden, wo Menschen keine bessere Möglichkeit zur Wasseraufbereitung haben und somit die Wassersituation nachhaltig verbessert wird. Drückt uns die Daumen. 

Liebe Grüße vom Fuße des Kili, Rebecca

Ausreiseteam vereint! Für zwei Wochen sind wir zu viert in Tansania, bevor Edgar wieder nach Deutschland reist.
So können wir uns in Teams aufteilen und doppelt so viel schaffen.

Standort zwei gesichtet.

Das Team für Kidia steht.

Hallo liebe Leser! Mein Name ist Ichikael Malisa, ich bin 30 Jahre alt und lebe in der Nähe von Moshi, Tansania. Ich habe Mass Communication studiert und bin seit Mai 2019 Projektmanagerin bei der Kilimanjaro Childlight Foundation, dem Projektpartner des SoWaDi-Projekts.

Das bin ich, Ichikael Malisa.

Meine Schulzeit verbrachte ich in einem Internat, wo es ausschließlich Flusswasser zu trinken gab, da die Schule kein aufbereitetes Wasser hätte zahlen können. Noch aus dieser Zeit kenne ich die Krankheiten wie Typhus und Diarrhoe, die das Trinken von schmutzigem Wasser mit sich bringen kann. Auch heute noch muss ich feststellen, dass die Wassersituation schlecht ist und viele Familien noch nicht dafür sensibilisiert sind, das Wasser, das sie trinken vorzubehandeln. Umso mehr freute ich mich, als ich im Juni 2019 von dem SoWaDi-Projekt erfuhr. Ich dachte immer, Wasser mit Sonnenenergie abzukochen funktioniert nur mit teuren Lösungen wie fertigen Solaranlagen. Umso mehr überraschte es mich, dass es eine Einrichtung gibt, die man mit einfachen, lokal erhältlichen Teilen selbst bauen kann! Diese zeigt den Erwachsenen und vor allem den Kindern auf eindrucksvolle Weise, dass wie das Wasser auf nachhaltige Weise entkeimt wird, um es guten Gewissens trinken zu können. Das hat nicht nur den praktischen Effekt der Wasserdesinfektion, sondern kann auch als anschauliches Beispiel zur Wissensvermittlung herangezogen werden. 

Um die Umsetzung unseres Vorhabens voranzutreiben, bin ich immer im aktiven Austausch mit dem SoWaDi-Projektteam und kümmere mich als Projektpartnerin um die Koordination und Kommunikation vor Ort. Eine besondere Herausforderung besteht für mich in der Kommunikation mit den Partnerschulen. Das Projekt fasziniert mich so sehr, dass ich oft bis in den Abend hinein daran arbeite und Anfragen unserer Partner beantworte. 

Nun sind Jonas, Julius, Edgar und bald auch Rebecca vor Ort und ich freue mich gemeinsam mit ihnen und dem Team in Darmstadt weitere Anlagen zu errichten und für einen langfristigen Austausch mit den Betreibenden zu sorgen. 

Vergangenen Montag, den 27.02., sind wir dazu zunächst nach Kidia zu meinen Eltern gefahren, wo die drei jetzt wohnen. Nach einem kurzen Kennenlernen mit der Familie trafen wir uns mit dem Aufbauteam und Lehrern der Kidia Primary School. Das Aufbauteam besteht hier, anders als am Malage VTC, aus fünf Freiwilligen der Community, deren Kinder die Schule teilweise selbst besuchen. Neben der Anlage in der Primary School wird bei Mr. Charles Njau eine zweite Anlage in Kidia errichtet, die der Community zugänglich sein soll.

Zu Hause bei Mr. Charles, wo eine der
beiden Anlagen stehen wird. 
Er zeigt Julius seine Entnahmestelle
aus dem öffentlichen Netz.

Währenddessen sind Jonas und ich weiter nach Mwika gefahren, um eine dortige Schule als möglichen dritten Standort zu begutachten. Nachdem wir wieder nach Kidia zurückgekehrt sind, waren mittwochs meine Fähigkeiten als Übersetzerin besonders gefragt, da wir mit 150 Schulkindern einen Workshop zunächst allgemein über Wasser, und dann speziell über die SoWaDi-Anlage durchgeführt haben. Am darauffolgenden Tag sind Jonas, Julius und Edgar unterstützt von zwei Mitgliedern des Aufbauteams für den Materialeinkauf nach Moshi gefahren. Dabei galt es zunächst herauszufinden, wo die benötigten Materialien verfügbar waren und zum Beispiel die Blech- und Rohrbiegearbeiten gemacht werden können.  

Da es am Malage VTC Bedarf für eine Nachjustierung der dortigen Anlagen gab, einigten wir uns darauf, dass Edgar und Julius am nächsten Tag das restliche benötigte Equipment besorgten, während Jonas wieder nach Mwanga fuhr. Alles in allem liegen wir gut im Zeitplan, was nicht zuletzt dem großen Engagement derjenigen zu verdanken ist, die mithelfen den SoWaDi-Aufbau durchzuführen. Besonders gefreut hat mich, dass sich, entgegen ihrer Ankündigung abwechselnd in Tagesschichten zu arbeiten, nun doch alle Aufbauenden dazu entschlossen haben, ihre ganze Zeit in die Errichtung der Anlagen zu stecken. Das macht mich sehr glücklich und optimistisch für die nächste Woche! 

Der Standort für die Anlage an der Kidia Primary School.
Mr. Charles und Julius klären den Tagesverlauf der Sonne. 

Dann werden sich Julius, Edgar, alle Helferinnen und Helfer und ich endlich daran machen, die Wasserdesinfektions-anlagen aufzubauen. Der einzige Unsicherheitsfaktor bleibt für uns das Wetter, denn wenn es regnet kann draußen nicht weitergearbeitet werden. Also drückt uns die Daumen, dass nächste Woche die Sonne scheint! Abgesehen von der SoWaDi-Implementierung kommt nächsten Montag Rebecca an und wir werden Menschen treffen, die wir bezüglich der Verbreitung der Anlage befragen können. Bisher waren wir beim Finden eines geeigneten dritten Standorts nicht erfolgreich. Aber ich bin sicher, wir werden in Zusammenarbeit auch dafür eine Lösung finden und hoffe, dass wir den engen Kontakt auch in Zukunft weiter pflegen. Denn für den Projekterfolg ist gute Kommunikation zwingend erforderlich. Auf lange Sicht wäre es schön, wenn die Anlagen lange sicheres Wasser liefern und die Menschen hier nachhaltig mit einbezogen werden. Dann könnten SoWaDi’s zukünftig ohne die Hilfe des Projektteams gebaut werden und das Team müssten nur noch zur Inspektion der Anlagen herkommen.

Workshop zum Thema Wasser mit den Schülern, Lehrern und Volunteers. Edgar und Julius arbeiten im Dialog mit den Schülern die Bedeutung von sauberem Wasser heraus.
Am Nachmittag vertiefen wir das Thema Sauberes Wasser mit dem Team,
das die Anlagen bauen wird. Ich übersetze.
Die Volunteers sind von Beginn an aktiv mit dabei.
Steven erläutert seine Frage an der Tafel.
Wir sind fündig geworden.
Die Alusheets für den Absorber sind groß genug und die Blechdicke stimmt ebenfalls.
Beim Materialeinkauf: Julius und Jonas prüfen kritisch die Dichtheit der Tanks, die gekauft werden sollen.
Kleinteile für die Verbindung zwischen Absorber und Tank werden gesucht.
Ein aufwendiger Prozess, da jedes Teil einzeln aus dem Lager geholt
und auf Verwendbarkeit geprüft wird.
Im Holzlager werden Bretter gesichtet und die Einteilungen für den Zuschnitt gemacht. Darauf wird viel Zeit verwendet, das Holz ist eine der teuersten Komponenten der Anlage.

System reactivated. Die Anlagen laufen wieder!

Die Anlage ist fertig montiert. 
Das bin ich, Edgar Dingeldein 

Hallo, ich bin Edgar Dingeldein, 58 Jahre alt, ich bin verheiratet und habe zwei Kinder.  Mein Wohnort liegt südlich von Darmstadt im Modautal. 

Ich bin Architekt und leite derzeit das Dezernat Baumanagement und Technischer Betrieb der Technischen Universität Darmstadt. Nach dem Abitur 1981 machte ich zunächst eine zweijährige Ausbildung zum Bau- und Möbelschreiner und arbeitete anschließend in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen sowie in einem Zimmereibetrieb. 1985-1992 absolvierte ich dann meine Architektenausbildung an der Technischen Hochschule Darmstadt. Unmittelbar nach dem Studium habe ich mit drei Kommilitonen ein Architekturbüro gegründet und war dort Mitinhaber, bis ich mich im Jahr 2008 entschloss neue Herausforderungen zu suchen. So führte mich mein Weg abermals zur nunmehr Technische Universität Darmstadt genannten Hochschule. 

Auf mehreren Afrikareisen, die mich nach Marokko, in die Sahara, durch das Atlasgebirge sowie nach Kenia führten, war das Thema sauberes und trinkbares Wasser allgegenwärtig. In ländlichen Regionen zwar mehr als in den Städten, aber auch dort ist das Trinken von Wasser aus dem Hahn ohne Abkochen nicht möglich. Die Folgen des Verzehrs von biologisch oder chemisch verunreinigtem Wasser sind weitreichend. Kinder fehlen immer wieder in der Schule und die Eltern bei der Arbeit, aber auch chronische Krankheiten und eine geringere Lebenserwartung sind die Folgen. Persönliche, familiäre und gesellschaftliche Entwicklungen stehen in direkter Abhängigkeit zur Verfügbarkeit trinkbaren Wassers. Ich fragte mich, ob ich selbst etwas Sinnvolles zur Verbesserung der Situation beitragen könnte und stieß bei meinen Recherchen auf Ingenieure ohne Grenzen. Dort bin ich seit Ende 2018 aktives SoWaDi-Mitglied. Ich mag es, an greifbaren Projekten mitzuarbeiten und meine Erfahrungen einzubringen. IOG hat nicht nur technischen Hintergrund, sondern ist auch inhaltlich stark aufgestellt und arbeitet sehr selbstreflektiert im Bezug auf das Thema Entwicklungszusammenarbeit. Die Arbeit ist interdisziplinär, jede und jeder kann mitmachen. Mir gefällt dieses Konzept. Bei SoWaDi engagiere ich mich in der Gruppe Performance, wo ich technisches Fachwissen im Bereich Bau, Konstruktion, Material und Holzbearbeitung an vielen Stellen einbringen kann. Für die Ausreise habe ich darüber hinaus die Aufgabe des Fotografen übernommen. 

Im Vorfeld unseres Tansania-Aufenthalts hatten wir zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen. Die drei Bereiche Performance, Bauanleitung und 3D-Modellierung können meiner Meinung nach noch effektiver zusammenarbeiten und die Schnittstellen optimieren und so das Potential des Anlagenkonzeptes noch besser herausgearbeitet werden. Eine weitere Herausforderung besteht für uns alle in den semesterbedingten Schwankungen bei den Studierenden und auch meine Aufgabe an der TU Darmstadt fordert mich sehr. Die studienbedingte Fluktuation bei den Studierenden erfordert hohen Aufwand, um Wissenserhalt und –transfer zu gewährleisten. Die Veränderungen, die mein Engagement bei Ingenieure ohne Grenzen mit sich brachte, machten sich vor allem bezogen auf die Freizeit bemerkbar, die ich großteils in die Projektarbeit investierte. Gerade die Ausreisevorbereitung war sehr zeitintensiv. Damit war zwar zu rechnen, aber es war trotzdem mehr als erwartet. Gleichzeitig erfuhr ich unglaublich viel positive Rückmeldung und Interesse aus meinem persönlichen Umfeld. Die Entwicklungszusammenarbeit und das SoWaDi-Projekt sind für mich neue Felder, die nochmal zu einem ganz anderen Kontakt zur jüngeren Generation führten, da die Gruppe zum größten Teil aus Studierenden besteht. 

Julius bei der Erklärung der Messtechnik-Komponenten. Mittels Messtechnik sollen in den nächsten Monaten und Jahren Daten an einer der Anlagen aufgenommen werden, die unserem Team Informationen bezüglich dem Langzeitverhalten der Anlage liefern. 

Was ist in der letzten Woche Wichtiges passiert? Zunächst haben unsere tansanischen Partner, Julius, Jonas und ich beide Anlagen repariert und einige Herausforderungen wie zum Beispiel die Materialbeschaffung gemeistert. Wir mussten oft improvisieren und kamen zwischendurch etwas unter Druck. Mit Teamgeist und Einsatz gelang es am Freitag dennoch, beide Anlagen planmäßig in Betrieb zu nehmen. Leider war es uns nicht vergönnt, einen frischen Tee mit SoWaDi-Wasser zu kochen, da die Sonne nicht mitspielte. Zum Schluss wurde im Rahmen einer Abschlussbesprechung mit den Benutzern vor Ort das weitere Vorgehen besprochen und ein Kommunikationskanal für enge Zusammenarbeit eingerichtet. Mittlerweile sind wir von Mwanga nach Moshi zurückgekehrt und haben die Umsetzung des Projekts am nächsten Standort besprochen. Was mich an unserer ersten Station rückwirkend am meisten beeindruckt hat, ist die wunderbare Gastfreundschaft von Gasianus und seiner Frau sowie dessen Engagement in Bezug auf die Berufsschule und die Schüler. 

Gespannt beobachten wir das Einsetzen der oberen Glasscheibe. Das empfindlichste Teil der Anlage. 

Ab jetzt heißt es jedoch, sich auf den nächsten Ausreiseabschnitt an der Kidia Primary School vorzubereiten. Die dortigen Rahmenbedingungen sind noch weitgehend unbekannt und es wird sicher spannend, dort anzukommen und mit der Situation umzugehen. Unser Plan ist, die Lage zunächst mit allen Beteiligten zu besprechen, zusammen in Workshops die Bedeutung einer intakten Wasserversorgung zu erörtern und einkaufen zu gehen. Insgesamt erhoffe ich mir von der Ausreise einerseits mehr Erkenntnisse von der SoWaDi-Anlage. Andererseits bin ich gespannt, wie das, was wir so lange geplant haben, aussieht und funktioniert wenn es umgesetzt wurde. Ich persönlich finde regelmäßigen Perspektivenwechsel wichtig und möchte über den Tellerrand hinausschauen. Ich möchte neue Facetten der Welt mit eigenen Augen sehen, da Medien die Welt nur gefiltert darstellen. SoWaDi ist eine geniale Idee, es gibt aber noch Fragezeichen bezogen auf den Nutzen und die Kosten der Anlage. Trotz dieser Unsicherheiten hoffe ich, dass das Projekt in der Breite Akzeptanz finden wird.   

Am Inputtank tragen Julius und Jonas die Messskala auf. Mit der Schlauchwaage, die das Füllvolumen zeigt, werden jeweils 5 Liter markiert. 
Der letzte Schritt vor der Inbetriebnahme. Lehrer und Schüler schrauben den Abdeckrahmen für das Glas fest. Damit die Anlage nicht anfängt sich aufzuheizen, während gearbeitet wird, ist die Scheibe abgedeckt. 
Julius erläutert alle wichtigen Aspekte zu Wartung und Betrieb.  
Die Berufsschüler, Lehrer und ich  freuen uns über Abschlussbilder und Videos.